Michael Ballack im Interview

"Wenn die 'Bravo' kam, wurde neu tapeziert"

SID
Freitag, 28.05.2010 | 12:23 Uhr
Michael Ballack wird aufgrund einer Verletzung die WM 2010 leider verpassen
© Imago
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Michael Ballack. Bekannt als Führungsspieler und überragender Mittelfeldspieler des FC Chelsea und der deutschen Nationalmannschaft. Doch wie ist der "Capitano" privat? Was hört er für Musik? Wie hat sich seine Leidenschaft zur Musik verändert? Im etwas anderen Interview mit dem Musikmagazin "Rolling Stone", das SPOX auszugsweise zur Verfügung gestellt wurde, spricht der 33-Jährige über seinen Stil. Ballack gibt auch einen Einblick in das Innenleben des englischen Meisters FC Chelsea.

Frage: Wie wichtig ist Ihnen Musik?

Michael Ballack: Sehr wichtig. Wenn ich alleine im Auto sitze und so wie heute bei strahlendem Sonnenschein durch London fahre, drehe ich die Anlage auch gerne mal richtig auf. Natürlich ist das auch immer stimmungsabhängig. Auf der Fahrt zum Training habe ich die Musik meistens eher leise, auf der Rückfahrt wird es dann gerne richtig laut.

Frage: Wie kommt das?

Ballack: Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich am frühen Morgen noch nicht so richtig wach bin. Und weil man sich auch auf die anstehende Einheit konzentriert, den Tag in Gedanken durchgeht. Nach dem Training, wenn man ausgepowert ist, bringt einen die Musik wieder nach vorne. In England trainieren wir ja nur einmal am Tag. Da geht man nach der Einheit quasi ein zweites Mal in den Tag hinein. Gute Musik macht einem da gute Laune.

Frage: Singen Sie im Auto dann mit?

Ballack: (lacht) Manchmal, klar. Da wird man ja nicht gehört. Autofahren ist ein sehr privater Moment.

Frage: Wie in der Dusche?

Ballack: Genau. Da bin ich allein. Da kann man auch mal falsch singen.

Frage: Welches Konzert haben Sie denn zuletzt besucht?

Ballack: Ich war im Februar bei Depeche Mode, in der Royal Albert Hall. Und danach noch mit Simone (Ballacks Frau, d. Red.) bei Robbie Williams auf einer Art Privatkonzert in einem kleinen Club am Piccadilly Circus, in der Orchid Bar. Der hat da vor gerade mal 100 Leuten gespielt, organisiert von einem Londoner Radiosender, das war super. Die Karten konnte man nicht kaufen, die musste man bei einem Preisausschreiben gewinnen.

Frage: Und Sie haben gewonnen. So ein Glück!

Ballack: Man muss auch mal Glück haben. (lacht)

Frage: Sind die Jungs von Depeche Mode nicht auch Chelsea-Fans?

Ballack: Andy Fletcher, der Keyboarder, ist ein Blauer. Der geht als Jahreskartenbesitzer zu jedem Heimspiel an der Stamford Bridge. Bei Sänger Dave Gahan weiß ich es gar nicht, der lebt ja auch in Amerika. Aber von der Crew der Band und ihrem Management sind einige regelmäßig bei uns im Stadion. Der Kontakt kam über Marek Lieberberg zustande. Nach dem Konzert waren wir auch noch im Backstagebereich, das war natürlich sehr cool.

Frage: Wann haben Sie Depeche Mode für sich entdeckt? Schon vor der Wende?

Ballack: Nein, erst später. Ich war 13, als die Mauer fiel. Depeche Mode kamen für mich ein bisschen später, wie auch The Cure und andere englischen Bands.

Frage: Was haben Sie vorher gehört? Die Puhdys?

Ballack: Nein, eher nicht. Wir hatten auch vorher coole Musik, keine Sorge. Als ich noch ein bisschen jünger war, so mit 13, 14 Jahren, habe ich auch härtere Musik gehört. Def Leppard, Metallica und solche Sachen.

Frage: An die Platten kam man in der DDR ran?

Ballack: Natürlich. Also, zumindest an die Kassetten. Die hatten die älteren Jungs auf dem Hof, keine Ahnung, von woher. Irgendwann hat man das mitgehört und sich Kassetten überspielt. Ob man diese Musik bei uns kaufen konnte, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Aber man konnte sie sich auf jeden Fall besorgen (lacht). Ob ich jemals selbst in einen Laden marschiert bin und mir eine Metallica-LP gekauft habe, kann ich gar nicht sagen. Ich glaube nicht.

