Sampaoli wünscht sich "Leo", nicht Messi

SID
Freitag, 02.06.2017 | 14:36 Uhr
Jorge Sampaoli und Lionel Messi sind die Hoffnungsträger der Seleccion
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Der neue Hoffnungsträger der argentinischen Seleccion ist ein Irrwisch an der Seitenlinie. Doch das Schicksal von Jorge Sampaoli hängt wie das seiner Vorgänger am Fuß von Lionel Messi.

Argentiniens Sport-TV-Kanal TyC wirbt dieser Tage für seine Übertragung vom Confed Cup in Russland mit Bildern von den letzten Finalniederlagen einer gedemütigten Selección.

Mario Götzes Siegtor bei der WM 2014 und die Elfmeter-Dramen bei den Südamerika-Meisterschaften 2015 und 2016 gegen Chile waren Stiche ins Fußballherz des zweimaligen Weltmeisters. Der Spot schließt ironisch: "Genießt eine Copa, die wir nicht verlieren können." Weil Argentinien nicht dabei ist.

Seit Mittwoch gibt es jedoch einen Hoffnungsträger namens Jorge Luis Sampaoli Moya. Ein markanter Glatzkopf, der wie ein im Käfig eingesperrter Tiger am Spielfeldrand auf und ab läuft. Ein 1,72 Meter kleines Energiepaket mit einer vielsagenden Tätowierung auf dem muskulösen Oberarm: "Ich gehorche und folge nicht, denn vieles, was verboten ist, hält mich am Leben."

Argentiniens Verband zahlt Ablöse an FC Sevilla

Und weil der argentinische Verband AFA niemand anderen als Sampaoli und Sampaoli noch mehr seine Nationalmannschaft wollte, brachte er es nach wochenlangem Hickhack um die von der AFA teuer bezahlte Freigabe von seinem spanischen Arbeitgeber FC Sevilla mit einer weiteren populären Liedzeile auf den Punkt.

"Schön ist es, dem nahe zu sein, das man von weitem bewundert hat", heißt es dort. Für den Adepten des Ex-Nationaltrainers Marcelo Bielsa hat sich ein Lebenstraum erfüllt.

Bei seiner ersten Pressekonferenz wollte alle Welt natürlich wissen, wie er mit Messi umzugehen denke. Als Nationaltrainer Chiles musste er sich schon im Finale der Copa América 2015 aus anderer Sicht der Frage stellen.

Sampaoli will "lustvolleren, glücklicheren" Messi

"Manchmal ist es schwierig, das zu kontrollieren, was man nicht kontrollieren kann", gab Sampaoli aus seiner damaligen Erinnerung zum Besten.

Dann gestand er aber: "Jetzt, wo ich ihn in meinem Team habe, will ich, dass Leo kommt, und nicht Messi. Die lustvollere Version des Weltfußballers, die authentischere, die sich glücklicher fühlt."

Der Superstar des FC Barcelona ist nach der Aufhebung seiner Sperre durch den Weltverband FIFA wegen Beschimpfung eines Linienrichters bei den ausstehenden vier Eliminatorias-Spieltagen dabei.

Lionel Messi als Sieg-Garant

Am 31. August beginnt für den Tabellenfünften der südamerikanischen WM-Qualifikation beim Erzrivalen Uruguay der Endspurt um eines der vier Direkttickets nach Russland bzw. der Umweg zur WM als Fünfter des Kontinents gegen den Ozeanien-Sieger.

Bei Argentiniens sechs Siegen im laufenden Wettbewerb stand Messi fünfmal auf dem Platz, bei acht Spielen ohne ihn gab es nur einen Dreier. Der bald 30-Jährige ist auch bei Sampaolis Debüt am 9. Juni auf dem Australien-Tripp dabei.

Und schon weit vor dem dann anstehenden Duell gegen Erzrivale Brasilien wurde Sampaoli nationalistisch: "Die Selección ist nicht eine Gruppe von Fußballern, sondern es sind 40 Millionen Argentinier."

Weltmeister-Trainer Carlos Bilardo übt Kritik

Doch nicht alle Landsleute drücken dem 57-Jährigen die Daumen. "Wenn Sampaoli der beste Trainer ist, um die Nationalelf zu übernehmen, müssen wir meiner Meinung nach die Trainerschule bei uns schließen und von Neuem anfangen", kritisierte jüngst Carlos Bilardo, der Diego Maradona und Co. 1986 zum WM-Titel führte.

In der Vita des Angegriffenen stehen immerhin die chilenische Meisterschaft und der Copa Sudamericana-Triumph mit Universidad de Chile sowie der Copa-America-Titel mit La Roja.

Und viel schlechter als seine Vorgänger, sechs in den letzten sieben Jahren, kann er es auch nicht machen. Angesichts der anhaltenden Talfahrt der Gauchos, die seit dem Copa-America-Triumph 1993 keinen Titel mehr holten, gilt ein weiteres Tattoo Sampaolis: "Man kann nicht Siege feiern, wenn man nicht die Niederlagen überwindet." Und davon gab es jüngst genug.

Jorge Sampaoli im Steckbrief

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