Fussball

Ire ohne Regeln: Die außergewöhnliche Karriere des Kyle Lafferty

Von Falko Blöding
Kyle Lafferty spielte einst in Palermo mit Paulo Dybala zusammen.
© getty

Kyle Lafferty ist ein ziemlich guter Stürmer, aber auch ein unverbesserlicher Draufgänger mit einem Faible dafür, in jedes Fettnäpfchen zu treten. Der Ire legt eine wahrlich einzigartige Karriere hin.

Für einen Zweitligisten hatte US Palermo in der Saison 2013/14 einen furchterregenden Angriff: Neben den angehenden Superstars Paulo Dybala und Andrea Belotti stürmte mit Abel Hernandez ein Torjäger für die Sizilianer, der seine Treffsicherheit bereits nachhaltig unter Beweis gestellt hatte.

In den Schatten gestellt wurde das Trio allerdings von einem nordirischen Hünen. Kyle Lafferty absolvierte eine herausragende Spielzeit, schoss die Rosaneri zurück in die Serie A, wurde von den Fans zum besten Spieler gewählt - und dann ohne ersichtliche Not verkauft.

Die Gründe, das gab später der ebenso mächtige wie egozentrische Klubchef Maurizio Zamparini zu Protokoll, waren nicht sportlicher Natur. Vielmehr war es Laffertys unprofessionelles Verhalten abseits des Rasens, das schließlich im Verkauf an Norwich City mündete.

Maurizio Zamparini: "Lafferty ist völlig neben der Spur"

Zamparini bemühte sich bei Radio 24 auch gar nicht, die Hintergründe unterm Deckel zu halten. Er führte aus: "Lafferty wird verkauft, weil mein Trainer Beppe Iachini genau das wünscht. Lafferty ist ein außer Kontrolle geratener Schürzenjäger. Ein Ire ohne Regeln. Er verschwindet manchmal für eine Woche und geht in Mailand auf die Jagd nach Frauen. Er hat zwei Familien mit sechs Kindern und er trainiert nie. Er ist völlig neben der Spur."

Zamparini weiter: "Auf dem Platz ist er ein toller Spieler, er hat alles gegeben, was er hatte, und sogar noch mehr. Allerdings ist er wegen seines Benehmens unkontrollierbar. Mein Trainer hat mir gesagt, er könne diesen Spieler nicht zähmen. Also muss er gehen."

Es war nicht das erste und das letzte Mal, dass Lafferty sich während seiner ereignisreichen Laufbahn selbst im Weg stehen sollte. Zeitweise beschlich die Beobachter das Gefühl, der 31 Jahre alte Nordire würde nicht aus Versehen in jedes Fettnäpfchen tappen, sondern diese zielstrebig anvisieren, um dann mit Anlauf hineinzuspringen.

So sorgte Lafferty im vergangenen Oktober mal wieder für einen Skandal, als er einer 22-Jährigen via Snapchat Bilder seines Genitals schickte - wenige Wochen, nachdem seine Frau Vanessa die gemeinsame Tochter Sienna zur Welt gebracht hatte. Bei einem ähnlichen Vorfall hatte er 2014 übrigens die Hotelangestellte Michal Hutchison mit obszönen Nachrichten bombardiert, obwohl er noch mit seiner ersten Frau Nicola Mimnagh, einer ehemaligen Miss Schottland, verheiratet war.

Lafferty: Mit den Rangers wird ein Kindheitstraum wahr

Sportlich erlebte der 1,93 Meter große Stürmer nicht minder aufregende Zeiten. Geboren in der nordirischen Kleinstadt Enniskillen landete er im Alter von 17 Jahren beim Championship-Klub FC Burnley. Dort schaffte er den Sprung in den Profifußball und von dort aus wechselte er nach drei Jahren zu den Glasgow Rangers, seinem Lieblingsklub aus Kindertagen.

Lafferty gewann mit den Rangers drei schottische Meisterschaften, ehe er 2012 im Streit ging. Im April war er an einer Keilerei im Training beteiligt und wurde klubintern für zwei Wochen gesperrt. Wenige Wochen später wehrte er sich im Trubel um die finanziell am Boden liegenden Rangers dagegen, dass sein Vertrag an die neue Betreibergesellschaft des Klubs überging und heuerte ablösefrei beim Schweizer Erstligisten FC Sion an.

Dort spielte er an der Seite Gennaro Gattusos und verriet im Blick sein Erfolgsgeheimnis bei den Frauen: "Das ist wegen meines Humors, meines Charismas, meiner Persönlichkeit. Ich würde mich nicht als George Clooney bezeichnen. Ich bin mehr wie Brad Pitt."

