Der FC Arsenal im Porträt

Wengers Wettlauf mit der Zeit

Von Robert Seiwert
Sonntag, 12.07.2009 | 18:53 Uhr
Arsene Wenger wechselte 1996 von Monaco zu Arsenal London und gewann zwei Mal das Double
© Getty
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Nach einer enttäuschenden vergangenen Saison will der FC Arsenal wieder zurück in die internationale Spitze. Doch ausgerechnet Trainer-Denkmal Arsene Wenger steht den Gunners mit seinem Jugendwahn im Weg. Ein Umdenken muss her.

Von einer schlechten vergangenen Saison kann man beim FC Arsenal sicherlich nicht sprechen. Platz vier in der Premier League und das Erreichen der Halbfinals in der Champions League und im FA-Cup sind respektable Ergebnisse.

Nüchtern betrachtet, reichte es aber nur für den goldenen Blumentopf. Ganze elf Punkte trennten die Gunners am 38. Spieltag vom Tabellendritten Chelsea. Gegen Manchester United wurde man im Semifinale der Königsklasse über weite Strecken vorgeführt: Die Ergebnisse (0:1, 1:3) spiegelten nur im Ansatz den Klassenunterschied beider Mannschaften wider.

Für das ambitionierte Arsenal war der Ertrag der letzten Saisons deutlich zu wenig. Seit vier Jahren warten die Fans vergeblich auf einen Titel nach dem Gewinn des FA-Cups 2005.

Trainer-Denkmal Wenger bröckelt

Arsenals Trainer-Denkmal Arsene Wenger bröckelt langsam aber sicher vor sich hin. Die Kritik am Franzosen mehrt sich. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Wengers offensive Grundausrichtung.

Doch dieser Stil bringt seit einiger Zeit nicht mehr die geforderten Erfolge. Nur wenige Mannschaften wie der FC Barcelona fahren ausgesprochen gut mit der offensiven Ausrichtung. Allerdings besitzen Messi, Henry, Eto'o und Co. schlichtweg höhere Klasse und mehr Erfahrung.

Wenger scheint das allerdings nicht zu interessieren. Nach der blamablen 1:4-Heimpleite gegen Chelsea - die höchste Heimniederlage seit 1977 - in der vergangenen Saison, flüchtete sich Wenger in groteske Erklärungsversuche: "Das Positive ist, dass es offensiv gut lief. Nur in der Defensive hätte wir sicherlich besser stehen können."

Wenger muss heftige Kritik einstecken

Nach dieser Aussage schlug dem Trainer heftiger Gegenwind seitens der Fans und Medien entgegen. Wenger vertraut aber weiterhin auf sein Konzept, das auch auf der Entwicklung hochtalentierter Nachwuchsspieler basiert.

Allerdings stößt er damit momentan an seine Grenzen. Wengers romantische Vorstellung einer Truppe veranlagter Youngster, die sich zu nationalen und internationalen Titeln wirbelt, geht nicht auf.

Der Franzose ist ein renommierter Trainer mit einem ausgesprochen guten Ruf. In seinen zwölf Jahren bei Arsenal krempelte er den ganzen Verein um und wurde drei Mall Meister und vier Mal FA-Cup-Sieger. Aber die Vergangenheit zählt nicht.

Um Arsenals drohenden Absturz aus den Top-Vier der Premier League zu verhindern, muss er seine Denkweise ändern. Aston Villa, Everton und Manchester City kratzen am Top-Vier-Status der Gunners.

Wengers Jugendwahn schadet Arsenal

Um den Trend nach unten zu stoppen und den Abstand nach oben zu verkürzen, muss Wenger auch seine Transferpolitik ändern. SPOX-Kolumnist Raphael Honigstein drückte es so aus: "Wenger kauft immer den gleichen Typ Spieler: Technisch beschlagen, schnell, wendig, etwas launisch, nicht selten verletzungsanfällig - und wenn möglich auch nicht viel älter als 13 Jahre."

Der 58-Jährige setzt lieber auf junge Talente, als auf etablierte Spieler. Bestes Beispiel dafür: Kapitän Cesc Fabregas. Mit 16 Jahren holte ihn Wenger aus Barcelona nach England, mit 22 Jahren führt er bereits die Mannschaft an.

Mit Theo Walcott (20 Jahre) und Samir Nasri (22 Jahre) besitzt das Mittelfeld riesiges spielerisches Potential - aber auch Unerfahrenheit, die den Unterschied zu gestandenen Superstars ausmacht.

