Die Premier League startet wieder

"Ballack wird eine Schlüsselrolle übernehmen"

Von Carsten Germann / Stefan Rommel
Freitag, 14.08.2009 | 14:40 Uhr
John Terry (l.) und Michael Ballack spielen seit 2006 zusammen beim FC Chelsea
© Imago
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Am Samstag beginnt mit der Partie des FC Chelsea gegen Hull City (Sa., 13.45 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) die Premier-League-Saison 2009/10 in England. Die Blues gehen dabei mit neuem Trainer, neuem Konzept und neuer Taktik ins Rennen - und sind trotzdem Titelkandidat Nummer eins.

Die römische Volksweise kam sichtlich gut an. Es gehört zu den schönen Traditionen des englischen Fußballs, dass schöne Traditionen partout aufrecht erhalten werden.

Beim FC Chelsea sieht eine solche so aus, dass jeder Neue vor der ersten Trainingseinheit vor dem gesamten Team ein Liedchen trällern muss. Für die meisten ist es der blanke Horror. Für Carlo Ancelotti dagegen war es ein reiner Spaß.

"La societa dei magnaccioni" gab Carletto zum Besten. Eine uralte Strophe, in der es um Völlerei und die Lust am dekadenten Genuss geht.

Ancelotti kommt gut an

So hatten sich seine neuen Bediensteten den pummeligen lieben Onkel aus der Emilia-Romagna wohl nicht vorgestellt. Aber Ancelotti hat sie damit gleich gepackt. Engländer finden eben nichts schöner, als den schrägen Hang zur Selbstironie.

Carlo Ancelotti, 50, hat in London den perfekten Start hingelegt. Ein paar Tage haben sie noch Guus Hiddink hinterher getrauert. Zu gerne hätten sie eine ganze Saison mit Hiddink versucht, aber der Niederländer wollte nicht.

Dann kam Ancelotti. Und noch vor dem ersten Tackling der Saison haben die Fans der Blues nur noch Augen für den Mister. Ancelotti bekam die Kabine schnell in den Griff.

Gegenstück zu Mourinho

Jenen unheilvollen Ort, in dem sich die Spieler über Scolari oder Avram Grant das Maul zerrissen hatten und die Ikonen John Terry und Didier Drogba schon mal selbstständig die Taktik für das nächste Wochenende festlegten.

Der FC Chelsea galt nach dem Abgang von Jose Mourinho als schwer zähmbare Bestie, ein Team voller Egomanen. Eine zeitlang neideten sich Terry, Drogba und Frank Lampard ihr aberwitziges Salär. Als wären 150.000 Pfund die Woche nicht bizarr genug.

Mit seiner ruhigen, sachlichen Art - dem genauen Gegenteil des aufbrausend-arroganten Mourinho - hat Ancelotti die Horde Spitzenverdiener gepackt. Er wirkt dabei eher wie ein Vermittler zwischen seinen Vorgesetzten und den Spielern, weniger wie ein Diktator, wie es Scolari war. Dabei macht Ancelotti nichts anderes, als in den acht Jahren bei Milan.

Nur Schirkow als Zugang

Er nimmt sich zurück, bleibt im Hintergrund. Es war immer das Milan Berlusconis, Maldinis oder Schewtschenkos. So soll es auch in London sein. Und so macht es aus dem FC Chelsea den heimlichen Topfavoriten auf die englische Meisterschaft.

Nach Jahren des teilweise sinnfreien Prassens an den Transfermärkten der Welt und Gesamtausgaben von über 640 Millionen Euro unter Roman Abramowitsch haben sich die Londoner neben Ancelotti (7,5 Mio. Euro Jahresgage) bisher nur Juri Schirkow geleistet.

Ancelotti legte das Augenmerk auf etwas ganz anderes: Er hielt seinen Kader zusammen. Die Blues hatten sich aggressiver Attacken zu erwehren. Terry oder Drogba waren heiße Handelsware, von den nimmermüden Power-Buyern Manchester City oder Inter Mailand flatterten fast täglich neue Offerten ins Haus. Doch am Ende blieben sie alle.

