Fussball

Wie es für Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger in Japan und den USA läuft

Von Christoph Franz
Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger waren über Jahre hinweg wichtige Identifikationsfiguren der deutschen Nationalmannschaft.
© getty

Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger waren über Jahre hinweg wichtige Identifikationsfiguren der deutschen Nationalmannschaft. Nun spielt Poldi in Japan bei Vissel Kobe und Schweini kickt für Chicago Fire in der MLS. Dort kämpfen beide mit landesspezifischen Problemen.

"Es soll nicht überheblich klingen. Aber ein paar Typen fehlten einfach", sagte Lukas Podolski nach dem Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2018. Typen wie Poldi eben. Einer mit Ecken und Kanten. Einer, der auf dem Platz auch einmal etwas Überraschendes macht und daneben als Stimmungskanone fungiert.

Oder einer wie Bastian Schweinsteiger, der sich im Finale 2014 von Nichts zurückschrecken ließ. Der Beginn der Freundschaft zwischen den beiden liegt schon etliche Jahre zurück. 2004 debütierten bei kurz vor der EM in Portugal für das DFB-Team. Dort flog man zwar nach der Vorrunde raus, doch in den kommenden Jahren entwickelten sich beide zu echten Identifikationsfiguren. Der Durchbruch gelang bei der Heim-WM 2006, acht Jahre später krönten sie ihre Karrieren mit dem WM-Titel.

Poldi und Schweini schrieben sich Abschiedsbriefe

Entsprechend opulent gerieten ihre Abschiedsspiele im DFB-Dress. Im August 2016 war es zunächst Schweinsteiger, der vor dem Länderspiel gegen Finnland (2:0) in Mönchengladbach eine tränenreiche Rede hielt. Im März 2017 folgte ihm Podolski, der beim 1:0 gegen England in Dortmund standesgemäß mit seinem starken linken Fuß den sehenswerten Siegtreffer erzielte.

Kurz darauf wechselten beide nach Übersee, Podolski zu Vissel Kobe nach Japan und Schweinsteiger zu Chicago Fire in die USA. Dass darunter ihre Freundschaft leiden könnte, war von Tag eins an unwahrscheinlich.

Erst Recht, wenn man sich die gegenseitigen Abschiedsbriefe der beiden Kumpels vergegenwärtigt: "Mit Deiner positiven Ausstrahlung, Deiner offenen Art und nicht zuletzt dank Deiner unnachahmlichen linken Klebe hast Du nicht nur mich, sondern auch das deutsche, englische und türkische Publikum gleichermaßen begeistert", schrieb Schweini über Poldi.

Der wurde ähnlich emotional: "Lieber Bastian, uns verbindet seit Jahren eine Freundschaft, wie es sie nicht oft gibt im Leben. Als wir uns 2004 kennengelernt haben, merkte ich sofort, dass wir auf einer Wellenlänge schwimmen."

Podolski: Bislang 10 Tore in 30 Partien

Gemeinsam im selben Verein verbrachten die beiden lediglich drei Jahre zwischen 2006 und 2009 beim FC Bayern. Anschließend trennten sich die Wege, weil Podolski in München nicht zurecht kam und er über Köln, Arsenal, Inter und Galatasaray bis nach Japan weiterzog. Schweinsteiger unternahm einen Versuch bei Manchester United, ehe es in die Staaten ging.

Dort betraten beide jeweils neue Welten, die trotz der großen Erfahrung beider Spieler ihre eigenen Schwierigkeiten mit sich bringen. Podolski klagte zu Beginn beispielsweise über das schwüle Wetter: "In den ersten Wochen war es schon extrem. Hier ist es drückend, das schlaucht. Aber ich bin dabei, mich daran zu gewöhnen."

Mittlerweile ist der Akklimatisierungsprozess weitestgehend abgeschlossen. In insgesamt 30 Partien erzielte Podolski bislang zehn Treffer. Kobe hat allerdings nur einen Podolski und dümpelt auch in seiner zweiten Saison in Fernost im Tabellenmittelfeld herum.

Japanische Mentalität stellt Poldi vor Probleme

Besonders problematisch sei für Poldi die japanische Mentalität, die sich auch auf dem Fußballplatz wiederspiegelt. Die Japaner beschreibt er als "zurückhaltend, nett und höflich". Das ist im privaten Bereich sicherlich angenehm, schließlich nahm Poldi seine Familie mit nach Japan.