"Jugend gewinnt keine Titel"

Keeper Manuel Almunia ist mit 32 Jahren der Älteste im Team. In Wengers Begeisterung für die Jugend sieht er den Knackpunkt für das Ausbleiben großer Erfolge: "Es ist toll, ein junges Team zu haben, aber Jugend gewinnt keine Titel", sagte er dem "Champions Magazine". Almunia fordert die Verpflichtung gefestigter Spieler, um "wettbewerbsfähiger zu sein".

Während jedoch andere internationale Topklubs ihre Kader mit Stars aus aller Welt aufstocken, hinkt Arsenal hinterher. Nach dem Bau des neuen Stadions und der Fertigstellung vor drei Jahren lasten mehr als 400 Millionen Euro Schulden auf dem Klub. Für neue Spieler ist kaum Geld vorhanden.

Defizite in der Defensive

Lediglich Thomas Vermaelen kommt für 13 Millionen Euro von Ajax Amsterdam. Er soll die Defensive der Gunners stärken. Allerdings ist auch der Belgier erst 23 Jahre alt und gilt zunächst eher als Alternative zu William Gallas, falls dieser den Verein verlassen sollte.

Zudem kehren einige ausgeliehene Spieler zu den Gunners zurück. Philippe Senderos konnte sich beim AC Mailand nicht durchsetzen, die Zukunft des 24-Jährigen bei den Gunners sieht auch eher trüb aus.

Mit Kerrea Gilbert (22), Armand Traore (19), Pedro Bothelo (19) und Jay Simpson (20) kommen Talente zurück, die Arsenal auf dem Weg zurück in die internationale Spitze noch nicht helfen können.

Rufe nach einem neuen Superstar werden lauter

Wenger setzt gezielt auf die Verlängerung bestehender Verträge, als Geld für kostspielige Neuverpflichtungen auszugeben. Kürzlich verlängerte Stürmerstar Robin van Persie seinen Vertrag um weitere vier Jahre.

Vor van Persie wurden bereits die Verträge von Jack Wilshire, Aaron Ramsey, Lukas Fabianski, Kieran Gibbs und Theo Walcott verlängert.

Noch verhalten sich die Arsenal-Anhänger ruhig. Doch umso näher das Ende der Transferperiode rückt, werden die Rufe nach einem neuen Superstar lauter.

Barcelona jagt Fabregas

Arsenals Geschäftsführer Ivan Gazidis erklärt in diesem Zusammenhang die Philosophie des Vereins: "Die Konzentration der Öffentlichkeit liegt auf Neuverpflichtungen. Aber gerade in Zeiten, in denen der Wettbewerb um die besten Talente immer härter wird, ist es wichtiger, einige Spieler langfristig zu binden, als neue Leute zu holen."

Die große Ausnahme dieser Politik bildete die Verpflichtung von Andrej Arschawin im vergangenen Jahr für 16,5 Millionen Euro.

Die klammen Londoner müssen zusehen, dass ihnen finanzstärkere Klubs nicht die Stars wegkaufen. Tragisch wäre der Abgang von Fabregas. Barcelona will seinen "verlorenen Sohn" unbedingt zurück nach Spanien lotsen. Bei einer Ablöse von 45 Millionen Euro würde Arsenal schwach werden. Das zumindest wollte die "Sun" erfahren haben.

Glaube an den großen Angriff

Geht es nach Gazidis, soll Arsenal in der kommenden Spielzeit den großen Angriff starten: "Wir glauben an die Mannschaft, die Wenger aufgebaut hat. Wir haben das Potential, aber irgendwann muss sich dieses auch auszahlen. Für Arsenal ist es nicht genug, nur unter die ersten Vier zu kommen."

Hohe Ansprüche an ein junges Team. Wenger muss hoffen, dass die Stützen der ersten Elf - allen voran Fabregas, van Persie und Toure - die lange Saison unbeschadet überstehen. Ausfälle kann das Team auf Dauer nicht kompensieren.

Es wird noch dauern, bevor das Sammelsurium Wenger'scher Talente entscheidenden Einfluss auf Arsenals Anspruch internationaler Spitzenklasse nehmen kann.

Für Wenger beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Die Kritiker des Trainers stehen in den Startlöchern und auch innerhalb des Vereins ist eine weitere enttäuschende Saison wohl nicht akzeptabel.

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