Das Projekt "Sexy"

Von Haruka Gruber
Mittwoch, 21.01.2009 | 07:22 Uhr
Flavio Briatore mit seiner Ehefrau Elisabetta Gregoraci, ehemaliges Wonderbra-Model
© Getty
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Supermodels, Schickimicki und der indische Robbie Williams: Mit prominenter Hilfe will Formel-1-Manager Flavio Briatore den englischen Zweitligisten Queens Park Rangers zu einem Premier-League-Spitzenteam formen. Anders als Manchester City oder Chelsea soll der Verein aber auf Megatransfers verzichten.

Eine nette Anekdote. Erlogen zwar, dennoch amüsant.

"Wie ich erstmals von den Queens Park Rangers gehört habe? Ich war gerade in London und habe die Eröffnung einer Nobel-Pizzeria organisiert, als ich angerufen und auf die Rangers angesprochen wurde. Zunächst hatte ich keine Ahnung, dass es um einen Fußball-Klub ging. Ich dachte, Queens Park wäre ein Barbecue-Restaurant", erzählt Flavio Briatore.

Gerne verschweigt der Italiener, dass er zuvor regelmäßig mit dem Privat-Hubschrauber auf dem Weg zur Fabrik seines Formel-1-Rennstalls Renault in Enstone über das Stadion der Rangers geflogen ist und schon längst auf den Verein aufmerksam geworden war. Ist ja auch nur halb so lustig.

Briatore gefällt sich eben in der Rolle des Entertainers. Eine gute Pointe ist zuweilen wertvoller als die schnöde Wahrheit, sein Credo lautet nicht zufällig: "Let's have fun!" Diese Maxime lebt er vor - und genau das erwartet er von den Rangers. Dem englischen Zweitliga-Klub, den er im September 2007 zusammen mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone für eine Million Pfund aufkaufte.

"Wir haben einige Dinge radikal geändert"

Briatore liebt den Spaß. Aber auch das Geld. Er will mit Queens Park Profit machen. Und nichts verkauft sich besser als Unterhaltung, gepaart mit Erfolg.

"Unser Projekt hat ein Ziel: In spätestens drei Jahren wollen wir in die Premier League aufsteigen und die großen Klubs herausfordern", sagt Briatore zu SPOX. "Deswegen haben wir auf und abseits des Fußball-Platzes einige Dinge radikal geändert."

Naomi Campbell als PR-Gag

In der Tat: Seit Briatores Ankunft haben sich die Rangers neu erfunden. Dank der Kontakte des neuen starken Mannes wird der Verein plötzlich von milliardenschweren Unternehmen wie "Gulf Air" oder "Santander" unterstützt. "Lotto" überweist 20 Millionen Pfund, um die Mannschaft für fünf Jahre auszurüsten.

Zudem will Briatore die Rangers als Hot Spot für die Londoner Schickeria etablieren. Seine simple Rechnung: Reiche Leute haben mehr Geld als normale Fußball-Fans.

Und dementsprechend ließ Briatore, der "Pate des Glamours" (Spiegel), im veralteten Loftus-Road-Stadion VIP-Logen einbauen und lud aus PR-Gründen Prominente wie Ex-Freundin und Supermodel Naomi Campbell zu den Heimspielen ein.

Coach-Killer Briatore

Doch damit nicht genug: Briatore übernahm neben den Management-Aufgaben auch die Verantwortung für den kompletten sportlichen Bereich, trennte sich in weniger als 14 Monaten von drei Trainern, engagierte als neuen Coach den Ex-Dortmunder Paulo Sousa (zuvor Co-Trainer der portugiesischen Nationalelf) und verpflichtete einige Spieler aus der italienischen Heimat.

Obwohl die Neuzugänge größtenteils enttäuschten und beispielsweise der Vertrag mit dem ehemaligen italienischen Nationalspieler Damiano Tommasi schon wieder aufgelöst wurde, entscheidet Briatore sogar bei der Aufstellung mit - was zum Zerwürfnis mit Sousas Vorgänger Ian Dowie führte. "Der Trainer ist wichtig, das Geld kommt jedoch von uns", sagt Briatore lapidar.

