Die Globalisierungspläne der Premier League

Verkaufte Seele

Von Andreas Lehner
Freitag, 08.02.2008 | 19:24 Uhr
Ferguson, Alex, Manchester, Globalisierung
© Getty
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München - "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust!" Dieser berühmte Satz den Goethes Faust spricht, bevor er seine Seele an den Teufel verkauft, spiegelt treffend die Stimmung in England wieder, nachdem die Premier League am Donnerstag ihren umstrittenen Plan vorgestellt hat, ab der Saison 2010/2011 einen zusätzlichen Spieltag einzuführen, der über den Globus verteilt ausgetragen werden soll.

Wie nicht anders zu erwarten, kommen von Seiten der Liga nur positive Reaktionen. "Das ist ein großer strategischer Beschluss. Auf einer Stufe mit der Gründung der Premier League", sagte Liga-Präsident Richard Scudamore. Die Liga sei in den letzten Jahren von Angeboten überhäuft worden, deshalb müsse dieser Schritt ins globale Geschäft nun gewagt werden.

"Die Klubs glauben, die Zeit sei reif. Und wenn wir es nicht machen, macht es eine andere Sportart oder eine andere Liga. Das ist nur die Antwort auf die Globalisierung", so Scudamore.

Großartige Idee

Unterstützung erhält er von Bolton Coach Gary Megson und Sunderlands Trainer Roy Keane, die beide von den Plänen begeistert sind. "Ich glaube nicht, dass das ein großes Problem ist. Die Vorteile überwiegen ganz klar", sagte Megson, der kein Problem in der zusätzlichen Belastung durch die langen Reisen sieht. Selbst Spieler wie Phil Neville vom FC Everton sehen keine übermäßige Belastung, solange genügend Zeit zur Erholung gegeben ist.

Keane, der von einer "großartigen Idee" spricht, relativiert seinen Optimismus jedoch selbst. "Wandel ist schon gut, aber das hängt auch davon ab, gegen wen man in diesem zusätzlichen Match spielt. Wenn es ein Team aus den ersten Vier ist, könnte ich mich vielleicht aufregen", so der Ex-Kapitän von Manchester United.

Offensichtliche Probleme

Damit wären wir auch schon beim ersten offensichtlichen Problem. Kleine Teams, die im Abstiegskampf stecken und dreimal in einer Saison gegen ManU oder Arsenal spielen müssen, wären klar benachteiligt.

Das Geschrei wäre sicher groß, wenn am Ende genau diese Punkte zum Klassenerhalt fehlen würden. "Das ist doch nicht ideal, oder", meinte Harry Redknap, Trainer des FC Portsmouth, leicht süffisant.

Denn am Verbleib in der Liga hängt schließlich noch mehr Geld als die fünf bis zehn Millionen Pfund, die diese Spiele in Los Angeles, Sydney oder Johannesburg wohl bringen könnten.

Ein ähnliches Problem ergäbe sich im Kampf um die Meisterschaft. Zwar ist ein Aufeinandertreffen der ersten Fünf ausgeschlossen, dennoch wäre die Fairness nicht mehr gegeben, wenn ManU gegen Derby County und Arsenal gleichzeitig gegen Manchester City ran muss.

Wie die Harlem Globetrotters

"Ich weiß nicht warum die Premier League am Spielplan herumpfuscht", sagt Redknapp, den schon ein Blick in die Zukunft umtreibt. "Ehrlich gesagt würde es mich nicht wundern, wenn es nicht bei einem Spiel bleibt. Am Ende werden wir nur noch ein Spiel in England und den Rest irgendwo in der Welt austragen. Das ist dann wie bei den Harlem Globetrotters."

Dabei stört Redknapp die Geldgier der Liga und der Einstieg von Investoren, die nun auf ihren Profit aus sind. "Erzählen sie mir nicht, dass das nicht der Grund ist, warum all die Amis rüberkommen", ereiferte sich der 60-Jährige.

Nachruf auf die Seele des Fußballs

Unterstützung erfährt Redknapp auch von den englischen Medien, die einen "Wanderzirkus" (Mirror) befürchten und Scudamore als "den Mann, der unser Spiel verkauft hat" (Daily Mail) bezeichnen. Der "Daily Express" hat eine Art Nachruf auf den Fußball verfasst: "VERKAUFT: DIE SEELE DES FUßBALLS FÜR 200 MILLIONEN PFUND. 7. Februar 2008."

Gareth Southgate vom FC Middlesbrough dürfte ein Blick auf dieses Datum auch geholfen haben, denn er glaubte zunächst an einen Aprilscherz.

Fergie richtig sauer

Richtig wütend war Sir Alex Ferguson, dass die Idee ans Licht kam, bevor die 20 Vereine Zeit hatten, sich genauer mit dem Plan zu beschäftigen.

"Was mich am meisten aufregt, ist, dass David Gill (Geschäftsführer von Manchester United, Anm. d. Red.) mich angerufen hat und sagte 'behalte das für dich, wir werden das diskutieren' - und dann steht das am nächsten Morgen in allen Zeitungen. Die können einfach ihre Klappe nicht halten", schimpfte der Schotte.

ManU nach Disneyland

Auch die Fans haben die Nachricht mit Verwunderung und Sarkasmus aufgenommen. "Wir sollten vielleicht Manchester United nach Disneyland und City nach Thailand verlegen und dann einfach weiter machen. Die Vorstellung, dass City in Kuala Lumpur spielt, ist einfach absurd", meinte Dave Wallace, Herausgeber von Citys Fan-Magazin.

Wigan-Fan Gary Fletcher meinte: "Wir schaffen es nicht mal in Wigan, das Stadion zu füllen. Wie soll das im Nahen Osten klappen?" Doch wie sagte schon Gott höchstpersönlich im "Faust": "Es irrt der Mensch, solang er strebt."

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