"Nach Arsenal sehnt sich jeder"

Von Interview: Haruka Gruber
Freitag, 04.01.2008 | 12:17 Uhr
Müller, Heinz, Barnsley
© Getty
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München - "Heinz - wer?": Er kommt aus Deutschland und gilt als Nachfolger von Jens Lehmann beim FC Arsenal, hierzulande ist Heinz Müller dennoch kein Begriff.

Der 29-Jährige ist seit dem Sommer die Nummer eins beim englischen Zweitligisten FC Barnsley. Derart überzeugend, dass nach SPOX-Informationen ein Wechsel in die Premier League in den nächsten zwei Wochen bevorsteht.

Neben Arsenal sollen unter anderem Fulham, Wigan und Bolton Interesse bekundet haben.

Im Interview spricht Müller über Arsene Wenger, seinen Werdegang und Paraden als blinder Keeper.

SPOX: Wie fühlt es sich so an als designierter Erbe Jens Lehmanns?

Heinz Müller: Um es vorweg zu sagen: Bislang gibt es noch nichts Spruchreifes. Ich habe noch zweieinhalb Jahre Vertrag bei Barnsley, daher müsste jeder Interessent erstmal meinen Verein kontaktieren. Viel mehr will ich derzeit nicht sagen.

SPOX: Aber der FC Arsenal wäre schon eine Überlegung wert, oder?

Müller: Selbstverständlich. Er gehört zu den fünf besten Klubs der Welt. Es wäre dementsprechend eine Riesenehre, wenn so ein Verein Interesse bekundet. Nach so einer großen Herausforderung sehnt sich jeder Fußballer.

SPOX: Es gab aber keine Anfrage?

Müller: Mein Manager hat mir noch nichts weitergeleitet, vom Verein sieht es genauso aus. Die Transferperiode wurde erst eröffnet, daher gehe ich davon aus, dass sich in naher Zukunft etwas tut.

SPOX: Aber es stimmt, dass in Ihrem Vertrag eine Ausstiegsklausel über eine Million Pfund steht?

Müller: Mich würde es interessieren, wer das ausgeplaudert hat. Sagen wir es so: Pi mal Daumen stimmt die Summe.

SPOX: Es heißt, Arsenal plant Sie bei aller Wertschätzung nur als Nummer drei hinter Manuel Almunia und Lukasz Fabianski ein.

Müller: Ich müsste erstmal mit Arsene Wenger sprechen, welche Rolle er mir anbietet. Aber klar ist, dass es mir nicht ausreicht, als dritter Keeper im Kader zu stehen. Es wäre sportlich einfach nicht reizvoll genug.

SPOX: Ist die Rolle als Nummer zwei reizvoller?

Müller: Für einen Verein wie Arsenal würde ich es in Erwägung ziehen, mich zunächst auf die Bank zu setzen, solange mir die Chance gegeben wird, um den Stammkeeper-Posten zu kämpfen. Aber wenn mir ein anderer Premier-League-Klub klipp und klar sagt, dass ich die Nummer eins bin, würde ich Arsenal einen Korb geben.

SPOX: Meinen Sie mit "anderer Premier-League-Klub" Fulham, Wigan oder Bolton?

Müller: Zu den Vereinen kann ich genauso wenig sagen wie zu Arsenal. Das wichtigste ist, dass ich in den letzten sechs, sieben verbleibenden Jahren als Profi auf dem höchsten Level spiele.

SPOX: Vom höchsten Level waren Sie eine Zeit lang entfernt. Nach Ihrem Engagement bei St. Pauli verlieren sich Ihre Spuren etwas. Was ist zwischen damals und heute passiert?

Müller: Nach der Zeit bei St. Pauli bin ich im Sommer 2003 nach Regensburg gewechselt, wo ich zehn Monate wegen einer Schambeinentzündung verletzt ausfiel. Ich wurde zweimal operiert, hatte immer wieder Rückschläge, dann ist Regensburg auch noch in die Regionalliga abgestiegen. Danach ist es natürlich schwer, in der Ersten oder Zweiten Liga unterzukommen.

SPOX: Weswegen Sie nach Norwegen gewechselt sind?