Uns - das sind Briatore, Ecclestone und Lakshmi Mittal, indischer Stahl-Tycoon und der viertreichste Mann der Welt.

Skandale über Skandale

Ab 1996, dem Zeitpunkt des letztmaligen Abstiegs  aus der Premier Leauge, steuerte Queens Park auf den Untergang zu. 2001 stand der Traditionsverein bereits vor dem Bankrott, der nur abgewendet wurde, indem man ein Darlehen mit überhöhten Zinsen bei einem Kredithai aus Panama aufnahm. Das Chaos ging nahtlos weiter.

Der damalige Vorsitzende Gianni Paladini etwa rief 2005 die Polizei, nachdem er bei einem Geschäfts-Meeting angeblich mit einer vorgehaltenen Pistole bedroht wurde, weil er sich geweigert hätte, seine Anteile am Verein zu verkaufen. Anfang 2007 wiederum sorgte ein Freundschaftsspiel der Rangers fast für einen politischen Eklat, als sich die Mannschaft mit Chinas Olympia-Team eine wüste Schlägerei lieferte.

"Der Klub und die Fans haben sehr schlimme Zeiten erlebt. All ihre Träume und Hoffnungen waren verschwunden", sagt Briatore. Hätten Ecclestone und er im Herbst 2007 nicht die Schulden von 13 Millionen Pfund beglichen und den Klub für eine Million gekauft, die Rangers würden wohl nicht mehr existieren.

"Der indische Robbie Williams"

Mittlerweile ist Queens Park auf dem Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung. Dank der Bemühungen von Ecclestone, Briatore und Mittal, der wenige Wochen nach der Rettung der Rangers als Investor mit eingestiegen war.

Die Arbeitsteilung des Trios ist denkbar einfach: Ecclestone (geschätztes Vermögen: 2,4 Milliarden Pfund) und Mittal (12,5) steuern das Kleingeld bei, Briatore - immerhin auch 70 Millionen Pfund schwer - kümmert sich als Präsident des Vereins um das Tagesgeschäft. Briatore: "Soweit es mir meine Verpflichtungen mit Renault erlauben, bin ich für Queens Park da. Ich habe bisher nur eine Handvoll Spiele verpasst."

Unterstützt wird Briatore von Mittals Schwiegersohn Amit Bhatia. Ein Fußball-Fan, dessen Hochzeitsfeier Mittal angeblich über 30 Millionen Pfund wert war. Sunnyboy Bhatia, Typ "indischer Robbie Williams" (Guardian), ist Vizepräsident des Klubs.

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Kein Interesse an Kaka

Mittelfristig soll sich Queens Park zu einer "internationalen Marke" entwickeln, sagt Briatore. Voraussetzung dafür ist zunächst der Aufstieg in die Premier League - doch darauf muss der Verein womöglich bis nächste Saison warten.

Als Achter beträgt der Rückstand auf den sechsten Rang, der zur Teilnahme an den Aufstiegs-Playoffs berechtigt, drei Punkte. Unter Sousa gewann QPR nur vier der elf Spiele. Für Briatore besteht dennoch kein Anlass, sich in der Winter-Transferperiode mit einem Topspieler zu verstärken.

Elano, Cristiano Lucarelli, selbst Namen wie Francesco Totti, Alessandro Del Piero oder Luis Figo galten in den letzten Monaten als mögliche Zugänge. Briatore jedoch sagt: "Selbst ein Michael Schumacher wäre mit Minardi nicht Weltmeister geworden. Warum sollte es also etwas bringen, einen Kaka zu kaufen? Das würde alles nur durcheinander bringen."

"Es ist aufregend und sexy"

So sei die Herangehensweise eine andere als bei Manchester City oder dem FC Chelsea. Stichwort: nachhaltiges und organisches Wachstum.

"Es ist richtig aufregend und sexy, Schritt für Schritt von ganz unten nach ganz oben zu klettern", sagt Briatore, der einen ähnlichen Weg bereits in der Formel 1 mit Renault beschritten hat.

"Deswegen verspreche ich, dass wir die Premier League erreichen und uns dort etablieren. Vielleicht dauert es etwas länger, aber dafür werden wir es mit unseren Spielern und mit unserer Philosophie schaffen."

Die Queens Park Rangers im Steckbrief

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