Liverpools Daniel Agger im Porträt

Daniel Dynamite

Von Marcus Giebel
Montag, 07.12.2009 | 17:41 Uhr
Jubelpose a la Daniel Agger: Bei Treffern der Reds reckt er die Faust, spannt seinen Bizeps an
© Getty
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Beim FC Liverpool läuft es in dieser Saison alles andere als rund. Das liegt nicht zuletzt an den langen Verletzungspausen von Kapitän Steven Gerrard, Torjäger Fernando Torres - und Abwehrmann Daniel Agger. Den jungen Dänen können die Reds als Antreiber aus der Defensive nicht ersetzen. SPOX zeichnet den Weg des 24-Jährigen von den Anfängen in Skandinavien bis zum Geschäftsmann und herangereiften Familienvater in Liverpool nach.

Plötzlich hat er ganz viel Platz. Die Spieler von West Ham United ziehen sich zurück, stellen Passwege und Gegenspieler zu. Doch von seiner Schussstärke scheinen sie noch nichts gehört zu haben. Also legt sich Daniel Agger den Ball noch einmal vor und visiert das Tor der Hammers an.

Dann nimmt er Maß und zieht aus 35 Metern mit seinem starken linken Fuß ab. Das Spielgerät rutscht leicht über den Spann und bekommt somit einen ordentlichen Links-Drall. Gäste-Keeper Roy Carroll sieht das Geschoss frühzeitig auf seinen Kasten zufliegen. "No way", dürfte sich der Nordire denken.

Er ist machtlos. Carroll schaut der Kugel wie alle übrigen Akteure auf dem Platz nach, bis sie im linken oberen Toreck einschlägt. Es würde niemanden verwundern, spendete er dem Torschützen noch Beifall. Denn so ein Gegentor bekommt man nicht alle Tage eingeschenkt. Schon gar nicht von einem Verteidiger.

Auszeichnungen für erstes Reds-Tor

Nach diesem Ausgleich gewinnt der FC Liverpool das Heimspiel im August 2006 noch mit 2:1. Und Agger ist endgültig angekommen auf der Insel. In Liverpool. Bei den Reds.

Der Treffer - Aggers erster für den englischen Rekordmeister - wird von der "BBC" zum Tor des Monats gewählt. Am Ende der Saison ist es mit überwältigender Mehrheit Liverpools Tor der Saison.

Reds-Legende Ian Rush sieht sich bestätigt. "Spieler wie Agger können aufgrund ihrer offensiven Ausrichtung einem Spiel eine Wendung geben", hat der Waliser einst gesagt. Nun fügt er hinzu: "Er wird noch einige Tore für Liverpool schießen, weil er eine exzellente Schusstechnik hat."

Gillespie begeistert von Ballbehandlung

Gary Gillespie, ebenfalls Liverpooler Urgestein, pflichtet bei: "Was mich begeistert, ist seine Ballbehandlung. Agger kann den Ball sicher aus der Gefahrenzone spielen oder mit dem Ball am Fuß das Spiel vorantreiben." Das ist der große Unterschied zu seinen Nebenleuten Jamie Carragher, Martin Sktrel, Sotirios Kyrgiakos oder früher Sami Hyypiä.

Gelten sie als reine Abräumer in der Defensive, hat Agger auch offensiv seine Qualitäten, leitet Angriffe mit klugen Pässen oder Vorstößen ein. Er scheint prädestiniert für die Premier League. Weil er antrittsschnell ist, ein gutes Auge für die Situation hat und im richtigen Moment zum Tackling ansetzt.

Und er geht keinem Zweikampf aus dem Weg, schont weder sich noch Gegner. Ein verlorener Zahn und blutende Platzwunden in regelmäßigen Abständen sind Zeugnis seiner Härte. Zuletzt muss er gegen Manchester City nach einem Zusammenprall mit Kolo Toure benommen vom Platz getragen werden.

Vergleiche und Rekordablöse

Auch Carragher ist überzeugt:  "Er hat das Zeug, einer der besten Verteidiger der Vereinsgeschichte zu werden." Vergleiche mit Alan Hansen wurden bereits gezogen. Der Schotte spielte von 1977 bis 1991 an der Anfield Road. Auch der Name Mark Lawrenson, der in sieben Jahren mit Liverpool fünf Meistertitel errang, taucht immer wieder auf, wenn von Agger die Rede ist.

Verwunderlich ist das allein deshalb nicht, weil Dan the Man einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hat. Nur eineinhalb Jahre nach seinem Profidebüt für Bröndby wechselt er im Januar 2006 für 8,75 Millionen Euro zum FC Liverpool - dem damaligen Champions-League-Sieger. Agger avanciert zum bis heute teuersten dänischen Fußball-Export. Noch nie zuvor haben die Reds mehr Geld für einen Verteidiger bezahlt.

Schnell verdrängt er Hyypiä auf die Bank, veranlasst John Arne Riise im Sommer 2007 festzustellen: "Agger war unser bester Spieler der Saison." Damals hat der Emporkömmling gerade seine erste komplette Spielzeit auf der Insel hinter sich gebracht.

