City Football Group: Manchester, Melbourne und das perfekte Netz

Das Imperium der City Football Group

Von Mario Krischel
Freitag, 30.06.2017 | 08:51 Uhr
Die City Football Group erweitert ihr Imperium nach Manchester, New York und Melbourne
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Die City Football Group hat inzwischen Vereine auf fünf Kontinenten unter ihren Fittichen. Das Aushängeschild in Manchester mit Trainer Pep Guardiola nutzt das unternehmensinterne Transfersystem beinahe schon in Perfektion, denn besonders die Beziehung zur Schwester in Melbourne macht Vergleiche zum Red-Bull-Modell unvermeidbar.

Chalifa bin Zayid Al Nahyan und seine Familie sind das, was der Normalverdiener hierzulande als wohlhabend bezeichnet, vielleicht auch ein bisschen mehr als das. Etwa 60-mal so viel wie Roman Abramovich haben der Präsident und die Herrscherfamilie Abu Dhabis auf ihrem Konto.

Ein winziger Bruchteil davon, etwa 120 Millionen Euro, flossen 2003 in die per Regierungserlass gegründete Fluggesellschaft Etihad Airways, die heute mehr als zehn Milliarden Euro pro Jahr umsetzt und den teuersten Flug der Welt von New York nach Mumbai anbietet. Für umgerechnet 34.000 Euro können Passagiere in "The Residence" während des 19-Stunden-Fluges auf goldenem Porzellan dinieren. Oder ihr Geld woanders sinnvoll investieren.

Chalifas Bruder Mansour bin Zayed Al Nahyan, eines von insgesamt 18 Geschwistern, sammelt als Minister für Präsidentschaftsangelegenheiten und Vorstandsvorsitzender der First Gulf Bank etliche Flugmeilen. Die meisten dafür verwendet er für sein Hobby Manchester City, das vor neun Jahren über Nacht zum reichsten Verein der Welt wurde und inzwischen als Flaggschiff eines Imperiums dient.

2008 übernahm Scheich Mansour den Premier-League-Klub als Gründer der gerade formierten Abu Dhabi United Group für geschätzte 185 Millionen Euro von Thaksin Shinawatra, dem ehemaligen Premierminister Thailands. Der hatte nach einem Jahr den Spaß verloren, war aber ohnehin zu sehr mit seinem eigenen Ruf beschäftigt.

Citys Milliarden-Transfers und Obama auf Kurzwahl

Unter der Leitung des Scheichs, der in den USA Politikwissenschaften studierte und Gerüchten zufolge Ex-US-Präsident Barack Obama auf Kurzwahl gespeichert hat, nahm City einen bekanntermaßen rasanten Anstieg und krönte sich zweimal zum Meister. Ein nicht unwesentlicher Betrag von 1,3 Milliarden Euro floss zwischen dem Sommer 2008 und 2017 in den Kader, 255 Zugängen stehen 245 Abgänge und ein Saldo von 953 Millionen Euro gegenüber.

Für Citys Eigentümer tatsächlich kein großer Krater im Geldbeutel, denn der heute 46-Jährige legte sein Hauptaugenmerk neben den Transferausgaben auf die Infrastruktur des Vereinsgeländes und investierte weiter großzügig.

Hauptsponsor Eithad Airways, ein kleines Spielzeug von Mansours Familie, sicherte sich die Namensrechte für den neuen Campus, der noch immer erweitert wird. Im Gegenzug wurde der Vertrag mit ManCity um zehn Jahre verlängert und das Etihad Stadium großflächig ausgebaut.

Die Marke "Manchester City" expandiert

2012 gesellte sich nach der City Football Academy auch die Frauen-Abteilung der Skyblues dazu, die die ersten vier Jahre nach der Übernahme des Scheichs noch ihr eigenes Ding durchzog. Aus den Manchester City Ladies wurde im Zuge des Rebranding der Manchester City Women's Football Club.

Der erste Wink auf eine baldige Expansion der größer werdenden "Marke" City war noch nicht wirklich erkennbar, immerhin blieb es bis dato beim wöchentlichen First-Class-Flug von Abu Dhabi nach Manchester mit gelegentlichen Stopps in Singapur und London, Niederlassungen der Fist Gulf Bank.

