Fussball

Verrückte Ergebnisse am 30. Januar: Favoritensterben, historische Pleiten und die katalanischen Zauberer

Während Ronaldo und Co. Blamagen kassierten, zauberte der FC Barcelona nach Belieben.

Englische Wochen sind immer etwas Besonderes. Der Abend des 30. Januar hatte aber ganz besonders viel zu bieten. Die Roma wurde mit 1:7 aus dem Pokal geschossen und benahm sich ordentlich daneben. Juventus und Chelsea verlangten ihren Trainern Wutreden ab, der FC Barcelona spielte dagegen die Remontada 2.0.

Bachelor Andrej Mangold sprach am späten Mittwochabend einmal mehr von einer "Achterbahn der Gefühle", die er in den letzten rund zwei Stunden TV-Unterhaltung durchstehen musste. Der Mann wird uns als ehemaliger Profi-Sportler sicherlich verstehen, wenn wir an jenem 30. Januar nicht aufgrund der ungelenken Kuss-Versuche mit zitternder Hand zwischen Fernbedienung und Chips-Tüte wechselten.

Die Roma wurde in der Coppa Italia mal so richtig zerpflückt und verlor mit 1:7 gegen den AC Florenz. Was wie der schlimme Albtraum eines HSV-Fans im Zusammenhang mit der Allianz Arena anmutet, war allerdings nur der Auftakt zu einem ergebnistechnisch völlig verrückten Fußball-Abend.

Chelsea kassierte beim 0:4 gegen den AFC Bournemouth die höchste Saisonniederlage seit 20 Jahren, Juventus scheiterte krachend mit 0:3 gegen Underdog Atlanta Bergamo. Die Fahne der Favoriten hielt der FC Barcelona hoch: Remontada 2.0 gelang mit dem vertrauten Ergebnis von 6:1 gegen den FC Sevilla.

AC Florenz 7 - AS Roma 1: Was ist passiert?

Doch der Reihe nach. Florenz 7. Roma 1. Ups. Kein Testspiel, kein Duell der U14-Teams, sondern das Viertelfinale der Coppa Italia. Übrigens auch keine B-Elf, sondern vielmehr kollektive Arbeitsverweigerung. Riesige Lücken in der Defensive, kein Umschaltverhalten nach Ballverlusten und blitzschnelle Konter der Fiorentina bedeuteten ein Schützenfest.

Zur Halbzeit schien das kräftige Gähnen von Nicolo Zaniolo beim Anstoß die Roma beinahe aufzuwecken, doch rund 20 Minuten später ging das Scheibenschießen weiter. Mit wenig Amüsement verfolgte Francesco Totti von der Tribüne aus intensive Streitgespräche zwischen Edin Dzeko und Mitspieler Bryan Cristante.

Und was macht man, wenn der Mitspieler aufmuckt? Klar, den Schiedsrichter anspucken! So zumindest im Hause Dzeko, der aus einer sportlichen auch noch eine menschliche Blamage machte. Dass Trainer Eusebio Di Francesco nun offenbar abgesägt werden soll, ist da nur noch ein kleiner Teil des ohnehin schon finsteren Abends für die Roma.

AFC Bournemouth 4 - FC Chelsea 0: Was ist passiert?

Dieses Schicksal könnte sich di Francesco bald mit Maurizio Sarri teilen. Zumindest steht auch dieser laut DailyMail seit Mittwochabend im Angesichte des Sackes, wie der Engländer so schön sagt (facing the sack, und so). Dass das Meisterrennen derzeit so weit entfernt ist wie ein Verbleib von Eden Hazard im Sommer, dürfte den Verantwortlichen so gar nicht gefallen.

Dass Sarri dabei seinen gefürchteten "Sarri-Ball" immer noch nicht konstant auf den Platz bringt, zeigte das Spiel gegen Bournemouth. "Uns fehlen selbst die Basics", fluchte der Italiener: "Ich dachte, wir haben Fortschritte in dieser Art von Fußball gemacht, aber das haben wir nicht."