Frage: Hatten Sie als Jugendlicher auch Poster der Stars im Zimmer hängen? Alles voll mit Depeche Mode?

Ballack: Da hing schon Einiges, klar. Wenn die "Bravo" kam, wurde sofort neu tapeziert, fast egal, was drin war. Aber ich kann das hier jetzt nicht alles zugeben, ich schäme mich heute dafür. (lacht)

Frage: Und was lief auf den Partys?

Ballack: Im Jugendclub bei uns in der Anlage war einmal die Woche Disko, am Donnerstag. Von sechs bis neun Uhr! Und um halb zehn musste ich spätestens zu Hause sein. Nur Samstags durfte man auch mal bis Mitternacht bleiben. Auf diesen Partys und in den Klubs lief wirklich alles, denn das Publikum war sehr gemischt. Da gab es nicht wie heute Veranstaltungen, die sich an einer bestimmten Musikrichtung orientierten. Da war für jeden was dabei, da lief dann auch mal Punk, bisschen Heavy Metal, auch Depeche Mode. Hip-Hop und soweiter haben sie damals in der Fritz-Heckert-Siedlung aber noch nicht gespielt, da kam eher "Die Waldfee".

Frage: Sie spielten in Ihrer Karriere in Kaiserslautern, Leverkusen und dann beim FC Bayern. Wechselte gleichzeitig auch der Musikgeschmack?

Ballack: In der Zeit haben wir eigentlich alles gehört, was in den Charts lief. München, das war ja auch die "P1"-Zeit. Nach großen Erfolgen zog man dann noch mit der Mannschaft in die Diskothek - und da lief dann ja eh alles, was aktuell angesagt war. Viel Pop- und Rockmusik, Soul ... Natürlich entwickelt sich mit dem Alter auch der Musikgeschmack weiter.

Frage: Was läuft in der Kabine von Chelsea?

Ballack: Es gibt ein paar Spieler, die sich als als DJs betätigen. Ashley Cole und Didier Drogba bringen immer mal wieder was mit. Florent Malouda, den müssen wir mal von der Anlage wegnehmen, der lässt zuviel Reggae laufen. Sehr speziell, sein Geschmack.

Frage: Es gibt bei Ihnen im Verein einen Brauch, den Kapitän John Terry eingeführt hat. Ein neues Team-Mitglied muss zum Einstand in der Kabine auf einen Stuhl steigen und vor allen Versammelten ein Lied vortragen. Was haben Sie bei dieser Gelegenheit gesungen?

Ballack: "Du entschuldige, i kenn Di" von Peter Cornelius.

Frage: Wie kamen Sie denn ausgerechnet darauf?

Ballack: Das stammt noch aus meiner Zeit in Chemnitz. Da hatte ich zwei, drei Kumpels, mit denen ich oft unterwegs war. Einer von denen hat gerne - und gerne auch laut - gesungen. Wir sind damals oft einfach nett zusammen gehockt, er hat seine Gitarre rausgeholt und losgelegt. Das waren saulustige Abende. Roy Busch hieß der, er kaum aus dem Erzgebirge.

Frage: Roy Busch?

Ballack: Ein wahnsinniger Typ, der kannte eben auch die ganzen Lieder, die immer in den Skihütten geschmettert werden. Der hat immer diesen Hit gesungen: "Du entschuldige, i kenn Di, bist Du net die Kleine, die i scho als Bua gern g'habt hab?" Das hatte ich durch das viele Hören irgendwann dann auch drin. So auf einem Stuhl stehen und vor der Mannschaft singen - vor allem wenn man es nicht kann -, ist ja auch 'ne peinliche Geschichte. Da habe ich mir gesagt: Wenn schon, denn schon. Dann kriegen sie jetzt das volle Programm. Deutsch, Dialekt, Skigaudi. Nutzt ja auch nichts, da muss jeder durch. Der Einzige, der noch nicht auf dem Stuhl stand, ist der Trainer.

Frage: Carlo Ancelotti würde ja nach eigener Aussage in der Kabine lieber die Beatles oder Elton John auflegen.

Ballack: (lacht) Das glaube ich...aber nee, im Ernst. Über die Musik stimmst du dich ja auf das Spiel ein, machst dich heiß. Da braucht man was Schnelles, Poppiges, Energiegeladenes. Ein Stück, das dich hochpusht.

Das ganze Interview mit Michael Ballack und mehr zum Sound der Nationalmannschaft in der aktuellen Ausgabe des Musikmagazins Rolling Stone.

Ballack warnt vor zu hohen Erwartungen

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