Fussball

Steven Bergwijn ist Transferziel des FC Bayern: Einer wie Gnabry, der Ajax durch die Lappen ging

Von Oliver Maywurm
Steven Bergwijn von PSV Eindhoven wird beim FC Bayern München gehandelt.

Er ist schnell, trickreich, spielt ähnlich wie Serge Gnabry und wird bei Bayern und anderen Top-Klubs gehandelt. PSV-Star Steven Bergwijn im Porträt.

"Cruyff Court" ist ein zentraler Begriff, wenn Steven Bergwijn über seine Kindheit spricht. Kleine Kunstrasenkäfige, ideal für Straßenfußballer, ins Leben gerufen von der Johan Cruyff Foundation der niederländischen Fußball-Legende. Mittlerweile gibt es über 200 davon, die meisten natürlich in Holland.

Steven Bergwijn verbringt auf dem in Almere, seiner Heimatstadt, gelegen rund 30 Kilometer außerhalb von Amsterdam, als kleiner Junge jede freie Minute. "Als ich sieben war, hast du mich immer dort gefunden", schrieb er in einem Beitrag für The Players' Tribune. "Ich war dort vor den Trainingseinheiten bei Ajax, danach, egal wann."

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Bergwijns Fleiß hat sich längst ausgezahlt. Mit 21 Jahren ist der Flügelstürmer niederländischer Nationalspieler, steht bei Klubs wie Manchester United, Inter Mailand oder dem FC Bayern auf dem Zettel. Auch sein Ex-Klub Ajax Amsterdam soll gewillt sein, den wieselflinken Dribbler zurückzuholen, der vergangene Saison in 41 Pflichtspielen für die PSV Eindhoven 15 Tore und 13 Assists lieferte.

Es passt so herrlich ins Bild, dass Bergwijn sein Profi-Debüt für die PSV einst nur ein paar Minuten entfernt von dem Lieblingsort seiner Kindheit feierte. Im Pokalspiel bei Almere City, in seiner Heimatstadt, wechselte der damalige Trainer Philipp Cocu im Oktober 2014 den seinerzeit gerade erst 17 Jahre alt gewordenen Youngster kurz vor Schluss erstmals ein.

Bergwijn: Profi-Debüt ein paar Minuten vom Cruyff Court entfernt

Die ganze Familie sah auf der Tribüne zu, Schwester, Bruder, Mama, Papa. Vor allem Letzterer dürfte es vor Rührung kaum mehr ausgehalten haben. Früher, als Steven auf dem Cruyff Court kickte, kam sein Vater hin und wieder dazu.

"Wir machten immer wieder diese eine Übung", verrät Bergwijn. "Er schoss den Ball nach oben in die Luft, wirklich sehr, sehr hoch. Und ich musste ihn dann auf verschiedene Weisen unter Kontrolle bringen, mal mit der Brust, mal mit den Füßen. Ich war immer ein wenig kleiner als die anderen Kids in meinem Alter und mein Vater wusste genau, dass es für mich nicht einfach werden würde, den Ball in der Luft zu gewinnen. Also schoss er ihn nach oben und ich nahm ihn runter. Immer und immer wieder."

Als Siebenjähriger war Bergwijn in die berühmte Ajax-Akademie gewechselt. Eigentlich kann man sich kaum einen besseren Ort vorstellen für einen kleinen, schnellen, technisch versierten jungen Kicker, um sich bestmöglich zu entwickeln. Doch als Bergwijn 13 Jahre alt war, endete seine Zeit bei Ajax. Er soll sich mit einem seiner Trainer nicht sonderlich gut verstanden und sich daher für einen Wechsel entschieden haben.

Eindhoven schlug zu. Ein Glücksgriff für beide Seiten. Einer, der für Bergwijn und seine Familie aber mit immensem Aufwand einherging. Jeden Morgen standen er und sein Vater um 5.30 Uhr auf, frühstückten und fuhren die gut 100 Autominuten von Almere nach Eindhoven.

