
Freundschaftsspiel gegen Spanien
Bloß nicht im Bernabeu!
Während die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika in vollem Gange ist, beschäftigt England und Spanien eine ganz andere Sache: das geplante Freundschaftsspiel im Februar 2009 im Bernabeu Stadion in Madrid. Aus Angst vor rassistischen Anfeindungen seitens spanischer Fußball-Anhänger soll die Partie nach dem Wunsch des englischen Verbands an einem anderen Ort ausgetragen werden. In Spanien ist man empört.
Manchmal ist es genau richtig, einem inneren Impuls nachzugeben, manchmal genau das Falsche. Was in einer bestimmten Situation angebracht gewesen wäre, weist sich meist erst im Nachhinein.
Vielleicht ertappt sich Rio Ferdinand manchmal bei dem Gedanken: "Ach, wäre ich meiner inneren Stimme damals nur gefolgt."
Es war der 17. November 2004, als die englische Nationalmannschaft im Estadio Santiago Bernabeu in Madrid gastierte und sich ihre schwarzen Spieler während der Partie (1:0 für Spanien) fortwährender rassistischer Verunglimpfungen ausgesetzt sahen.
Mein schlimmstes Erlebnis
In erster Linie betroffen waren Ashley Cole, Shaun Wright-Phillips und Jermaine Jenas, deren Aktionen Teile des Publikums mit den einschlägig bekannten Affenlauten begleiteten. Die englische U 21 hatte am Tag davor ähnliche Erfahrungen gemacht.
"Ich hätte überhaupt kein Problem gehabt, das Spielfeld zu verlassen", sagte Abwehrspieler Ferdinand, damals 26 Jahre alt, hinterher. "Ich glaube, niemand hätte uns daraus einen Strick gedreht."
"Abscheulich" sei das Verhalten der spanischen Fans gewesen und das "Schlimmste, was ich jemals erlebt habe".
Der Fall Aragones
Zusätzlich angeheizt wurde die Diskussion anschließend durch das Verhalten des damaligen spanischen Nationaltrainers Luis Aragones, der Frankreichs Stürmerstar einen Monat vor dem Länderspiel rassistisch beleidigt hatte, wofür sich zwar Spaniens Fußball-Verband entschuldigte, nicht aber Aragones selbst.
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Ferdinand meinte, die Tatsache, dass Aragones für seine Entgleisung ("Scheiß-Neger") nicht bestraft worden war, habe den Fans signalisiert, dass derartiges Verhalten "okay" sei.
Milde Strafen
Die englische Öffentlichkeit wünschte sich damals eine drastische Bestrafung des spanischen Fußballs. So wurde etwa der Ausschluss von internationalen Wettbewerben gefordert.
Die FIFA hingegeben rief eine Geldbuße in Höhe von 45.000 britischen Pfund auf, was nach heutigem Wechselkurs knapp 60.000 Euro entspricht.
Mit etwa 20.000 Euro kam der kroatische Verband davon, nachdem englische Spieler bei ihrem 4:1-Erfolg im WM-Qualifikationsspiel in Zagreb rassistisch beleidigt worden waren. Dieser Vorfall liegt erst einen Monat zurück.
Ferdinand attackiert Blatter
Für Ferdinand Anlass genug, dem Weltverband und dessen Präsident Sepp Blatter dieser Tage massive Vorwürfe zu machen: "Die FIFA redet immer nur über Maßnahmen, die sie ergreifen will, lässt aber nie Taten folgen. Die Verantwortlichen sollten sich selbst hinterfragen."
Ferdinand weiter: "Sepp Blatter stellt sich gerne hin und spricht über Dinge, die gut für das Image der FIFA sind. Mir wäre lieber, wenn die Herrschaften angemessene Strafen für derartige Vorfälle verhängen würden."
Noch nichts unterschrieben
Ob es nun zur Austragung des für Februar in Madrid geplanten Freundschaftsspiels zwischen Spanien und England kommt, ist derzeit offen.
Die englische FA befindet sich in Verhandlungen mit dem spanischen Verband. Die Position der FA umriss Pressechef Adrian Bevington eindeutig: "Wegen der rassistischen Anfeindungen im Jahr 2004 werden wir nicht in Madrid spielen. Ein neuer Austragunsort ist noch nicht bestimmt und somit auch noch kein Vertrag unterzeichnet."
Wer sitzt hier eigentlich im Glashaus?
Das öffentliche Echo aus Spanien lässt sich am besten als Schrei der Empörung charakterisieren. "Im Bernabeu oder nirgends", sagt "Marca" unmissverständlich. Die "El Mundo" warf den Engländern vor, ohne Not, "künstlich neue Polemiken zu erzeugen".
Die Frage ist sicher gestattet, wer denn nun im Glashaus sitzt.
Jüngst wurde Atletico Madrid im Anschluss an das Champions-League-Heimspiel gegen Olympique Marseille von der UEFA empfindlich abgestraft, weil Spieler des französischen Gastteams rassistisch beleidigt wurden.














