Fussball

Frenkie de Jong von Ajax im Fokus europäischer Topklubs: Der Kaiser aus Arkel

Von Jonas Rütten
Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam ist heiß begehrt in Europa.
© getty

Der FC Barcelona will ihn, Tottenham will ihn, Real Madrid will ihn angeblich auch. Frenkie de Jong hat sich binnen zwei Jahren auf die Zettel der europäischen Elite-Klubs gespielt. Dabei hatte er zumindest im vergangenen Jahr nicht mal einen Stammplatz. Warum jagt halb Europa einen 21-Jährigen, der kaum mehr als 50 Profispiele auf dem Buckel hat und auch nicht mit Torbeteiligungen glänzt? Am Dienstag läuft de Jong in der Champions League gegen den FC Bayern auf (21 Uhr im LIVETICKER und live auf DAZN).

"Ich will Frenkie de Jong sein." Das Gefühl, das der Sportjournalist Frank Heinen in seiner Kolumne für das Onlinemagazin HP/De Tijd beschrieb, teilen nicht wenige Niederländer in diesen Tagen. "Er erinnert mich an Frank Rijkaard", sagt der Journalist Floris Koekenbier. Andere behaupten, er sei "der neue Johan Cruyff". Es sind Fußballgötter in den Niederlanden, mit denen de Jong aktuell verglichen wird.

Schon jetzt ist er so etwas wie der Heilsbringer des niederländischen Fußballs. Und das, nachdem er erst in der vergangenen Woche sein Nationalmannschafts-Debüt gab. Ausgerechnet an dem Abend, an dem in Wesley Sneijder der letzte große Regisseur seine Karriere in der Elftal beendete.

Ohne Frage ein Fingerzeig für die Zukunft, aber die Fußstapfen Sneijders sollen nicht die Grenze sein. Lediglich zwei Jahre benötigte der zentrale Mittelfeldspieler, um das Interesse der europäischen Klub-Elite zu wecken. Der FC Barcelona soll bereits Gespräche mit De Jong, seinem Management und seinem Vater geführt haben.

Frenkie de Jong von Top-Klubs umworben: Prädikat "unverkäuflich"

Neben den Katalanen bemüht sich halb Europa um die Dienste des Jungen, der immer etwas teilnahmslos und fast schon gelangweilt wirkt. Real Madrid, Tottenham Hotspur, Paris Saint-Germain, ja sogar der BVB wurden als Interessenten von spanischen Medien genannt. Den Berichten zufolge soll Barcelona bereits mit zwei Angeboten im Sommer in Höhe von bis zu 30 Millionen Euro abgeblitzt sein, Real soll indes ein 80-Millionen-Angebot vorbereiten.

Als "unverkäuflich" bezeichnete Ajax-Sportdirektor Marc Overmars das Mittelfeldjuwel, "selbst bei einem komplett verrückten Angebot". Barcelona könne sich wegen Frenkie, der seinen Vertrag erst vor kurzem bis 2022 verlängert hatte, im Januar wieder melden. Doch angesichts der bisherigen Angebote stellte Overmars klar: "So hat Barca keine Chance."

Dabei war de Jong über weite Strecken seiner Zeit bei den Ajax-Profis noch nicht einmal gesetzt. Erst im vergangenen Dezember, als De Jong selbst mehr Spielzeit einforderte, wurde er Teil der Stammelf. Knackpunkt war damals das Ligaspiel gegen Roda Kerkrade, als die Partie zur Pause auf der Kippe stand.

Ajax agierte langsam, uninspiriert und ohne Kreativität. Trainer Marcel Keizer reagierte und brachte seinen Youngster beim Stand von 1:1. 45 Minuten und drei De-Jong-Assists später fuhr Ajax einen 5:1-Kantersieg ein.

Frenkie de Jong als Innenverteidiger bei Ajax: Eine Gefahr für alle

"Jetzt muss er ihn spielen lassen", so die einschlägige Meinung der Ajax-Anhänger, die die Reservistenrolle De Jongs unter Keizer durchaus schon länger missbilligten. Und de Jong spielte - allerdings nicht als Mittelfeld-Regisseur, sondern in der Innenverteidigung.

Mit ihm in der Startelf verlor Ajax bis zu seinem verletzungsbedingten Saisonaus im März (Haarriss im Wadenbein) kein Spiel mehr. "De Jong ist eine bessere Version von Franz Beckenbauer", stellte die niederländische Fußball-Legende Arie Haan angesichts der Auftritte von de Jong fest.

Doch auch kritische Stimmen bezüglich der Positionsinterpretation de Jongs wurden laut. Nachdem Keizer bei Ajax entlassen wurde, stellte Interimslösung Michael Reiziger de Jong ebenfalls in die Innenverteidigung, gab ihm allerdings jegliche Freiheiten in der Vorwärtsbewegung. Das nutzte de Jong und kreierte im Schnitt 2,2 Torchancen pro Spiel - und das als Innenverteidiger.

