Donnerstag, 07.01.2010

Premier League

Hongkong-Dollars von den Cayman Islands

Auf und ab, auf und ab. In den letzten Jahren musste sich Birmingham City mit der unattraktiven Rolle der Fahrstuhlmannschaft begnügen. Doch in diesem Sommer haben sich die Vorzeichen geändert. Mit den Millionen des chinesischen Geschäftsmanns Carson Yeung planen die Blues den Angriff auf die internationalen Plätze.

Im Spiel Blues gegen Blues gab es für Cameron Jerome (l.) und Birmingham ein 0:0 gegen Chelsea
© Getty
Im Spiel Blues gegen Blues gab es für Cameron Jerome (l.) und Birmingham ein 0:0 gegen Chelsea

Die Saison begann standesgemäß. Zwei Siege, sechs Tore, Platz 18. Nach neun Spielen stand Birmingham City da, wo es auch erwartet wurde: im Abstiegskampf.

Doch dann folgte eine mittelgroße Überraschung. In den letzten elf Spielen blieb das Team aus den West Midlands ungeschlagen, siegte fünf Mal in Folge und trotzte Spitzenteams wie Chelsea, Liverpool und ManCity Unentschieden ab.

Ergebnisse, die man Birmingham nicht zugetraut hatte - und die sie in der Tabelle stetig klettern ließen. Mittlerweile stehen die Brums auf Rang acht und nur einen Punkt hinter den Reds aus Liverpool. "Eine fantastische, fantastische, fantastische Leistung", fand Rovers-Coach Sam Allerdyce sehr einseitige, aber umso überschwänglichere Worte nach der 2:1-Niederlage seines Teams im St.Andrew's Stadiums zu Birmingham.

Das Duisburg der Premier League

In den letzten vier Jahren stieg Birmingham zwei Mal auf und direkt wieder ab. Doch jetzt schickt sich das sportliche Duisburg der Premier League an, sich nicht nur dauerhaft in der Eliteliga, sondern mittelfristig sogar in die Spitzengruppe zu etablieren. Angesichts der Big Four und weiterer Millionentruppen wie Manchester City, Tottenham oder dem Erzrivalen Aston Villa, ein äußerst ambitioniertes Ziel. Doch der neue Eigentümer Carson Yeung, der in zwei Schritten 90 Prozent der Klubanteile gekauft und dafür über 85 Millionen Euro berappt hat, will sich mit nichts Geringerem zufrieden geben.

Sein erster Versuch, Birmingham zu übernehmen, scheiterte im Jahr 2007. Im August 2009 klappte es im zweiten Anlauf.  Seit Yeung das Sagen hat, scheut er sich nicht, vollmundige Versprechen zu machen. "Wir werden alles daran setzen, das bestmögliche Team auf den Rasen zu schicken und dafür das entsprechende Geld bereitstellen", sagte er bei seinem Antritt. Bis zu 45 Millionen Euro wolle er im Winter-Transferfenster aufbringen, um das Team zu verstärken.

Investment-Firma auf den Cayman Islands

Beträge, die nicht nur wegen der gescheiterten Übernahme von 2007 Skepsis im Umfeld des Klubs hervorriefen. Dass Yeungs Investment-Firma Grandtop International Holdings (GIH) auf den Cayman Islands registriert ist, half jedenfalls nicht unbedingt, die Seriosität der neuen Chefetage zu untermauern.

"Ich glaube nicht, dass wir es mit einem neuen Abramowitsch zu tun haben", beeilte sich David Gold, Yeungs Vorgänger als Birmingham-Boss, Assoziation mit einem gelangweilten Businessman, der sich aus Jux ein Statussymbol zugelegt hat, zu verscheuchen. Ironischerweise plant der abgesetzte Gold zurzeit ganz in diesem Sinne die Übernahme von West Ham United...

Mittelmaß ist unerwünscht

Bei Treffen mit Fan-Klubs gerierte sich Yeung zudem als Mann des Volkes, um die vielen Zweifler von seiner Integrität und Fußballverbundenheit zu überzeugen. Vor Birmingham stand er bereits den Hongkong Rangers vor, die mittlerweile in der zweiten Liga der ehemaligen Kronkolonie Großbritanniens kicken. Doch nichts liegt dem Milliardär ferner, als das - euphemistisch gesprochen - Mittelmaß der fußballerischen Provinz.

Um Birmingham nach oben zu führen, baut Yeung neben seiner Begeisterung daher auf fachkundige Kompetenz: Die Ex-Stars Steve McManaman und Christian Karembeu sind seit 2007 als Experten in der Direktion von GIH angestellt, um die weltweite, vor allem auf den asiatischen Markt ausgerichtete Präsenz Birminghams voranzutreiben. "Du kannst nie zu viele Kontakte haben", weiß Paul Montgomery, Chef-Scout der Blues, um die Bedeutung prominenter Mitstreiter.

Alex McLeish warnt

Dass die Mannschaft, die sich vorwiegend aus Briten zusammensetzt, schon vor den aus Yeung-Millionen finanzierten Neuzugängen eine derart positive Entwicklung erlebt, überrascht auch den schottischen Coach Alex McLeish. Er warnt davor, abzuheben: "Wir müssen bescheiden bleiben und uns nicht von der Euphorie mitreißen lassen." Denn trotz der guten Ergebnisse ist selbst der Schritt zu dauerhaftem Premier-League-Fußball noch nicht abgeschlossen. Birmingham lebt zurzeit von einer eingespielten Mannschaft (acht Spiele in Folge dieselbe Startelf) und der sattelfesten Abwehr.

Dass der 50-Jährige auf physisch-robusten Defensivfußball setzt, erscheint angesichts seiner eigenen Spielerlaufbahn als beinharter Verteidiger beim FC Aberdeen als folgerichtig. Mit nur 18 Gegentoren weist Abwehr den zweitbesten Wert nach dem FC Chelsea auf. Gemeinsam mit Manchester United, nächster Gast der Brums im St. Andrew's am Samstag (18.30 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY).

Viele Nobodys im Team

Doch im Gegensatz zu den Red Devils, die Innenverteidiger wie Nemanja Vidic oder Rio Ferdinand (wenn auch zurzeit verletzt) in ihren Reihen haben, setzt McLeish auf Verteidiger, die vor dieser Saison kaum jemand als überdurchschnittliche Premier-League-Spieler auf dem Zettel hatte. Allein Leih-Keeper Joe Hart (ManCity) gilt als Ausnahmetalent. Einen Verkauf Harts schlossen die Citizens mit Verweis auf ihre langfristige Planung vor kurzem aus, das letzte Wort dürfte in dieser Angelegenheit allerdings noch nicht gesprochen sein.

Für die Rückrunde soll der Kader sowohl in der Spitze als auch in der Breite verstärkt werden. "Ein, zwei Sachen bahnen sich an, wir befinden uns in Gesprächen über Spieler", sagt McLeish zum Stand der Dinge. Vor allem im Sturm besteht Bedarf, Birmingham stellt mit 20 erzielten Toren den viertschwächsten Angriff.

Gleichwohl muss McLeish aufpassen, das stets flüchtige Gebilde einer eingeschworenen Gemeinschaft durch (nicht nur finanziell) abgehobene Superstars nicht zu zerstören. Doch davor, so McLeish, sei er "auf der Hut". Mit Kenwyne Jones (AFC Sunderland), Ryan Babel (FC Liverpool) und Kevin Kuranyi werden nichtsdestotrotz international bekannte Namen in den Midlands gehandelt.

Der Kader von Birmingham City im Überblick

Anant Agarwala

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