Knie, Fuß, Hand, Knöchel, Rücken

Doch es folgen Rückschläge - in Form von Verletzungen. Hat er schon in Dänemark mit Knieproblemen zu kämpfen, bricht sich Agger im September 2007 im EM-Quali-Spiel gegen Liechtenstein die Hand. Ein späterer Mittelfußbruch bringt eine neunmonatige Pause mit sich.

So absolviert Agger in der Saison 07/08 nur sechs Pflichtspiele. Ausrüster Adidas fertigt ihm einen speziellen Fußballschuh an, doch in der Folge sorgen Knöchel und Rücken für Beschwerden. Wegen Letzterem ist im August 2009 eine Operation bei einem Spezialisten in Frankreich nötig.

Gedanken an Karriereende

In dieser schweren Zeit denkt Agger darüber nach, die Stiefel an den Nagel zu hängen - mit gerade einmal 24 Jahren. "Mein Rücken schmerzte so sehr, dass ich daran gedacht habe, meine Karriere zu beenden. Ich habe mich selbst gefragt, ob es das wert ist", sagt er in "Jyllandsposten".

Doch nun ist Agger zurück. Auf dem Platz und in der Startelf des FC Liverpool. In dieser Saison verloren die alles andere als souveränen Reds nur eines der neun Spiele, bei denen er auf dem Feld stand.

Dass alles aber rasch vorbei sein kann, weiß er. Das steht auch auf dem rechten Oberarm Aggers geschrieben. "Memento mori" ist dort zu lesen - "Gedenke zu sterben". Es ist nur eines von zahlreichen Tattoos, die seinen Körper zieren.

Beide Arme sind wahre Kunstwerke. Auf der Brust stehen die Namen seines Bruders Marco und seiner Schwester Stephanie. Zuletzt hat Agger sich auf den Knöchel den Spruch "Schmerz vergeht - Stolz bleibt" stechen lassen.

Tattoos als Titel-Prämie

Er selbst ist ausgebildeter Tätowierer. Was ihn im Frühjahr auf eine aberwitzige Idee bringt. Hätten die Reds im Sommer den 19. Meistertitel geholt, wäre für jeden Teamkollegen ein Tattoo fällig gewesen. Dafür hätte Dagger höchstpersönlich gesorgt.

Auch anderweitig versucht er sich als Geschäftsmann. Bis zum Frühjahr besaß Agger zwei Restaurants an der Lark Lane. In seiner Heimat Hvidovre - einer Kleinstadt in der Nähe von Kopenhagen - ist Heavy-Metal-Fan Agger Mitbesitzer eines Pub, steht im Sommer selbst hinter der Theke.

Die Entscheidung, Karriere mit dem runden Leder zu machen, traf Agger spät, unterschrieb erst mit 20 Jahren seinen ersten Profivertrag: "Ich wollte nicht immer Fußballer werden. So konnte ich als Jugendlicher tun, wozu ich Lust hatte. Ich war auf Partys, genoss das Leben. Dann war ich alt genug, zu entscheiden, was ich machen wollte."

Aggressivität "in meinem Blut"

Bereut hat er den Einstieg in den Profisport bislang nicht. Auch wenn Agger nicht der Typ ist, der sein Gesicht gern in Kameras hält: "Wenn andere Spieler gern im Rampenlicht stehen, ist das in Ordnung. Aber ich bleibe lieber im Hintergrund."

Das gilt nicht für die 90 Minuten auf dem Rasen. "Auf dem Platz bin ich eine andere Person. Dort erwache ich zum Leben, werde aggressiv. Das ist in meinem Blut", erklärt Agger in einem der ungeliebten Interviews.

Mittlerweile bewohnt er eine 1,5 Millionen Euro teure Villa in der Yew Tree Road. Eine gefährliche Gegend. Im Sommer kommt es nur zwei Häuser vom Agger-Anwesen entfernt zu einer Schießerei - mit unblutigem Ausgang.

Doch das Frühjahr an sich ist ein höchst Erfreuliches im Hause Agger. Trotz langer Verletzungspause verlängert er seinen Vertrag bis 2014 - für ein Wochensalär von 80.000 Euro. Immerhin haben auch Vereine wie der AC Milan und Real Madrid angeklopft.

Tribut an Carragher?

Das wichtigste Ereignis des Jahres erfolgt jedoch am 11. Mai, als Freundin Sofie Nelson Söhnchen Jamie zur Welt bringt.  Er ist Aggers ganzer Stolz. Und wird sicher bald auf der Haut seines Vaters verewigt.

Dass Teamkollege Carragher Pate für den Namen gestanden haben soll, ist in England nur ein Gerücht. Doch eine frühere Aussage Aggers lässt die Vermutung nicht ganz abwegig erscheinen. Im Sommer 2007 sagt er über Carra: "Er ist der beste Lehrer, den sich ein junger Spieler vorstellen kann. Ich weiß gar nicht, wie ich meinen Respekt ihm gegenüber ausdrücken soll."

Möglicherweise hat er in diesem Jahr einen beeindruckenden Weg gefunden.

Daten und Fakten zu Daniel Agger

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