Müller: Genau. Odd Grenland ist ein kleiner Klub, der damals dennoch international gespielt hat. Daher dachte ich mir, dass Norwegen genau der ideale Ort ist, um langsam wieder Fuß zu fassen.

SPOX: Fiel es schwer, die Zelte in Deutschland abzubrechen?

Müller: Nein. Ich habe es als Chance gesehen, mich im Ausland sportlich und menschlich weiterzuentwickeln. Zumal die Zeit in Regensburg eine Art Zäsur für mich war. Ich war ganz unten, mit der Verletzung, mit der Perspektivlosigkeit nach dem Abstieg in die Regionalliga. Ich hatte also nichts zu verlieren.

SPOX: Über Grenland und Lilleström ging es dann nach Barnsley.

Müller: Lilleström war die richtige Zwischenstation. Ich hatte gleich gute Voraussetzungen, weil ich mit dem damaligen Trainer Uwe Rösler und Manager Jan Aage Fjörtoft zwei Bezugspersonen hatte, mit denen ich mich auf Deutsch unterhalten konnte. Und als der sportliche Erfolg mit zwei vierten Plätzen und dem Pokalerfolg dazukam, hat Barnsley angeklopft.

SPOX: Hat es eine Rolle gespielt, dass Barnsley eine deutsche Torwart-Historie hat? Stichwörter: Lars Leese, "Der Traumhüter"?

Müller: Ich kannte den Namen bis zu meinem Wechsel gar nicht, und von seinem Buch hatte ich vorher auch nichts gehört. Ich glaube sowieso nicht, dass das für den Verein eine Rolle gespielt hat. Deutsche Torhüter haben in England generell einen exzellenten Ruf.

SPOX: Den guten Ruf werden Sie in England in der Tat gerecht. Sind Sie selbst erstaunt über ihre Leistungen?

Müller: Nein. Auf dem Niveau habe ich schon in Norwegen gespielt. Was die englische Presse jetzt feiert, ist nur die Fortsetzung einer Entwicklung, die bereits drei Jahre anhält.

SPOX: Eine Entwicklung, die Sie in die deutsche Nationalmannschaft und zur WM 2010 führen soll, wie es zuletzt von Ihnen zu lesen war.

Müller: Da wurde ich falsch übersetzt. Es sollte überhaupt nicht großspurig klingen. Ich hatte gesagt, dass jeder Sportler Ziele braucht, um sich zu motivieren. Wenn man wie ich in der Zweiten Liga spielt, muss die Premier League das nächste Ziel sein. Wenn man sich in der Premier League etabliert hat, muss man irgendwann die Nationalmannschaft ins Auge fassen. Mehr wollte ich gar nicht ausdrücken.

SPOX: Zumindest ein Ziel haben Sie schon erreicht: Mit einem Videoclip zu einer kleinen Internet-Bekanntheit zu werden.

Müller: Eigentlich war es nichts Großes. Es war ein simpler TV-Spot für die norwegische Liga, als Vorspann vor den Spielen.

SPOX: Und verraten Sie uns Ihren Trick? Immerhin lassen Sie sich im Clip die Augen verbinden und parieren blind drei Schüsse in den Winkel.

Mülle: (lacht) Viel Training.

SPOX: Also keine Special Effects aus Hollywood?

Müller: Na gut, ich kann es ja verraten: Die norwegischen Fernsehleute haben es so hingebogen. So ähnlich wie beim Clip mit Ronaldinho, der zigmal von der 16er-Linie die Latte trifft.

SPOX: Nach Deutschland haben sich Ihre Leistungen, egal ob für Barnsley oder computeranimiert, noch nicht herumgesprochen. Bei "eBay" wird etwa ein Original-Pauli-Trikot von Ihnen versteigert. Das derzeitige Gebot: 8,50 Euro...

Müller: Jeder verschwindet eben aus dem Blickfeld, wenn man fünf, sechs Jahre nicht mehr in Deutschland spielt. Zum Beispiel habe ich sehr lange nicht gewusst, wer Robert Huth ist, bevor der mal in die Nationalmannschaft berufen wurde. Deswegen bin ich da auch niemandem böse, dass ich etwas in Vergessenheit geraten bin und sich niemand für solch eine Auktion interessiert. Vielleicht sollte ich einfach ein bisschen mitbieten...

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