Vor dem "Endspiel" in England

Radrennen mit dem Grummelbär

Von Stefan Rommel
Freitag, 25.04.2008 | 15:34 Uhr
© Getty
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München - Um Avram Grant ranken sich unzählige Gerüchte, den Mann umgibt eine eigenartige Aura aus fabulösen Anekdoten und Halbwahrheiten.

Wahr ist, dass Grant in einem früheren Leben für die israelische Regierung arbeitete und enge Beziehungen zum Geheimdienst Mossad pflegte.

Wahr ist auch, dass Grants Ehefrau Tzofit für allerlei bizarren Schabernack zu haben ist. Uri Geller adelt sie jüngst als eine große Persönlichkeit und Super-Star in Israel. Und Uri Geller muss es wissen, er steht schließlich für qualitativ hochwertige Fernsehunterhaltung.

Zur Legendenbildung als seriösem Fußballlehrer mögen diese Details nicht unbedingt dienlich sein. Oder kennt etwa jemand Ottmar Hitzfelds Frau? Oder die von Carlo Ancelotti?

Grant, stumm wie ein Fisch

Die Fans würden ihn am liebsten vom Hof jagen, einige Irre schickten ihm auch schon mal Päckchen mit offenkundigen Morddrohungen gegen ihn und seine Familie, die Presse pflegt eine innige Hassliebe zum bärbeißigen Grantler.

Früher waren sie erquickt von den eloquenten und teilweise auch reißerischen Antworten eines Jose Mourinho. Jetzt sitzt ihnen dieser blasse, stumme Typ aus Israel gegenüber, der vom Verdacht, ein charmanter Plauderer zu sein, genau so weit entfernt ist wie Jeanette Biedermann von einer Charakterrolle. Seine Pressekonferenz neulich in Everton ist jetzt schon ein Klassiker.

So gar nicht durchschnittlich

Avram Grant ist der Average Grant, die personifizierte Langeweile, die in das Imperium von Roman Abramowitsch mit seinen millionenschweren Fußball-Stars und den Nachtclubs in den Katakomben des Stadions an der Stamford Bridge so gar nicht passen will.

Aber so Average, also durchschnittlich, ist Grant gar nicht. Ganz im Gegenteil: Die Blues stehen zum erstenmal überhaupt vor dem Einzug ins Champions-League-Finale und in der Meisterschaft, nun ja: Fast die gesamte Saison über lobhudelten Experten und Presse den Hochgeschwindigkeits-Fußball der Gunners und die exorbitant erfolgreich aufspielenden Red Devils.

Mittlerweile hat der FC Arsenal aber vier Punkte Rückstand auf Chelsea. Und ManUnited, vor ein paar Wochen noch der 100:1-Meister, steht am Samstag vor dem wichtigsten Spiel der Saison: Im Westen Londons, beim FC Chelsea mit seinem Average Grant, entscheidet sich der nationale Titelkampf.

Unglaubliche Heimstärke

Seit 80 Partien und über vier Jahren - seit dem 1:2 gegen den FC Arsenal - ist Chelsea in der Premier League an der Stamford Bridge unbesiegt. Die Blues sind psychologisch klar im Vorteil. Seit dem 6. Spieltag rennt Chelsea den Red Devils vergeblich hinterher, zwischenzeitlich betrug der Rückstand schon sieben Punkte.

"Seit Saisonbeginn liegen wir hinter ManUnited und hatten es nie selbst in der Hand. Aber wir haben es in der Hand, unseren Job zu erledigen. Und das werden wir tun", sagt Grant.

Ricardo Carvalho zieht einen etwas amüsanten Vergleich: "Die Meisterschaft ist wie ein Radrennen. Wir hängen uns an den Führenden und am Ende ziehen wir an ihm vorbei." Und Stürmer Didier Drogba verspricht den Fans den erhofften Clash of the Titans: "Wir werden am Samstag wie Champions spielen!"

Sein Gegenüber Alex Ferguson zeigte sich davon wenig beeindruckt. "Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu werden. Und das ist unser Job."

Lampard darf sich selbst entscheiden

Fergie wird im Endspiel seine Innenverteidigung wieder umbauen. Nach seiner Magenverstimmung vor dem Spiel in Barcelona ist Nemanja Vidic wieder fit und wird den wackeligen Wes Brown ersetzen.

Bei den Blues wurde die Woche vom Tod von Frank Lampards Mutter Pat überschattet. Die 58-Jährige verstarb am Donnerstagmorgen an den Folgen einer Lungenentzündung. Lampard wurde die Entscheidung freigestellt, ob er gegen Manchester auflaufen will oder nicht.

Sollte Lamps nicht dabei sein, rückt Michael Essien in die Startelf und Michael Ballack übernimmt die zentrale offensive Position im Mittelfeld.

Grant richtig redselig

Avram Grant übrigens hat der Presse vor dem Spiel ausnahmsweise mal einiges in die Blöcke diktiert.

Das ging dann so: "Ich weiß schon, warum ihr mich nicht mögt. Ich bin nur ein kleiner Trainer aus einem kleinen Land. Und einige von euch können es nicht ab, dass ich die Dinge anders anpacke - aber trotzdem gewinne."

Ein klein wenig erinnerte der Grummelbär dabei sogar an Jose Mourinho.

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