Fussball

Jakub Blaszczykowski und Wisla Krakau: Im Zeichen der Dankbarkeit

Von Marc Hlusiak
Jakub Blaszczykowski spielte von 2005 bis 2007 für Wisla Krakau

Es war immer der Plan von Jakub "Kuba" Blaszczykowski, am Karriereende noch einmal für Wisla Krakau aufzulaufen. Dass er das nun unentgeltlich tun will, zeigt, welch besonderer Charakter hinter dem langjährigen polnischen Nationalmannschafts-Kapitän steckt. Eine Geschichte von Dankbarkeit.

Jakub "Kuba" Blaszczykowski ist nicht nur ein besonderer Fußballer, sondern auch ein besonderer Mensch. Einer, der seine Wurzeln nicht vergisst. Auch nicht im hektischen und hochbezahlten Profifußball heutiger Tage.

Kubas Weg an die Spitze wurde maßgeblich vom polnischen Erstligisten Wisla Krakau geebnet. Ein Verein mit viel Tradition, der aktuell um seine Existenz kämpft.

Wisla steckt in finanziellen Schwierigkeiten, hat mehrere Millionen Euro Schulden angehäuft und zudem gegen Regularien des polnischen Fußballverbandes PZPN verstoßen. Ein Ausschuss des Verbandes setzte die Lizenz daraufhin am Freitag zunächst aus.

Ein erster Warnschuss.

Kuba: "Zum Ende meiner Karriere Danke sagen"

"Ich kenne viele Leute aus meiner Zeit bei Wisla, die noch immer im Verein sind. Ich vergesse gemeinsame Zeiten nicht", wird Kuba in einem Interview mit Schwatzgelb.de aus dem Januar 2018 zitiert. "Ich habe immer im Hinterkopf, was Menschen für mich getan haben. Ich habe eine große Chance von Wisla bekommen und ich vergesse nie, wer mir eine Chance gegeben hat. Nur durch Wisla Krakau bin ich auf das professionelle Level gekommen. Das war ein wichtiger Schritt und dafür möchte ich zum Ende meiner Karriere 'Danke' sagen."

Für Kuba keine x-beliebige Fußballerfloskel, kein haltloses Versprechen, das im Ernstfall nichts mehr zählt. Sondern eine ehrliche Aussage, die seinen einwandfreien Charakter beschreibt.

Kuba steht zu seinem Wort und will helfen, auch wenn er sich "Danke sagen" vor Jahresfrist sicherlich noch anders vorgestellt hatte.

Kuba leiht Wisla Krakau Geld

Zusammen mit zwei weiteren Investoren will der 33-Jährige dem Verein insgesamt umgerechnet rund eine Million Euro (310.000 Euro pro Person) leihen. Der ebenfalls an der Rettung beteiligte Unternehmer Jaroslaw Krolewski bestätigte dies am Samstag dem polnischen Sender TVP Sport.

"Er ist eine sehr bescheidene Person und gibt jetzt das, was für ihn im Leben nie eine Rolle spielte: Materialismus und Geld", schwärmte der Geschäftsmann vom 105-fachen Nationalspieler.

Was viele nicht wussten: Bereits im vergangenen Jahr (Ende 2018) hatte Kuba dem Klub rund 230.000 Euro geliehen.

Das Karriereende war vorgeplant

Schon lange stand für den aus dem polnischen Dorf Truskolasy stammenden Mittelfeldspieler fest, dass er zum Ende seiner Laufbahn noch einmal nach Krakau zurückkehren wollte: "So ist es geplant. Ich habe bei meinem Wechsel zum BVB schon gesagt, dass ich dort meine Karriere beenden will", sagte Kuba im vergangenen Jahr in besagtem Interview.

Nach seiner Ausbootung beim VfL Wolfsburg ergriff Kuba im Winter die Chance und zog zurück nach Krakau, wo er sich im Training bei seinem Ex-Klub fit hält. Zusätzlich zu seiner Finanzspritze bot der Pole an, in der Rückrunde unentgeltlich für seinen Herzensverein aufzulaufen.

Eine weitere Geste der Großzügigkeit. Für Kuba eine Selbstverständlichkeit.

Verspäteter Abschied

Schon zu Dortmunder Zeiten stellte er die eigenen Interessen nie über die des Vereins. Selbst als es für ihn unter Thomas Tuchel nach acht Jahren in Dortmund nicht weiterging, hegte Kuba keinen Groll. Über die "schwierige Zeit" rund um sein Ende beim BVB redet Kuba nicht viel. Wenn, dann zeigt er sich demütig und respektvoll. "Der Verein ist viel wichtiger als ich und deswegen habe ich vollen Respekt. Alle im Verein waren immer korrekt und haben mich mit Respekt behandelt. Das ist dann passiert und das Leben läuft weiter."

Bei den Anhängern der Westfalen kam die Art des Polen stets an. Bis heute ist das gute Verhältnis zwischen Spieler und Fans ungebrochen. Beim ersten Gastspiel des BVB nach Kubas Wechsel zum VfL Wolfsburg im Jahr 2016 rief ihn der schwarz-gelbe Anhang nach getaner Arbeit prompt in die Gästekurve und verschaffte ihm einen verspäteten Abschied.

Hintergrund: Bei Kubas erster Rückkehr in den Signal Iduna Park als Spieler des VfL Wolfsburg war die Südtribüne aufgrund der Schmähplakate und der Ausschreitungen im Vorfeld des Spiels gegen RB Leipzig gesperrt.

Ein Dankeschön Kubas

Die Rührung war dem langjährigen Publikumsliebling ins Gesicht geschrieben. Er war den Tränen nah. "Ich hatte bislang keine Chance, Danke zu sagen", erzählte der Gefeierte später: "Acht Jahre vergisst man nicht - und es waren ja auch acht tolle Jahre. Es war eine super Zeit für mich in Dortmund. Dafür wollte ich mich bei den Fans bedanken."

Dass Kubas Dankbarkeit auch vor dem eigenen Geldbeutel nicht Halt macht, erfährt aktuell sein Herzensklub Wisla Krakau.

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