Tatsächlich verloren die Blues simple Bälle im Aufbau, schenkten die Führung her und wirkten anschließend arg verunsichert. Mittendrin der Brasilianer David Luiz, der nach drei Minuten ein Pfund von einem Distanzschuss ins Gesicht bekam und umfiel wie ein gefällter Baum. Er spielte durch - und machte in der zweiten Hälfte haarsträubende Fehler. Nicht durch spielte übrigens Gonzalo Higuain, von Sarri als "nicht fit" betitelt.

Fit, aber dennoch gar nicht erst im Kader, war überraschend Callum Hudson-Odoi. Der vom FC Bayern umworbene Teenager wurde von Sarri außenvor gelassen. Geht da etwa doch noch was, FCB? Sarri begründete den Verzicht auf den 18-Jährigen nach dem Spiel mit den starken Alternativen, die ihm im Offensivbereich zur Verfügung standen, weshalb der zuletzt eingesetzte Hudson-Odoi eine Pause bekam. Na ja.

Atalanta Bergamo 3 - Juventus 0: Was ist passiert?

Auch Juventus musste in der Coppa Italia die Segel streichen. "Irgendwie lag es in der Luft", sagte Coach Massimiliano Allegri nach der 0:3-Pleite gegen ein tapferes Bergamo. Der Trainer hatte derart gewütet, dass die Schiedsrichter ihn auf die Tribüne verbannten. Insgesamt ein unglücklicher Abend für Juventus, bei dem sich Kapitän Giorgio Chiellini ganz früh verletzte.

Es folgte ein blöder Fehler im Spielaufbau, dann stach Duvan Zapata, der aktuell in blendender Form ist. 0:2, Allegri entledigte sich erst seiner Anzugjacke, dann seines Einflusses für die zweiten 45 Minuten. Noch ein Fehler im Spielaufbau machte die Blamage schließlich perfekt. "Ein gebrauchter Tag", wie Allegri feststellte.

Als Alarmzeichen wollte er die Partie allerdings nicht werten. Der Triple-Traum ist nun allerdings gelaufen, die Laune von Superstar Cristiano Ronaldo dürfte ebenfalls am Boden sein. Der Portugiese trat schon bei letzten schwachen Leistungen als Rettungskraft in Erscheinung, in Bergamo aber muss sein Zeugnis mit "war stets bemüht" formuliert werden.

FC Barcelona 6 - FC Sevilla 1: Was ist passiert?

Doch genug der Favoriten-Niederlagen. Den Schlusspunkt dieses denkwürdigen 30. Januar setzte der FC Barcelona mit einem 6:1 über den FC Sevilla, nachdem das Hinspiel in der Copa del Rey noch 2:0 für die Andalusier geendet hatte. Erste Stimmung bei den Fans kam bereits auf, als Remontada-Held Sergi Roberto in der Startaufstellung entdeckt wurde.

Wir erinnern uns: Remontada 1.0 war das 6:1 gegen Paris Saint-Germain in der Champions League. Remontada 2.0 lief am Mittwochabend ganz nach Plan. Lionel Messi wirbelte, Philippe Coutinho überwand seine Schwächephase, Jasper Cillessen parierte im vielleicht entscheidenden Moment einen Elfmeter.

Dass Arthur auch noch den Pass des Jahres spielte und Luis Suarez nach einem 85-Meter-Sprint eine Flanke von Jordi Alba veredelte, machte den Abend nahezu perfekt. Was fehlte zur Perfektion? Natürlich ein Messi-Tor und ein wenig Tiki-Taka. Gesagt, getan: Der Konter zum 6:1, den Messi schließlich vollendete, war eine echte Augenweide. Kleine Quizfrage zum Schluss: Wer mischte beim Stand von 5:1 im gegnerischen Strafraum mit und legte einen Ball per Hacke quer? Logisch: Innenverteidiger Gerard Pique.

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