Fussball

Wie eine Baseball-Legende den italienischen Traditionsklub Reggiana zerstörte

© getty

2016 kaufte die US-amerikanische Baseball-Legende Mike Piazza den abgestürzten italienischen Traditionsklub AC Reggiana. Doch er machte alles nur noch schlimmer: zwei Jahre später gab es den Verein nicht mehr. Im Sommer wurde Reggiana als Reggio Audace FC neugegründet.

Am 3. Juni 2018 blieb bei der AC Reggiana die Zeit stehen und sie fing auch nie mehr wieder an zu laufen. Die Zeit, sie steht tatsächlich bis heute still. Auf der Startseite der offiziellen Vereinswebsite wird noch immer das Viertelfinalrückspiel der Drittliga-Playoffs von jenem Tag beworben. Robur Siena gegen AC Reggiana. Sonntag, 3. Juni, 20.30 Uhr. Stadio Artemio Franchi, Siena. Es sollte Reggianas letzte Spiel in der damaligen Form sein.

Bis zur zehnten Minute der Nachspielzeit stand es 1:1. Nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel hätte dieses Ergebnis zum Einzug ins Playoff-Halbfinale gereicht, der Traum vom Zweitliga-Aufstieg hätte weitergelebt. Doch dann bekam Siena einen fragwürdigen Handelfmeter zugesprochen und Claudio Santini verwandelte. Reggiana war raus, weil es in der Endabrechnung der regulären Saison als Vierter schlechter platziert war als Siena als Zweiter.

Es stand eine weitere Saison in der Drittklassigkeit an, aber der Vereinsbesitzer Mike Piazza hatte keine Lust auf eine weitere Saison in der Drittklassigkeit. Ohne neue externe Geldgeber würde er den Klub verlassen, drohte er, machte sich auf die Suche und fand keine. Es kam der Tag, an dem jeder Drittligaklub die Liga-Registrierungsgebühr überweisen muss, aber von Reggiana kam nichts. Piazza tauchte unter, war nicht mehr zu erreichen - und Reggiana gab es nicht mehr.

MLB-Legende Mike Piazza rief: "Dai c'andom!"

Während sich der Klub unter dem neuen Namen Reggio Audace FC in der vierten Liga neugründete, verließ Piazza die Stadt durch die Hintertür. Nachdem er zwei Jahre zuvor durch den Vordereingang hineingestürmt war. Ein ehemaliger MLB-Star von den New York Mets und Los Angeles Dodgers, der es sogar in die Hall of Fame geschafft hatte. Viel Geld hatte Piazza und noch mehr Lust auf ein Abenteuer. Ein Fußballklub aus Italien sollte es sein, der Heimat seiner Großeltern.

Zunächst zeigte Piazza Interesse an Parma Calcio, entschied sich dann aber doch für den Verein aus der Nachbarstadt Reggio Emilia. Eine Überweisung von drei Millionen Euro später stand er auf dem Hauptplatz. Unten schwenkten die Fans ihre Fahnen, sangen ihre Lieder und brannten ihre Fackeln ab, oben erzählte Piazza von seinen großen Plänen und rief: "Dai c'andom!" Auf geht's! Es sollte dorthin zurückgehen, wo der Klub schon einmal war: in die Serie A.

AC Reggianas glorreiche Zeiten in der Serie A

Reggiana galt einst als Vorzeigeverein Italiens, in den 1990er Jahren war das. 1993 gelang nach einer bis dahin relativ trostlosen Geschichte - die sich seit der Gründung 1919 hauptsächlich in der Zweit- und Drittklassigkeit zugetragen hatte - der erstmalige Aufstieg in die Serie A. Reggiana hielt mit prominenten Spielern wie Paulo Futre, Johnny Ekström and Claudio Taffarel die Klasse und baute gleichzeitig ein neues Stadion: als erster italienischer Verein ohne staatliche Zuschüsse. Die Finanzierung klappte auch, weil über 1000 Fans vorab Zehn-Jahres-Dauerkarten erwarben.

Im April 1995 wurde das Stadio Giglio mit seinen knapp 30.000 Plätzen bei einem Heimspiel gegen Juventus Turin eröffnet. Drei weitere Spiele folgten noch in dieser Saison, dann war Reggiana abgestiegen. Zur neuen Saison übernahm Carlo Ancelotti das Traineramt - es war seine erste Station überhaupt als Cheftrainer. Ancelotti führte den Klub zurück in die Serie A, verließ Reggiana aber nach dem Saisonende und wechselte zum Rivalen Parma. Reggiana stieg direkt wieder ab und zwar für immer. 1999 war der Klub zurück in der Drittklassigkeit.

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