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Finale der Copa Libertadores – River Plate vs. Boca Juniors: Elf Blickwinkel

Die Copa Libertadores ist vergleichbar mit der UEFA Champions League.
© getty

Am Sonntag findet das Endspiel um die Copa Libertadores zwischen den Boca Juniors und River Plate statt (20.30 Uhr live auf DAZN) - auf europäischem Boden, in Madrid. Der Superclasico wird zum Hochrisikospiel. SPOX verschafft einen längst abhanden gekommenen Überblick.

Der Superclasico - größer als El Clasico (Real Madrid gegen den FC Barcelona), wie der Name schon verrät. Weitaus bedeutender als das Revierderby zwischen dem BVB und Schalke. Unvorstellbar dramatischer als Celtic gegen die Rangers. Boca gegen River, das heißt Arbeiterklasse gegen Oberschicht.

Der Kampf der Klassen wird im Rahmen dieser Begegnungen leider auch immer wieder neben dem Platz ausgetragen. Unter dem Deckmantel des Fan-Daseins wird sich beschimpft, geprügelt und gemordet.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Copa Libertadores kommt es im Finale zu dieser Begegnung. Zum ersten Mal kommt es zum Superfinal. Das Ergebnis: eine Schande für den argentinischen Fußball.

Was war passiert? Vor dem Rückspiel im Estadio Monumental von River Plate griffen River-Fans den Mannschaftsbus der Boca Juniors an, der auf dem Weg ins Stadion war. Es flogen Steine, Scheiben zersplitterten. Einige Boca-Spieler erlitten Schnittwunden, andere erwischten Tränengas, das von der Polizei eingesetzt worden war und durch die kaputten Scheiben des Busses drang.

Nach stundenlanger Beratung entschloss sich der südamerikanische Fußballverband CONMEBOL, das Spiel abzusagen. Daraufhin beschloss der Verband mit Unterstützung der FIFA, des spanischen Fußballverbands RFEF und Real Madrid, das Spiel im Estadio Santiago de Bernabeu in Madrid auszutragen.

Wie reagierten Klubs, Fans und Experten? "Die CONMEBOL ist Abschaum!" Mit dieser Meinung stand Argentiniens Fußball-GOAT Diego Maradona nicht alleine da. Sowohl Boca als auch River legten Beschwerde ein. Wer soll sich das leisten können? Die CONMEBOL muss sich Vorwürfen der Korruption und Geldgier erwehren. Von einer "Schande" ist die Rede.

Der sarkastische Begriff "Copa Conquistadores" (Pokal der Eroberer) geisterte durch das empörte Fußball-Argentinien - in Anlehnung an die spanischen Eroberer aus dem 16. Jahrhundert. Die Verlegung des Superfinals nach Madrid bedeute eine wiederholte Erniedrigung.

Nicht das erste Copa-Finale außerhalb Südamerikas: Eigentlich verbieten die Statuten der Copa Libertadores eine Austragung des Finals außerhalb von Südamerika. Doch: Das war bereits dreimal der Fall.

Zwischen 1998 und 2016 durften auch mexikanische Mannschaften, also Teams aus Mittelamerika, an der Copa teilnehmen. Drei Vereine schafften es ins Finale. Sowohl River (2015 gegen Tigres) als auch Boca (2001 gegen Cruz Azul) bestritten also schon einmal ein Copa-Finalspiel außerhalb Südamerikas. In Europa fand ein solches Spiel jedoch noch nie statt.

Wieso hat sich die CONMEBOL für Madrid entschieden? Wieso aber Madrid? Schließlich hatten sich auch Doha (Katar) und Miami (USA) als Austragungsorte angeboten. Für die spanische Hauptstadt sprechen gleich mehrere Gründe.

  • Die Anbindung: Der Flughafen Madrid-Barajas bietet mit seinen vielen Direktflügen nach Argentinien die beste Anbindung.
  • Die Community: Madrid ist die Stadt mit der größten argentinischen Gemeinde außerhalb Argentiniens.
  • Die Sicherheit: Madrid gilt als die zehntsicherste Stadt der Welt. Die Kehrseite der Medaille: Die Polizeigewalt in Spanien ist sehr hoch. Unter anderem zahlreiche BVB-Anhänger bekamen das im Auswärtsspiel beim FC Sevilla 2010 zu spüren.
  • Die Historie: Madrid ist dank der Klubs Atletico und Real eine Stadt mit enormer Fußballtradition, die auch von argentinischen Superstars geprägt wurde: Alfredo Di Stefano, Santiago Solari (aktuell Trainer von Real Madrid), Angel Di Maria, Gonzalo Higuain, Diego Simeone (aktuell Trainer von Atletico), Sergio Agüero und viele mehr spielten bereits in Madrid.

Welche Rolle spielt die Gewalt beim Endspiel in Madrid? Trotz der Verlegung des Spielorts stellen sich die Verantwortungsträger auf ein Hochsicherheitsspiel ein. Die spanische Nationalpolizei rechnet mit rund "500 besonders gewalttätigen Fans". Polizeikommandanten sprachen von der riskantesten Begegnung in der gesamten Geschichte der Stadt.

Ein Interview von River-Präsident Rodolfo D'Onofrio in der Marca verdeutlicht das Gefahrenpotenzial dieses Spiels: "Ich habe Morddrohungen erhalten, ebenso wie meine Familie. Wenn ich mein Handy zeigen würde, würde man wohl 200 bis 300 Drohungen von Boca-Fans darauf finden - nur aus den vergangenen Tagen."

Mit einem Vorgehen gegen die eigenen Ultras würde sich D'Onofrio wohl selbst ins Bein schießen: "Wenn ich vorschlage, dass ich den Klub von diesen Leuten befreien will, handeln sie gegen mich."

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