Beim Kicken jedoch können diese Eigenschaften Probleme bereiten: "Es ist schon irritierend, wenn ich sehe, dass der eine oder andere nicht so richtig in den Zweikampf geht, aus Angst, den Gegner zu verletzten. Es ist hier auch völlig unüblich, mit dem Schiedsrichter zu diskutieren. Auch klare Fehlentscheidungen werden einfach hingenommen", sagte Podolski der Welt am Sonntag.

Diese Eigenheiten positiv zu beeinflussen, dafür ist Podolski neben all den Marketing-relevanten Themen geholt worden - und dafür ernannte man ihn im Februar auch zum Kapitän. "Ich bringe mich hier voll ein und habe den Jungs auch gesagt, dass wir auf dem Platz mal dazwischenhauen müssen und nicht nur nett sein können", sagte Podolski. "Ich werde auch mal laut, grätsche dazwischen, setze Zeichen". Das tat er wohl einmal zu viel, aktuell fällt Podolski mit einem kleinen Mittelfußbruch drei bis vier Wochen aus.

Lukas Podolski: Leistungsdaten bei Vissel Kobe

SaisonEinsätzeToreVorlagen
2017/20181252
2016/20171852
Gesamt30104

Schweinsteigers verrückte Flutlicht-Anekdote

Auch Schweinsteiger hatte auf dem Feld bereits mit amerikanischen Besonderheiten zu kämpfen. Ein Beispiel: Im Auswärtsspiel bei Los Angeles Galaxy kassierte Chicago den Anschlusstreffer zum 1:2. Das Spiel wurde wieder angepfiffen, als plötzlich das Flutlicht flackerte. Der sichtlich verwirrte Schweinsteiger nahm den Ball in der Annahme in die Hand, dass ein Problem mit der Lichtanlage der Grund sei.

Doch der Schiedsrichter entschied stattdessen auf Freistoß für LA, denn diese Art von Lichtshow gehörte zum Jubel über den erzielten Treffer. Schweini konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Man muss sich eben darauf einstellen, dass hier solche Sachen passieren", sagte der 33-Jährige zur Süddeutschen Zeitung.

Doch auch die sportliche Situation ist für den achtfachen Deutschen Meister gewöhnungsbedürftig. Auf dem Platz sieht man Schweinsteiger immer wieder kopfschüttelnd. "Das ist ganz normal, dass nicht alles perfekt läuft. Wenn das so wäre, würden diese Leute nicht hier in Amerika spielen, sondern in der Bundesliga", sagte er.

Schweini: Endlich unerkannt

"Ich werfe aber niemandem was vor, das ist ganz alleine mein Problem", so Schweinsteiger. Immerhin habe die USA andere Vorteile: "Ich kann ohne Mütze und Sonnenbrille auf die Straße gehen. Es ist viel ruhiger hier für mich, ich werde nicht dauernd angesprochen oder um ein Foto oder Autogramm gebeten", sagte er. "Es ist dann schon cool, wenn du in ein Flugzeug steigst und der Passagier neben dir keine Ahnung hat, wer du eigentlich bist."

Seit über einem Jahr spielt er jetzt in den USA. 46 Spiele, sechs Tore und sieben Assists sammelte der Mittelfeldspieler in der Zwischenzeit. Als er kam, musste der Klub eine schwache Saison auf dem letzten Tabellenplatz verkraften, doch mit Schweini erreichte das Team noch die Playoffs.

In der aktuellen Saison tut sich Chicago noch schwer und steht zwei Ränge hinter den Playoff-Plätzen. Nach einer Vertragsverlängerung im Januar ist Schweinsteiger noch bis Ende 2018 an Chicago Fire gebunden.

Bastian Schweinsteiger: Leistungsdaten bei Chicago Fire

SaisonEinsätzeToreVorlagen
2017/20182035
2016/20172632
Gesamt4667

Poldi und Schweini: "Eine ganz besondere Story"

Und so kämpfen die beiden Kumpels in über 10.000 Kilometern Entfernung mit den Begebenheiten ihrer jeweiligen Ligen. Es hindert sie aber nicht daran, ihre innige Freundschaftam Leben zu erhalten. Im März brachte Schweinis Frau Ana Ivanovic einen kleinen Sohn zur Welt. Podolski meldete sich bei Twitter: "Wenn du Tipps brauchst, ruf mich einfach an, +81 ist die Vorwahl für Japan!"

"'Poldi und Schweini', das war eine ganz besondere Story, die es so im deutschen Fußball in dieser Form nicht wieder geben wird", schrieb Podolski damals in seinen Zeilen an Schweinsteiger. Damit könnte Poldi Recht behalten. Schweinsteigers Sohn soll serbischen Medien zufolge übrigens Luka heißen.

 

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung