Fussball

Wie de Jongs Transfer zu Barca den Mittelfeld-Markt ankurbelt

Frenkie de Jong wechselt im Sommer zum FC Barcelona.

Frenkie de Jong hatte die Qual der Wahl. Nahezu jeder europäische Klub mit Rang und Namen war hinter dem Mittelfeld-Juwel von Ajax Amsterdam her, am Ende entschied sich der 21-jährige Niederländer für einen Wechsel zum FC Barcelona. SPOX und Goal zeigen, welche Auswirkungen der 75-Millionen-Deal auf den Transfermarkt hat - und noch haben könnte.

Hasan Salihamidzic machte sich im europaweiten Tauziehen um Frenkie de Jong keine allzu großen Hoffnungen. Das Supertalent von Ajax Amsterdam sei zweifelsfrei "ein guter Spieler", der eine "hervorragende Entwicklung" genommen habe, meinte der Sportdirektor des FC Bayern am 8. Dezember des vergangenen Jahres.

Er verzichtete angesichts der zu jenem Zeitpunkt weit fortgeschrittenen Verhandlungen des begehrten Niederländers mit Paris Saint-Germain aber auf eine Kampfansage an die mitbietende Konkurrenz. "Wenn er zu ihnen wechselt", sagte Salihamidzic mit einem Hauch Missmut in Richtung des französischen Meisters, "wären sie noch stärker."

Nach de Jongs Transfer: Barca distanziert sich von Rabiot

Etwa eineinhalb Monate später gab de Jong seinen Wechsel bekannt. Allerdings nicht zu PSG, sondern zum FC Barcelona. Ein langes Gespräch mit Thomas Tuchel konnte seinen Kindheitstraum, das blaurote Trikot im Stile der niederländischen Fußball-Legende schlechthin, Johan Cruyff, überzustreifen, ebenso wenig ausradieren wie ein Anruf aus Manchester von Pep Guardiola.

De Jong, 21, einigte sich mit Barca auf einen Wechsel im Sommer. Kostenpunkt: 75 Millionen Euro. Ein Transfer-Coup, der schon jetzt Auswirkungen auf den Mark hat. Vor allem in Bezug auf die monatelange Posse um Adrien Rabiot. Der wechselwillige und mittlerweile in die Reserve von PSG verbannte Franzose sollte eigentlich im Januar bei Barca unterschreiben. Die Katalanen wurden sich laut der für gewöhnlich gut informierten Sport bislang aber nicht mit dessen Mutter und Beraterin einig.

Die finanziellen Rahmenbedingungen des Rabiot-Deals schrecken den spanischen Double-Sieger offenbar ab. Der begehrte Mittelfeld-Organisator soll neben einem üppigen Gehalt auch eine stolze Handgeldsumme verlangen. Eine Verpflichtung des 23-Jährigen genieße daher "keine Priorität" mehr, schreibt Sport. Zumindest, solange nicht klar ist, wie sich das nach dem Transfer von de Jong noch praller gefüllte Barca-Mittelfeld in der kommenden Spielzeit aufstellt.

Thiago-Rückkehr zu Barca kein Thema mehr

Für den ab Juli ablösefreien Rabiot wäre vor allem aus wirtschaftlicher Sicht wohl nur Platz, wenn Coutinho von dannen ziehen würde. Der Brasilianer ist dieser Tage das große Sorgenkind von Barca-Coach Ernesto Valverde, kämpft mit Leistungsschwankungen und wird bereits mit anderen Spitzenklubs in Verbindung gebracht.

Auch Ivan Rakitic zählt der Barca-nahen Presse zufolge trotz vieler und überzeugender Einsätze im Valverde-Team zu den Verkaufskandidaten der nahen Zukunft. Der kroatische Vizeweltmeister gehört mit seinen 30 Jahren der älteren Riege im Kader an und könnte im Sommer noch eine vergleichsweise hohe Transfersumme generieren. Einen Erben für den Ex-Schalker im katalanischen Dreier-Mittelfeld gibt es ohnehin schon: Arthur Melo, für 31 Millionen Euro von Gremio Porto Alegre aus Brasilien gekommen, spielt eine verheißungsvolle Premierensaison im Camp Nou.

