Fussball

Kommentar zu Infantinos Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten: DFB gibt ein klägliches Bild ab

Gianni Infantino wurde erneut zum FIFA-Präsidenten gewählt.

Der Applaus der Delegierten reicht FIFA-Präsident Gianni Infantino zur Wiederwahl. Dabei gibt es genug Kritikpunkte am Alleinherrscher - doch auch der DFB hält sich brav zurück. Ein Kommentar von SPOX-Chefredakteur Martin Volkmar.

Als Gianni Infantino vor drei Jahren zum Nachfolger von Joseph Blatter gewählt wurde, versprach er "eine neue Ära" der FIFA, "bei der der Fußball wieder ins Zentrum rückt". Vor seiner einstimmigen Wiederwahl am Mittwoch in Paris - per Applaus statt per Handzeichen (!) - tat der Schweizer nun so, als habe sich alles zum Besseren gewendet: Niemand spreche mehr von Krisen, Skandalen und Korruption, meinte Infantino.

Mehr als diese beinahe schizophrene Selbstwahrnehmung braucht es eigentlich nicht, um das Problem zu verdeutlichen: Das desaströse Image der FIFA ist unter Infantino keinen Deut besser geworden. Der renommierte Antikorruptions-Experte Mark Pieth, 2011 bis 2013 Vorsitzender der FIFA-Reformkommission, sagt über Infantino, dieser "sprengt sogar die Dimension Blatter".

Der neue Alleinherrscher umgibt sich mit schwachem oder ihm ergebenen Führungspersonal, unabhängige Mitarbeiter und kritische Kontrolleure wurden abserviert, so wie die beiden FIFA-Ethikrichter Cornel Borbely und Hans-Joachim Eckert. "Es ist niemand mehr da, der Infantino auf die Finger schaut", sagt der Deutsche Eckert.

Infantinos ungestörter Griff in die FIFA-Kassen

Daher kann Infantino ungestört in die FIFA-Kasse greifen - für sich (Gehalt, Privatflüge, Spesen etc.), für alte Freunde (Geschenke im Wert von 18.000 Euro für einen Schweizer Oberstaatsanwalt, der daraufhin Gespräche mit der gegen die FIFA ermittelnden Bundesstaatsanwaltschaft vermittelte) und vor allem für die Funktionäre, die ihn nun wiedergewählt haben. Das Vermögen stieg dank der großzügigen Unterstützung von umstrittenen Sponsoren aus den Golfstaaten, China oder Russland auf 3,9 Milliarden Dollar.

Entsprechend überzeugte Infantino die Delegierten von seinem System auch mit der Erhöhung der Zuwendungen an jeden der 211 FIFA-Verbände von einer auf 5,3 Millionen Dollar pro Jahr. Die für die Wahl entscheidenden Kontinentalverbände aus Afrika, Asien sowie Süd- und Mittelamerika hatte er mit seiner Großzügigkeit schon lange auf seine Seite gezogen. "Es ist noch so wie früher bei Blatter. Nur jetzt muss man viele Formulare ausfüllen, bevor man sein Geld bekommt", zitiert die dpa einen Funktionär aus Uganda.

Begeisternden Zuspruch erhält der FIFA-Boss aus diesen Regionen auch für die Aufblähung der Weltmeisterschaft ab 2026 auf 48 Mannschaften, weil viele kleine Nationen nun von der Teilnahme an den so lukrativen wie prestigeträchtigen Titelkämpfen träumen.

Mehrheiten auf Kosten des Fußballs

So sichert sich Infantino seine Mehrheiten auch auf Kosten der Faszination und der Qualität des Spiels, das durch eine sportlich verwässerte und langatmige Mammut-WM deutlich leiden wird. Leidtragende sind die Topnationen und die Topligen in Europa, deren Vereinen und Spielern noch weniger Zeit zur Regeneration und zur Fokussierung auf die wirklich wichtigen Spiele bleibt.

Zumal Infantino ja noch weitere fragwürdige Pläne wie die FIFA Nations League, die auf 24 Teams aufgeblasene Klub-WM und die Veräußerung der FIFA-Rechte an ein bis heute unbekanntes Investoren-Konsortium für 25 Milliarden (!) Dollar in der Schublade hat, die er nach seiner einstimmigen Kür nun mit noch mehr Nachdruck zur Wiedervorlage bringen kann.

Umso unverständlicher ist die bedingungslose Zustimmung der wichtigsten Verbände der UEFA, die am meisten unter diesen Ideen zu leiden hätten. Auch der DFB, dessen Präsidium vorab einstimmig für Infantinos Wiederwahl votierte, gibt mit seiner kritiklosen Zustimmung ein klägliches Bild ab.

In Paris wurde die Chance vertan, nach dem Ende der unglücklichen Ära von Reinhard Grindel ein klares Zeichen zu setzen, dass man es mit dem angekündigten Reformwillen ernst meint und den Fußball tatsächlich wieder ins Zentrum rückt. Nur mitreden, nur mitklatschen - das kann nicht der Anspruch des mit über sieben Millionen Mitgliedern weltweit größten Sportverbandes sein.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung