Mittwoch, 31.03.2010

Ex-Bremer Ivan Klasnic im Interview

"Frankreich hat die schwerste Liga"

Gestern Bundesliga, heute Premier League: 2008 verabschiedete sich Ivan Klasnic aus Bremen. Nach nur einem Jahr in Frankreich beim FC Nantes geht der Kroate nun für die Bolton Wanderers auf Torejagd. Im SPOX-Interview spricht der 30-Jährige über den englischen Fußball, seine Nierenerkrankung, Waldläufe am Dienstagmorgen und eine mögliche Rückkehr ans Millerntor.

Ivan Klasnic (r.) traf mit den Bolton Wanderers auch auf Alex vom FC Chelsea
© Getty
Ivan Klasnic (r.) traf mit den Bolton Wanderers auch auf Alex vom FC Chelsea

SPOX: Herr Klasnic, viele Spieler träumen davon, Sie spielen dort. Ist die Premier League das Beste, was Ihnen passieren konnte?

Ivan Klasnic: Das lässt sich schwer sagen. Aber zurzeit fühle ich mich definitiv sehr wohl hier in Bolton und ich bin glücklich, dass ich Erfahrungen in solch einer Liga sammeln kann.

SPOX: Was hat Sie in der Premier League zu Beginn am meisten beeindruckt?

Klasnic: In dieser Liga kann wirklich jeder jeden schlagen. Auch wenn die ersten fünf Plätze an die großen Mannschaften vergeben sind, da diese natürlich kräftige Geldgeber im Rücken und Topstars in ihren Reihen haben. Aber Birmingham ist das beste Beispiel. Auch Außenseiter können die Großen ärgern. Und selbst unten in der Tabelle geht es unheimlich eng zu. Wir haben uns in der letzten Zeit ein wenig absetzen können.

SPOX: Es heißt, in der Premier League seien die Spieler im Vergleich zur Bundesliga viel kürzer in Ballbesitz und es herrsche ein deutlich höheres Tempo. Können Sie das bestätigen, nachdem Sie in beiden Ligen Erfahrungen gesammelt haben?

Klasnic: Ich bin jetzt noch nicht allzu lange hier, aber im Endeffekt ist es schon schneller. Für mich ist es die beste Liga der Welt. Und die Fans sind unglaublich. Jedes Stadion ist eigentlich voll, selbst beim Letzten aus Portsmouth. Die Zuschauer verlangen, dass du immer 100 Prozent gibst. Und wenn du dann verlierst, gibt es eben keine Pfiffe. Und Randale wie zuletzt in Rostock oder Berlin habe ich hier auch noch nicht miterlebt.

SPOX: Was sind sonst die größten Unterschiede zwischen Bundesliga und Premier League?

Klasnic: Hier in England trainieren wir ein Mal am Tag für zweieinhalb Stunden. Der restliche Tag ist frei. Das ist anders als in Deutschland, wo man schon mal zwei Einheiten am Tag hat. Die Deutschen machen gerne auch mal Dienstagmorgen einen Waldlauf. Und wenn man das Spiel am Wochenende gewinnt, steht nächsten Dienstag wieder der Lauf auf dem Programm. In England wäre das undenkbar. Seit ich hier bin, war ich noch nie im Wald laufen. Hier machen wir viel mit dem Ball.

SPOX: Stefan Maierhofer von den Wolverhampton Wanderers berichtete im SPOX-Interview, dass in der Trainingsarbeit besonders auf Fitness und Ernährung Wert gelegt wird.

Klasnic: Ja, das stimmt. Die Trainingseinheiten sind unheimlich intensiv und wir trainieren zum Beispiel immer mit Pulsuhr, das kannte ich aus Deutschland so noch nicht. Und in England stehen sie unheimlich auf Protein- und Energydrinks.

SPOX: Sportlich läuft es nicht unbedingt zufriedenstellend. Sie streiten sich zumeist mit Johan Elmander um den zweiten Platz im Angriff neben Kapitän Kevin Davies, Stammspieler sind Sie nicht. Warum?

Klasnic: Bevor ich mich vor vier Wochen verletzt habe, hatte ich eigentlich immer gespielt. Kevin Davies ist schon zehn Jahre im Verein und als Kapitän natürlich gesetzt. Zurzeit ist es so, dass ich auf der Bank sitze und Johan Elmander von Beginn an spielt. Aber ich brauche mich nicht zu verstecken, ich bin nicht schlechter. Ich mache immer meine Tore.