Auch aufgrund der Leistungen des 22-Jährigen sind mittlerweile die langjährigen Gedankenspiele der Barca-Bosse, Thiago vom FC Bayern zurückzuholen, auf Eis gelegt. Abgesehen davon plant Thiago selbst nach Informationen von SPOX und Goal keinen Abschied mehr aus München. Im Gegenteil: Vor rund zwei Monaten signalisierte er, seinen bis 2021 laufenden Vertrag an der Isar mindestens erfüllen zu wollen.

Bayerns Chancen bei Rabiot steigen

"Unser Gehaltsbudget ist limitiert", sagte Barca-Präsident Josep Bartomeu zu Beginn der Woche nicht grundlos gegenüber Mundo Deportivo. Für Rabiot ist aktuell kein Platz. Das ruft andere Spitzenklubs auf den Plan. So intensivierte nach Angaben des französischen Sportblatts L'Equipe zuletzt Borussia Dortmunds Champions-League-Gegner Tottenham Hotspur seine Bemühungen um den Linksfuß, fing sich jedoch eine Absage von ihm ein. Rabiot bevorzuge demnach eine Adresse, bei der er jedes Jahr um große Titel mitspielen könne.

Das vergrößert automatisch die Chancen von Vereinen wie Juventus Turin, dem FC Liverpool - und dem FC Bayern. Salihamidzic bezeichnete den Noch-Pariser bereits vor einigen Wochen als "interessanten Spieler", nachdem in Frankreich Gerüchte aufgekommen waren, der deutsche Rekordmeister sei in den Rabiot-Poker eingestiegen. Allerdings stellt sich wie in Barcelona auch in München die Frage: Wird Rabiot überhaupt gebraucht?

Niko Kovac hat aktuell ein Überangebot an Mittelfeldspielern. Ob der aufgrund seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr unantastbare Javi Martinez, der bis dato nur ausgeliehene James Rodriguez und der wenn überhaupt nur als Joker berücksichtigte Renato Sanches über die laufende Spielzeit hinaus bleiben, steht allerdings in den Sternen.

Sanches darf (noch) nicht weg - Tuchel holt Paredes

Gerade bei Sanches deuten die Zeichen eher auf Abschied. "Ich möchte einfach das Beste für mich und wenn es das Beste ist, zu bleiben, dann bleibe ich. Wenn es für mich das Beste ist, zu gehen, dann gehe ich. Ich möchte mehr spielen", sagte der 21-jährige Portugiese während des Wintertrainingslagers in Katar gegenüber Sport1.

Ausgerechnet Tuchel bringt sich als potentieller Abnehmer für Sanches in Stellung. Kovac bestätigte das Interesse der Pariser an dem Europameister, schob einem Transfer im Januar jedoch genauso wie der BVB im Fall Julian Weigl einen Riegel vor. "Ich bin davon überzeugt, dass Renato das nächste halbe Jahr viele Spiele machen wird. Wir können unseren Kader nicht reduzieren", sagte der FCB-Coach.

Wie französische Medien berichten, lehnten die Bayern in der vergangenen Woche eine 20-Millionen-Offerte des Scheichklubs ab. PSG reagierte und gab am Dienstag die Verpflichtung des Argentiniers Leandro Paredes von Zenit St. Petersburg bekannt. Eine 47 Millionen Euro teure Notlösung, durch die Tuchel hofft, endlich die von Routinier Thiago Motta hinterlassene Lücke auf der Sechser-Position zu schließen.

Ob er nach der Absage von Wunschspieler de Jong und der schweren Knöchelverletzung von Marco Verratti mit Paredes allein gänzlich zufrieden ist, bleibt abzuwarten. So oder so: Europas Mittelfeld-Markt ist durch den Wechsel von de Jong schon jetzt angekurbelt.

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