Chelsea mit gewachsener Hierarchie

Ganz im Gegenteil zur Konkurrenz. Dort wird umgebaut und integriert. Cristiano Ronaldo und Carlos Tevez bei Manchester United, Emanuel Adebayor und Kolo Toure beim FC Arsenal, Xabi Alonso und Alvaro Arbeloa beim FC Liverpool - am Ende waren sie alle weg. Und mit ihnen ein Teil der Strukturen in ihren Teams.

Bei Chelsea bleiben die Namen die selben. Und damit auch eine gewachsene Mannschaft mit einer gewachsenen Hierarchie. "Es war eine sehr kluge Entscheidung, unsere Mannschaft in ihrer Konstellation zusammen zu halten", sagte Drogba der "L'Equipe".

Ancelotti baut dabei auf ein reines 4-4-2 mit einer Raute im Mittelfeld. Zum Start gegen Hull City hat der Italiener die freie Auswahl. Alle Leistungsträger sind wieder fit. Auch Michael Ballack.

"Ballack wird eine Schlüsselrolle übernehmen"

"Seine Rückkehr wird sehr wichtig für das Team werden. Er hat sich in der Vorbereitung den Zeh gebrochen und musste unsere Tour in die USA abbrechen. Aber jetzt ist er zurück und er wird eine Schlüsselrolle im neuen 4-4-2-System übernehmen", sagt John Terry im Gespräch mit SPOX. "Er kann in diesem Jahr einer unserer ganz großen Spieler werden!"

Dafür muss Ballack aber erst seinen Platz im Team finden. Die Rolle des Spielgestalters hinter den Spitzen ist für Lampard reserviert. Auf der Sechs streiten Obi Mikel und Michael Essien um den Startplatz. Im Prinzip bleibt nur die Rolle im rechten Mittelfeld.

Die einzelnen Positionen sind hart umkämpf, das System angepasst. Am Charakter des Teams ändert das wenig. "Bei Chelsea muss man immer 100 Prozent geben, in jedem Spiel und in jedem Training. Es gehört zu unserer Mentalität, immer alles zu geben. Wir hassen es ganz einfach, zu verlieren", so Terry weiter.

Leistungsträger im reifen Alter

Ein Problem hat das Team allerdings auch. Die Mannschaft ist mit einem Durchschnittsalter von knapp 28 Jahren mit Abstand die älteste der Titelfavoriten. Die Stützen der Mannschaft sind bis auf Terry über 30. Die Verletzungsanfälligkeit ist ein Thema und könnte ein entscheidender Faktor werden.

Für die Truppe ist es in dieser Zusammensetzung die letzte Chance, in der Liga und vor allem in der Champions League den großen Wurf zu landen. Danach wird ein Umbruch unumgänglich sein.

Ein bisschen wie die Bayern

Ein bisschen erinnert die Konstellation an den FC Bayern des Jahres 2001. Die Münchener hatten damals auch keine teuren Stars gekauft, sondern auf eine eingespielte und eingeschworene Mannschaft vertraut.

Und sie hatten ein ähnliches Trauma: Beiden wurde im Champions-League-Finale das Herz herausgerissen. Die Münchener überwanden den Schmerz von Barcelona mit dem süßen Triumph 2001. Chelsea rennt diese Saison erneut an gegen das Trauma von Moskau vor einem Jahr.

Mit den Tücken der Königsklasse kennt sich Ancelotti bestens aus. Der 50-Jährige ist einer von nur sechs Trainern, die die Champions League sowohl als Spieler als auch als Trainer gewonnen haben.

2005 musste er den schlimmsten Abend seiner Karriere verwinden. Die Schmach von Istanbul mit der Niederlage gegenLiverpool nach Milans 3:0-Führung zur Halbzeit hat ihn getroffen. Aber sie hat ihn nur noch stärker gemacht.

Nur noch ein Problem

Ancelotti und Chelsea sind in dieser Beziehung Brüder im Geiste. Die Ausgangslage für eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Im Prinzip hat er jetzt nur noch ein einziges Problem. Neulich musste er sich zum ersten Mal in seiner neuen Heimat ganz furchtbar aufregen."Wo, verdammt noch mal, bekomme ich hier eine vernünftige Tasse Kaffee her?"

London ist dann doch nicht so ganz Mailand. Von koffeinhaltigen Heißgetränken verstehen die Engländer eben nicht sehr viel.

Der 1. Spieltag der Premier League

 

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