SPOX: In dieser Saison haben Sie in 21 Liga-Einsätzen schon sechs Mal getroffen. Damit sind Sie der treffsicherste Schütze im Team. Über die vollen 90 Minuten durften sie aber bislang nur ein Mal ran. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Klasnic: Sechs Treffer bei der im Vergleich mit den anderen Stürmern geringsten Einsatzzeit - das ist nicht schlecht. Ich habe schon gezeigt, was ich kann und werde weiter auf meine Chance warten. Mich stört es auch nicht, ob ich nun 90 oder 80 Minuten lang spiele. Hauptsache, ich spiele von Beginn an.

SPOX: Das war in Nantes meistens der Fall. Warum hat es trotzdem nicht zum Klassenerhalt gereicht?

Klasnic: In Nantes hat uns die Erfahrung gefehlt, wir hatten viele junge Spieler. Am Ende hat es nicht sollen sein. Und ehrlich gesagt: Der Trainer Elie Baup war auch nicht die Granate.

SPOX: Würden Sie sagen, in Frankreich wird im Vergleich zu Bundesliga und Premier League noch mal ein ganz anderer Fußball gespielt?

Klasnic: Definitiv. Das ist die schwerste Liga.

SPOX: Warum?

Klasnic: Weil alle Mannschaften defensiv spielen. Es fallen kaum Tore, die französischen Teams spielen lieber 0:0 als 3:3. Und wenn du alleine in der Spitze spielst, hast du die Arschkarte.

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SPOX: In Nantes stehen Sie noch bis 2012 unter Vertrag. Derzeit sieht es nicht nach einem direkten Wiederaufstieg aus. Kommt die zweite französische Liga für Sie in Frage?

Klasnic: Normalerweise nicht, aber wenn es nicht anders geht, muss ich dort spielen. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag.

SPOX: Gab es schon Gespräche mit den Bolton-Verantwortlichen über ein dauerhaftes Engagement?

Klasnic: Nein, bislang noch nicht. Ich denke, die Verantwortlichen in Bolton wissen, was sie an mir haben. Aber es ist auch möglich, dass ich woanders spiele.

SPOX: Zum Beispiel in der Bundesliga. Viele Fans würden Sie gerne wieder in Deutschland sehen.

Klasnic: Ich hätte kein Problem damit, wieder in der Bundesliga zu spielen. Ich habe aber das Gefühl, dass mir viele Bundesliga-Klubs nicht vertrauen und glauben, dass ich wegen meiner Erkrankung nicht mehr dasselbe Potenzial habe wie früher. Vielleicht scheuen sie das Risiko. Aber mir geht es gut, ich habe keine Probleme. Nicht in den Zweikämpfen und auch nicht im Toreschießen.

SPOX: Dann stünde doch einem Engagement bei Ihrem Heimatklub am Millerntor nichts mehr im Wege. Der FC St. Pauli hat gute Aufstiegschancen, da passt doch ein Wechsel im Sommer.

Klasnic: St. Pauli ist immer eine Herzensangelegenheit, aber daran denke ich noch nicht. Noch bin ich dabei, ein bisschen Geld zu verdienen und auf hohem Niveau zu spielen. Nicht, dass ich St. Pauli das Niveau absprechen will. Aber ich habe noch die Chance in der Premier League zu spielen und warum soll ich das nicht nutzen, solange ich das noch kann? Wenn ich dann 32, 33 Jahre alt bin, kann ich immer noch zu Pauli zurückkehren. Egal, ob nun in die erste oder zweite Liga.

SPOX: Besteht denn Kontakt zu Pauli-Verantwortlichen?

Klasnic: Ich habe nach wie vor Kontakt zu Trainer Holger Stanislawski und Sportchef Helmut Schulte. Die würden mich sofort nehmen. Aber ich würde lieber meine Karriere dort ausklingen lassen und zum Abschluss noch mal Spaß haben.

SPOX: Ihr Verhältnis zu den Werder-Verantwortlichen kann man dagegen infolge des Rechtsstreits als zerrüttet bezeichnen. Wie sieht es derzeit aus im Prozess um Ihre Nierenschädigung?

Klasnic: Das Gericht hat ein Gutachten erstellen lassen, das zu meinen Gunsten ausfällt. Wir warten auf die Stellungnahme der gegnerischen Partei, was etwa noch bis Mai dauern wird. Wie das Gericht am Ende entscheidet, steht noch in den Sternen.

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Interview: Pascal Jochem

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