"Um 8 Uhr kam ich am Vereinsgelände an, um 9 Uhr war Training", erinnert er sich Bergwijn. Und als er mit den Teamkollegen an seinen Fähigkeiten feilte, nutzte sein Vater die Zeit auf seine ganz eigene Weise: "Ich machte auf dem Platz all die Dinge, die mein Dad mir beigebracht hatte, während er gut 200 Meter entfernt auf dem Parkplatz im Auto schlief. Und nach dem Training ging ich rüber, klopfte an die Scheibe und wir fuhren die ganze Strecke zurück, damit ich zur Schule konnte."

Mit 15 zieht Bergwijn samt Familie nach Eindhoven

Zwei Jahre lang ging das so. Dann, als Bergwijn 15 war, zog er mit der ganzen Familie nach Eindhoven. Fußballerisch lief es bei der PSV ohnehin bestens. Er legte körperlich zu, verbesserte seine Dynamik, baute seine Stärken im Dribbling weiter aus. Im Sommer 2014 führte er Hollands Auswahl bei der U17-EM an der Seite des heutigen Ajax-Stars Donny van de Beek zum Vizetitel, erzielte drei Tore und wurde zum Spieler des Turniers gewählt. Die Topklubs aus ganz Europa standen schon damals Schlange.

"Ich dachte aber nicht wirklich darüber nach, zu gehen", sagte er vor kurzem gegenüber Goal und Voetbalzone. "Ich war noch sehr jung und ich wollte es unbedingt hier in die erste Mannschaft schaffen."

Einer, der ihn auf dem Weg zum Durchbruch stärkte, war Ruud van Nistelrooy, einst Weltklassestürmer in Diensten von Manchester United sowie Real Madrid und seit 2016 als Coach in verschiedenen Rollen für die Jugend, die zweite Mannschaft und auch die Profis bei der PSV tätig. "Ich arbeitete in der U19 mit ihm zusammen und 2017/18 war er auch Teil des Stabs bei der ersten Mannschaft. Ich habe viel von ihm gelernt, vor allem in Sachen Abschluss", betont Bergwijn, der laut van Nistelrooy neben seinen sportlichen Qualitäten auch über "einen sehr starken Charakter" verfügt.

Steven Bergwijn: Einer wie Gnabry

Inzwischen hat der Nationalspieler weit über 100 Pflichtspiele für die PSV bestritten, darf sich mit erst 21 Jahren schon dreifacher niederländischer Meister nennen. Sein Vertrag in Eindhoven läuft noch bis 2022, ein Wechsel zu einem der ganz großen Klubs steht dennoch im Raum. Auch der FC Bayern wird immer wieder als möglicher Interessent gehandelt, zuletzt brachte ihn der frühere Schalker und holländische Nationalstürmer Youri Mulder beim deutschen Rekordmeister ins Gespräch: "Bergwijn wäre einer für Bayern. Er ist schnell, leichtfüßig, einfach technisch sehr stark. Von seiner Spielanlage her ähnelt er Serge Gnabry", sagte Mulder der SportBild.

Bergwijn sieht die Wechselspekulationen gelassen. "Ich bin immer noch erst 21 und habe keinen Druck, PSV zu verlassen", sagt er und führt aus: "Es müsste ein guter Klub sein, der einen klaren Plan mit mir hat. [...] Wenn sich solch eine Möglichkeit auftut, wäre ich bereit. Aber wenn nicht, bin ich auch bei der PSV weiterhin glücklich."

Worte, die wohl gewählt klingen. Die widerspiegeln, dass er genau weiß, wieviel er opfern musste, um dorthin zu kommen, wo er jetzt schon ist. Wieviel seine Familie opfern musste, der er auf ewig dankbar ist.

"Darum habe ich auch die Flagge von Surinam auf meine Schuhe gedruckt. Meine Eltern wurden beide dort geboren und ihre surinamische Kultur ist ein großer Teil meines Lebens. Das werde ich nie vergessen, egal, wohin ich gehe", erklärt Bergwijn und denkt dabei vermutlich auch zurück an die Fahrten zum Training nach Eindhoven. Als sein Vater im Auto schlief, während er besser und besser wurde. Alles für den großen Traum.

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