Dann schaltete sich MLS-Comissioner Don Garber ein, der von der emporkommenden Sonne im regnerischen Manchester erfuhr und sich mal vorsichtig an City-CEO Ferran Soriano herantastete. Das Duo kannte sich schon seit Sorianos Tätigkeiten als Vizepräsident des FC Barcelona, als der damalige Versuch, eine MLS-Franchise in Miami zu installieren, krachend gescheitert war.

New York und der Anfang der City Football Group

Diesmal konnte Garber Soriano überzeugen. In Kooperation mit den New York Yankees gründete Manchester City die 20. Franchise der US-Liga. Der New York City Football Club wurde 2013 offiziell vorgestellt und sollte 2015 erstmals an den Start gehen. Die Vereinsfarben gestalteten sich selbstverständlich himmelblau, als Ausrüster stieg Nike ein und Hauptsponsor Etihad übernahm die zu keiner Zeit vakante Stelle auf der vorderen Trikotseite.

Als erster Mitarbeiter des NYCFC kümmerte sich Claudio Reyna, ehemaliger City-, MLS- und US-Nationalspieler, als Sportdirektor um die Zusammenstellung eines Kaders und zog mit Jason Kreis einen jungen Trainer an Land, dessen Dienste nach einer enttäuschenden ersten Spielzeit nicht weiter gefragt waren.

Als Nachfolger wurde Patrick Viera aus der Jugendakademie in Manchester nach New York verfrachtet, um das mit Weltstars wie David Villa, Frank Lampard und Andrea Pirlo aufpolierte Team möglichst schnell zum ersten MLS-Cup-Triumph zu führen.

Die nun multikontinentale Marke "City" erlangte mehr und mehr Aufmerksamkeit und Mansour selbst strebte nach mehr. 2014 gründete er deshalb die City Football Group, eine Holding-Gesellschaft der Abu Dhabi United Group, an der sich im selben Atemzug mit China Media Capital und CITIC Capital zwei chinesische Unternehmen für 300 Millionen Euro mit insgesamt 13 % beteiligten.

Ein globales Netzwerk sollte kreiert werden, um die Kommunikation zwischen den einzelnen Filialen zu verbessern. Geplant war da längst die Übernahme des australischen Fußballklubs Melbourne Heart.

Melbourne und das Villa-Lampard-Dilemma

Vonstatten ging diese im Frühjahr 2014 für umgerechnet 7,5 Millionen Euro und zunächst 80 Prozent des Klubs. Teamname, Wappen und Farben wurden wie üblich umgestaltet. Der Melbourne City Football Club streifte sich zum Ligastart ein hellblaues Gewand mit einer arabischen Fluggesellschaft auf der Brust über.

Zu diesem Zeitpunkt hielt die City Football Group 100 Prozent Anteile am Manchester City Football Club und jeweils 80 Prozent am New York City und Melbourne City Football Club und war auf drei Kontinenten präsent. Im Big Apple hat Yankee Global Enterprises seine 20 Prozent nach wie vor nicht hergegeben, das wird sich wohl erst ändern, wenn der NYCFC seinen eigenen Fußballtempel errichtet und aus dem Yankee Stadium auszieht. Businessleute des Rugby-Klubs Melbourne Storm gaben im August 2015 klein bei, seitdem gehört der MCFC vollständig der City Football Group.

Von den Vorzügen eines weltweit vernetzten Fußballklubs profitierten alle drei recht schnell. Tim Cahil, das Aushängeschild des australischen Fußballs, kehrte China für Melbourne den Rücken. David Villa schloss sich dem NYCFC an, Frank Lampard ebenso. Beide hatten nur das Problem, dass die Saison in der Major League Soccer erst im März 2015 starten sollte, bis dahin brauchten sie Spielpraxis.

Also wurde die City Football Group (CFG) kreativ und schickte Villa zunächst nach Melbourne, wo er von zehn anvisierten Spielen nur vier absolvierte. Chelsea-Urgestein Lampard durfte gar nochmal Premier-League-Luft atmen und stellte seine Fähigkeiten ausgerechnet gegen die alte Liebe unter Beweis. Später gesellte sich jeder wieder zurück zu seinem eigentlichen Klub.

Seite 1: Die Anfänge der City Football Group und die Milliarden-Grenze

Seite 2: Yokohama, Montevideo und das Red-Bull-Modell

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