Gattuso wurde in der folgenden Saison Trainer in Palermo und nahm Lafferty mit. Es folgte die besagte Saison in der Serie B und Engagements bei Norwich City, dem türkischen Erstligisten Rizespor, Birmingham City und Hearts of Midlothian.

Kyle Lafferty schießt Nordirland zur EM 2016

Unbeliebt war Lafferty nie. Im Gegenteil: Die Fans mochten ihn durchweg, war er zwar privat ein Hallodri, aber während des Spiels eine wahre Kämpfernatur. Mit seinem wuchtigen Körper geht er noch heute keinem Duell aus dem Weg.

2016 erreichte Laffertys Popularität in der Heimat seinen Höhepunkt. Mit sieben Toren in neun EM-Qualifikationsspielen schoss er Nordirland zur Endrunde in Frankreich. Ein riesiger Erfolg für das kleine Land. Pünktlich zum Turnier flog dann allerdings auf, dass Lafferty unerlaubt auf zwei Erstligaspiele in Spanien gewettet hatte. Im August verdonnerte ihn der zuständige englische Verband zu einer Geldstrafe von 23.000 Pfund.

Jene Strafe führte bei Lafferty zu einem Umdenken. Offensiv ging er mit seinen Problemen um und gestand in der Öffentlichkeit, unter Spielsucht zu leiden - und das bereits seit Jahren. Angefangen habe das zu Teenagerzeiten in Spielhallen, ehe es zu Rangers-Zeiten immer schlimmer wurde. Er schilderte der BBC 2017: "Ich hatte ich nichts Besseres zu tun, als nach dem Training zu den Buchmachern zu gehen oder online zu spielen." Er wettete auf Pferde- und Hunderennen, spielte Roulette. "Dabei habe ich von Pferden gar keine Ahnung. Das ist heute noch so."

Lafferty machte eine Therapie, das zusätzliche öffentliche Geständnis war ihm dennoch wichtig: "Das ist die feige Art, damit umzugehen. Ich wollte es öffentlich machen, ehrlich sein. Wenn es andere Fußballer mit Spielsucht gibt, hilft es ihnen vielleicht, wenn ich über meinen Kampf spreche."

Lafferty gewinnt den Kampf gegen die Spielsucht

Den Kampf gegen die Spielsucht hat er nach eigenen Angaben gewonnen und auch sportlich lief es für Lafferty in der Saison 2017/18 gut. Für Hearts of Midlothian erzielte er 19 Pflichtspieltore. Nicht nur seine Leistungen sorgten für Schlagzeilen, auch ein neues Tattoo. Für den Aufruhr konnte Lafferty diesmal kaum etwas, aber es war eben doch wieder ein Fettnäpfchen.

Er hatte sich das Datum der Hochzeit mit Vanessa auf dem Unterarm verewigen lassen. Blöd nur, dass dies auch das Datum des denkwürdigen Pokalsiegs von Hearts-Erzrivale Hibernian Edinburgh über die Rangers 2016 war. Hohn und Spott ergoss sich vial Social Media über Lafferty. Unter anderem hieß es da: "Muss sich toll anfühlen, dasselbe Tattoo zu haben wie tausende Hibs-Fans."

Lafferty betonte in einem Tweet seine Loyalität zu den Hearts: "Macht Euch keine Sorgen, ich werde für immer hier bleiben." Ein Satz, der ihm dann im Sommer 2018 nochmal leidtun sollte. Wieder meldeten sich die Rangers und Lafferty wechselte nach Glasgow. Die Anhänger der Hearts waren stinksauer, um es vorsichtig auszudrücken.

Laffertys mögliche Ziele: Saudi-Arabien? Katar?

Vielleicht war es ein Trost für die angesäuerten Fans, dass Laffertys Rückkehr zu den Rangers wenig erfolgreich verlief. Unter dem neuen Trainer Steven Gerrard erzielte er nur fünf Ligatore in der abgelaufenen Saison und hatte am Ende keinen Stammplatz mehr.

Trotz eines bis 2020 laufenden Vertrags soll er den Klub nun verlassen. Gerrard hat ihn nicht in seinen Kader für die anstehenden Europa-League-Spiele gegen St Joseph's aus Gibraltar nominiert.

Wohin Laffertys Weg führt, ist noch ungewiss. Buriram United aus der Thai Super League soll Gespräche aufgenommen haben. Klubs aus Katar und Saudi-Arabien werden ebenfalls als Interessenten gehandelt. Sicher ist wohl nur, dass wir auch in Zukunft von Kyle Lafferty hören werden.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung