Rassimus-Eklat um Moise Kean Leonardo Bonucci: Was passiert ist und wer sich äußert

 
"Die Schuld steht 50:50." Leonardo Bonucci hat mit seinen Aussagen über die rassistischen Beschimpfungen von Cagliari-Fans gegen Juves Shootingstar Moise Kean für Empörung gesorgt. SPOX erklärt, was passiert ist und wer sich nun dazu äußert.
© getty
"Die Schuld steht 50:50." Leonardo Bonucci hat mit seinen Aussagen über die rassistischen Beschimpfungen von Cagliari-Fans gegen Juves Shootingstar Moise Kean für Empörung gesorgt. SPOX erklärt, was passiert ist und wer sich nun dazu äußert.
Was war passiert? Rassistische Beschimpfungen sind in der italienischen Serie A keine Seltenheit. Immer wieder kommt es zu Anfeindungen der Fans gegen dunkelhäutige Profis. So auch am vergangenen Dienstag, als Juventus in Cagliari gastierte.
© getty
Was war passiert? Rassistische Beschimpfungen sind in der italienischen Serie A keine Seltenheit. Immer wieder kommt es zu Anfeindungen der Fans gegen dunkelhäutige Profis. So auch am vergangenen Dienstag, als Juventus in Cagliari gastierte.
Juve geht durch Bonucci nach 20 Minuten in Führung. Mit zunehmender Spieldauer wird Juves Juwel Moise Kean, italienischer Jungnationalspieler mit ivorischen Wurzeln, immer wieder von den sardinischen Fans rassistisch beleidigt.
© getty
Juve geht durch Bonucci nach 20 Minuten in Führung. Mit zunehmender Spieldauer wird Juves Juwel Moise Kean, italienischer Jungnationalspieler mit ivorischen Wurzeln, immer wieder von den sardinischen Fans rassistisch beleidigt.
85. Minute: Ausgerechnet Kean trifft zum 2:0 und jubelt anschließend provokativ vor der Cagliari-Fankurve, die mit Affenlauten und Schmähungen reagiert. Keans aufgebrachter Teamkollege Matuidi fordert den Schiedsrichter auf, das Spiel zu unterbrechen.
© getty
85. Minute: Ausgerechnet Kean trifft zum 2:0 und jubelt anschließend provokativ vor der Cagliari-Fankurve, die mit Affenlauten und Schmähungen reagiert. Keans aufgebrachter Teamkollege Matuidi fordert den Schiedsrichter auf, das Spiel zu unterbrechen.
Erst als der Stadionsprecher Mahnungen ausspricht, einen drohenden Spielabbruch andeutet und Cagliari-Kapitän Ceppitelli in die eigene Kurve geht, beruhigt sich die Szenerie. "Der beste Weg, um auf Rassismus zu reagieren", sagte Kean hinterher.
© getty
Erst als der Stadionsprecher Mahnungen ausspricht, einen drohenden Spielabbruch andeutet und Cagliari-Kapitän Ceppitelli in die eigene Kurve geht, beruhigt sich die Szenerie. "Der beste Weg, um auf Rassismus zu reagieren", sagte Kean hinterher.
Doch damit nicht genug. "Ich denke, die Schuld ist 50-50. Moise hätte das nicht machen sollen und die Kurve hätte nicht so reagieren sollen. Wir als Profis müssen ein gutes Beispiel abgeben und niemanden provozieren", meinte allen Ernstes Bonucci.
© getty
Doch damit nicht genug. "Ich denke, die Schuld ist 50-50. Moise hätte das nicht machen sollen und die Kurve hätte nicht so reagieren sollen. Wir als Profis müssen ein gutes Beispiel abgeben und niemanden provozieren", meinte allen Ernstes Bonucci.
24 Stunden später wollte der Juve-Abwehrchef seine Aussagen relativieren und klarstellen, dass er "jede Form von Rassimus" verurteile und "derartige Beschimpfungen" nicht zu tolerieren seien.
© getty
24 Stunden später wollte der Juve-Abwehrchef seine Aussagen relativieren und klarstellen, dass er "jede Form von Rassimus" verurteile und "derartige Beschimpfungen" nicht zu tolerieren seien.
"Ich wurde direkt nach Spielschluss interviewt und meine Worte wurden eindeutig missverstanden. Wahrscheinlich, weil ich mich zu hastig ausgedrückt habe", erklärte Bonucci. Doch das Kind war schon in den Brunnen gefallen.
© getty
"Ich wurde direkt nach Spielschluss interviewt und meine Worte wurden eindeutig missverstanden. Wahrscheinlich, weil ich mich zu hastig ausgedrückt habe", erklärte Bonucci. Doch das Kind war schon in den Brunnen gefallen.
Eine Empörungswelle entlud sich über Bonucci und zahlreiche Profis bezogen Stellung. Als einer der Ersten äußerte sich Raheem Sterling, der selbst zuletzt beim Länderspiel mit England in Montenegro rassistisch angefeindet wurde.
© getty
Eine Empörungswelle entlud sich über Bonucci und zahlreiche Profis bezogen Stellung. Als einer der Ersten äußerte sich Raheem Sterling, der selbst zuletzt beim Länderspiel mit England in Montenegro rassistisch angefeindet wurde.
"Die Schuld ist 50-50, Leonardo Bonucci. Darüber kann man nur lachen", schrieb Sterling in seiner Story bei Instagram.
© getty
"Die Schuld ist 50-50, Leonardo Bonucci. Darüber kann man nur lachen", schrieb Sterling in seiner Story bei Instagram.
Mario Balotelli, der während seiner Zeit in Italien ebenfalls einiges über sich ergehen lassen musste, unterstützte Kean und wandte sich direkt an den 19-jährigen Angreifer.
© getty
Mario Balotelli, der während seiner Zeit in Italien ebenfalls einiges über sich ergehen lassen musste, unterstützte Kean und wandte sich direkt an den 19-jährigen Angreifer.
"Bravo! Und sag Bonucci, dass er Glück hatte, dass ich nicht da war. Anstatt dich zu verteidigen, macht er das? Wow, ich bin wirklich schockiert", schrieb Balotelli unter einem Instagram-Beitrag von Kean.
© getty
"Bravo! Und sag Bonucci, dass er Glück hatte, dass ich nicht da war. Anstatt dich zu verteidigen, macht er das? Wow, ich bin wirklich schockiert", schrieb Balotelli unter einem Instagram-Beitrag von Kean.
Auch Manchester-United-Star Paul Pogba zeigte sein Unverständnis gegenüber Bonucci und dessen Aussagen. "Ich unterstütze jeden Kampf gegen Rassismus. Wir sind alle gleich", sagte Pogba.
© getty
Auch Manchester-United-Star Paul Pogba zeigte sein Unverständnis gegenüber Bonucci und dessen Aussagen. "Ich unterstütze jeden Kampf gegen Rassismus. Wir sind alle gleich", sagte Pogba.
Im Gegensatz zu Pogba wurde Arsenal-Legende Ian Wright ausfällig gegenüber Bonucci. "Du bist das Problem", schrieb Wright und bezeichnete den Innenverteidiger als "Pussio". Was er meinte, dürfte klar sein.
© getty
Im Gegensatz zu Pogba wurde Arsenal-Legende Ian Wright ausfällig gegenüber Bonucci. "Du bist das Problem", schrieb Wright und bezeichnete den Innenverteidiger als "Pussio". Was er meinte, dürfte klar sein.
Nicht ganz so drastisch, aber nicht minder kritisch äußerte sich Memphis Depay: "Ich bin enttäuscht von deiner Reaktion als Juventus-Kapitän. Der Junge kann jubeln, wie er will. Seine Rolle ist essenziell für das Team und er spielt mit Stolz für Italien."
© getty
Nicht ganz so drastisch, aber nicht minder kritisch äußerte sich Memphis Depay: "Ich bin enttäuscht von deiner Reaktion als Juventus-Kapitän. Der Junge kann jubeln, wie er will. Seine Rolle ist essenziell für das Team und er spielt mit Stolz für Italien."
Der englische Twitter-Account des BVB kritisierte Bonucci nicht Worten, sondern bediente sich einer Bildsprache und postet ein Bild, auf dem Marco Reus den Juve-Verteidiger ausdribbelt.
© twitter.com/BlackYellow
Der englische Twitter-Account des BVB kritisierte Bonucci nicht Worten, sondern bediente sich einer Bildsprache und postet ein Bild, auf dem Marco Reus den Juve-Verteidiger ausdribbelt.
Mino Railo, der Berater von Kean, setzte Rassimus gleichbedeutend mit Ignoranz. "Niemand, der dagegen ein Zeichen setzt, soll sich rechtfertigen müssen", sagte Raiola und forderte "schwere Strafen" für die Cagliari-Fans.
© getty
Mino Railo, der Berater von Kean, setzte Rassimus gleichbedeutend mit Ignoranz. "Niemand, der dagegen ein Zeichen setzt, soll sich rechtfertigen müssen", sagte Raiola und forderte "schwere Strafen" für die Cagliari-Fans.
Zwar wollte Juve-Trainer Massimiliano Allegri sich nicht an der Generalabrechnung mit Juve-Kapitän Bonucci beteiligen, doch auch er forderte eine harte Bestrafung für "diese Idioten im Publikum". Im gleichen Atemzug zweifelte er Konsequenzen jedoch an.
© getty
Zwar wollte Juve-Trainer Massimiliano Allegri sich nicht an der Generalabrechnung mit Juve-Kapitän Bonucci beteiligen, doch auch er forderte eine harte Bestrafung für "diese Idioten im Publikum". Im gleichen Atemzug zweifelte er Konsequenzen jedoch an.
"Wir haben die nötige Technologie, die Behörden könnten das machen. Das Problem ist, dass sie nicht wollen", sagte Allegri. Und das ist ebenso ein Armutszeugnis wie die zahlreichen Vorfälle in Italien.
© getty
"Wir haben die nötige Technologie, die Behörden könnten das machen. Das Problem ist, dass sie nicht wollen", sagte Allegri. Und das ist ebenso ein Armutszeugnis wie die zahlreichen Vorfälle in Italien.
1 / 1
Werbung
Werbung