"Er muss unbedingt zurück ins zentrale Mittelfeld", sagte der niederländische Fußballjournalist Geert Beckers daraufhin gegenüber ESPN: "Im Moment ist er für die eigene Mannschaft ebenso eine Gefahr wie für den Gegner." Erik ten Hag erhörte Beckers. Im Topspiel gegen die PSV vor etwas mehr als einer Woche musste de Jong jedoch in die Innenverteidigung zurückkehren, Ajax verlor mit 0:3.

Frenkie de Jong in der Jugend bei Willem II: Der Lieblingsspieler

Nicht ganz so drastisch wie Beckers, aber ähnlich sieht es auch de Jong selbst, der seine Zeit in der Innenverteidigung als "kurzes Experiment" bezeichnete. Schließlich sei er immer Mittelfeldspieler gewesen und werde es auch bleiben. Das habe sich schon früh angedeutet, behauptet sein Vater John: "Wir haben immer gesehen, dass er viel Talent hat. Als er elf Monate alt war, trat er schon gegen einen Ball und das nicht nur einfach so, sondern sofort gut."

Von einem kleinen Dorfverein im südholländischen Arkel schaffte de Jong schnell den Sprung zu einem renommierten Klub. Als er sieben Jahre alt war, absolvierte er jeweils Probetrainings bei Willem II und Feyenoord Rotterdam. Obwohl alle das Gros seiner Familie Feyenoord-Anhänger war, entschied sich de Jong für einen Wechsel zu Willem II.

Zwar habe er damals noch körperliche Defizite gehabt, doch die kompensierte de Jong durch Spielintelligenz und seine Fähigkeiten am Ball, wie sein U15-Trainer Jos Bogers gegenüber AjaxShowtime bestätigte. "Er war technisch fantastisch und der beste Mittelfeldspieler, mit dem ich je gearbeitet habe", sagt Bogers, der de Jong "eine natürliche Begabung" attestierte.

Frenkie de Jongs Debüt in der Elftal: Das Einfachste von der Welt

Sechs Jahre ist es her, dass Bogers de Jong trainierte. Im Mai 2015 bestand sein ehemaliger Schützling die Feuertaufe in der Eredivisie, als Willem II am 33. Spieltag Den Haag mit 1:0 schlug. Damals war de Jong noch nicht einmal 18 Jahre alt. Seitdem glich die Karriere des Blondschopfs einer Pyrenäen-Etappe bei der Tour de France: stetig und steil bergauf.

Nach der Rückkehr von Daley Blind von Manchester United zu Ajax Amsterdam ist in dieser Saison auch der Weg für de Jong zurück auf seine angestammte Position im Mittelfeld frei. Nicht nur deswegen steht für den niederländischen Fußballjournalisten Justus Dingemanse fest, dass der 21-Jährige nach der Saison "definitiv" wechseln werde.

Das Interesse der europäischen Top-Klubs überrasche ihn indes überhaupt nicht, auch wenn die Statistiken von de Jong bei Ajax (zwei Tore, neun Vorlagen) nicht unbedingt herausragend seien. "Er ist nicht der Typ, der 15 Tore schießt", sagt Dingemanse im Gespräch mit SPOX. De Jong sei vielmehr ein Spieler, der ein Spiel mit seinem Rundumblick lesen könne und keine Angst davor habe, Fehler zu machen.

Frenkie de Jongs Leistungsdaten bei Ajax und Willem II

MannschaftSpieleToreTorvorlagen
Ajax Amsterdam4729
Ajax Amsterdam II46811
Willem II Tilburg3--
Willem II Tilburg II2272

Frenkie de Jong: Heute Dagobert, morgen Kaiser?

"Ich habe ihn bei seinem Nationalmannschaftsdebüt gegen Peru gesehen. Er kam rein und plötzlich drehte sich alles um ihn", erzählt Dingemanse: "Und er tat so, als ob das, was er tut, das Einfachste von der Welt sei." Mit de Jongs Hereinnahme drehten die Niederländer das Spiel und gewann 2:1. De Jong bereitete den Ausgleich durch Memphis Depay vor.

Seinen Marktwert wird er damit nicht verringert haben und auch Arie Haan wird seine Meinung über den Mittelfeldspieler kaum geändert haben. Gut möglich, dass er seinen väterlichen Spitznamen "Dagobert Duck" bald ablegen kann.

Den verlieh ihm John de Jong, weil Frenkie viel Geld verdiene, aber damit "keinen Scheiß" mache und sowieso ohne jegliche Starallüren auskomme. Das werde auch bei einem Wechsel so bleiben. Sollte Haan mit seiner Annahme recht behalten, winkt ohnehin ein andere Beiname. "Kaiser von Arkel" beispielsweise.

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