Jozy Altidore im Porträt

Der Amerikaner in Europa

Von Jochen Tittmar
Freitag, 30.10.2009 | 13:16 Uhr
Jozy Altidore wechselte auf Leihbasis vom FC Villarreal zu Hull City
© Getty
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Jozy Altidore kam mit einer Reihe viel versprechender Empfehlungen in Europa an. Trotz eines Blitzstarts kam der 19-jährige US-Amerikaner bislang jedoch auf keinen grünen Zweig. Bei Hull City wagt er in der Premier League einen Neuanfang.

"Hey man, what's up? I'm happy to talk to you", schallt es einem entgegen wie in einem Hip-Hop-Lied. Es dauert nicht lange um zu erkennen, dass Jozy Altidore glücklich ist. Endlich wieder glücklich.

Der US-Amerikaner in Europa hatte bisher wenig Glück auf dem neuen, ungewohnten Kontinent. Für den Sohn haitianischer Eltern eine gänzlich neue Erfahrung.

Hier geht's zum Interview mit Jozy Altidore

15 Sekunden für das erste Tor

Zuvor war er der unbekümmerte Sonnyboy, bei dem es stets nur bergauf ging. Einer, der dank seines jungen Alters bei fast jedem seiner Tore eine neue Bestmarke aufstellte (siehe zweite Faktenbox unten links). Einer, auf den ganz Fußball-Amerika stolz war und den man besten Gewissens in die Top-Ligen jenseits des großen Teichs schicken konnte. Doch in Europa war vieles anders.

Rückblick: Altidore wechselte als viel versprechende Sturmhoffnung im Sommer 2008 mit 18 Jahren für zehn Millionen Dollar von den New York Red Bulls zum spanischen Spitzenverein FC Villarreal.

Dort beginnt Altidore genauso unbeschwert und abgezockt, wie man ihn aus der MLS kannte: Bei seinem dritten Auftritt erzielt er 15 Sekunden nach seiner Einwechslung den ersten Treffer. Rekord, das Märchen geht weiter.

Wechsel in die 2. Liga

Doch wie sich herausstellen wird, war das nur ein laues Lüftchen. Altidore kommt im neuen, ungewohnten Umfeld nur schwer zurecht. Erstmals in seiner Karriere läuft nicht alles wie am Schnürchen. Er muss seiner Unerfahrenheit Tribut zollen und merkt, dass auch für ihn die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Jozy Altidore hat an der Umstellung auf die europäischen Gepflogenheiten zu knabbern. Pressing, Verschieben, defensive Laufarbeit - all das geben die Stürmer in Amerika in der Regel an die Mitspieler weiter. Auch die neue Sprache bereitet ihm Probleme.

Die Folge: Die Einsatzzeiten unter Coach Manuel Pellegrini verringern sich beträchtlich, so dass Altidore nach nur einem halben Jahr an den damaligen Zweitligisten Xerez ausgeliehen wird.

"Es waren schreckliche Tage"

Doch ein entzündeter Zehennagel ist schuld daran, dass Altidore kein einziges Mal für den jetzigen Aufsteiger aufläuft.

Es geht zurück zu Villarreal, wo sich seine sportliche Perspektive nicht erst durch die langwierige Verletzung verschlechtert hat. Altidore willigt ein, sich erneut ausleihen zu lassen und brennt nach seiner Genesung darauf, endlich wieder dauerhaft auf dem Platz zu stehen.

"Es waren schreckliche Tage. Im Fußball muss wohl jeder einmal so etwas durchmachen. Schlussendlich hat es sich für mich ja auch gelohnt", sagt Altidore rückblickend im Gespräch mit SPOX.

Er ergattert ein Ein-Jahres-Engagement bei Hull City - mit Kaufoption. Doch bis das Leihgeschäft unter Dach und Fach ist, kommen weitere schreckliche Tage auf den 19-Jährigen zu.

"Ich dachte, dass alles umsonst gewesen ist"

Eine fehlende Arbeitserlaubnis lässt ihn kreuz und quer zwischen England, Spanien und Amerika pendeln. Statt auf dem Trainingsplatz zu stehen, sitzt er in Flughäfen und auf Botschaften.

Die Schweinegrippeerkrankung seines Nationalmannschaftskollegen Landon Donovan, die nervenaufreibende ärztliche Untersuchungen auf für Altidore nach sich zieht, tut ihr Übriges. "Das war alles sehr frustrierend. Ich habe den Glauben verloren. Ich dachte, dass alles umsonst gewesen ist", sagt er Anfang August.

Inzwischen strahlt Altidore wieder über beide Ohren. Er fühlt sich wohl bei seinem neuen Klub. Der Umzug vom lästigen Hotel in eine Wohnung in Leeds, seinem Mini-New-York, wie er sagt, hat dazu beigetragen. Auch sein Auto ist mittlerweile da. Der kleine, familiäre Klub im Osten Englands ist wie maßgeschneidert für Altidores weitere Entwicklung. Doch warum ausgerechnet Hull?

"Mein Hauptaugenmerk lag auf der Spielpraxis", nennt er als Grund dafür, Angebote von Everton, Fulham oder Monaco ausgeschlagen zu haben. "Ich muss einfach spielen. Ich bin ein junger Spieler und muss noch viel lernen, um besser zu werden."

Blitzstart auch bei Hull

Das Debüt glich jenem in Villarreal: 22 Sekunden nach seiner Einwechslung gegen Bolton am dritten Spieltag der Premier League bereitete er den Siegtreffer per Seitfallzieher vor. Dass er seitdem nur einmal den Weg in die Startformation fand und die Tigers einen kapitalen Fehlstart hinlegten, beunruhigt ihn - bislang - nicht.

"Englischer Fußball ist deutlich zielstrebiger. Ich muss mich schleunigst daran gewöhnen", sagt Altidore.

Der umstrittene Trainer Phil Brown bevorzugt im 4-5-1-System derzeit Jan Vennegoor of Hesselink als zentrale Sturmspitze. Nach einem Jahr mit nur sechs Ligaspielen zählen für Altidore ohnehin die kleinen Schritte.

Mitläufer oder Durchbruch?

"Es macht mich einfach glücklich, dass ich mich zu einem solch frühen Zeitpunkt in meiner Karriere mit den größten Spielern der Welt messen kann. Ich wusste, dass das Spielen in der Premier League extrem aufregend sein wird", lautet sein Zwischenfazit.

Noch im selben Atemzug kommt das erwartete Aber: "Ich will zeigen, dass ich kein Mitläufer bin, sondern als Amerikaner in Europa mithalten kann."

Es liegt nun an ihm, diesen Prozess einzuleiten und erfolgreich zu bestreiten. Es ist genau jener Prozess, der schon dem einen oder anderen seiner Landsleute in Europa den Weg verbaut hat.

Hier geht's zum Interview mit Jozy Altidore

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