Fussball

Die ungewisse Zukunft des Joe Hart

Von Christina Stelzl
Die Zukunft von Joe Hart ist weiter ungewiss

Von Pep Guardiola bei Manchester City aussortiert, steht der englische Nationaltorhüter Joe Hart derzeit auf Leihbasis beim FC Turin unter Vertrag. Wohin der Weg im Sommer 2017 von Joe Hart führt, ist ungewiss. Eine Rückkehr zu den Citizens scheint aber ausgeschlossen.

Europameisterschaft 2016 in Frankreich, Achtelfinale Island gegen England. Islands Kolbeinn Sigthorsson bekommt am Sechzehner den Ball, dringt in den Strafraum ein und zieht ab. Das Leder findet unter großer Mithilfe von Englands Torhüter Joe Hart den Weg ins Tor. 2:1 für Island - die Sensation ist perfekt, die No-Names aus Island schießen die Three Lions nach Hause.

Es ist nicht der erste öffentlichkeitswirksame Patzer in Harts Karriere. Auch bei der EM war es nicht die einzige Situation, in der er mehr als unglücklich aussah. Neu-City Trainer Pep Guardiola beobachtete das mit Argwohn. Umso schwerer fiel für den Katalanen jedoch etwas anderes ins Gewicht: Seine Meinung nach bringt Hart zu schwache fußballerische Qualitäten mit. Pep degradierte die jahrelange Nummer eins zu Saisonbeginn auf die Bank.

"Joe hat Qualitäten. Und mit der nötigen Zeit kann er das auch lernen", so der Ex-Bayern Coach. Zu dieser Lernphase kam es für den 29-Jährigen bei ManCity aber nicht mehr. Noch vor Transferschluss verließ Joe Hart die Insel und wechselte leihweise zum FC Turin in die Serie A.

Leihvertrag läuft am 30. Juni aus

Beim piemontesischen Klub Turin steht der englische Nationaltorhüter seit dem dritten Spieltag zwischen den Pfosten und ist die unangefochtene Nummer eins. Und dies trotz weiterer Slapstick-Einlagen des 29-Jährigen.

Man erinnere sich an seinen Fehlgriff gleich in seinem ersten Spiel in Italien oder an das Patzer-Festival zuletzt gegen Inter. Ansonsten überzeugt der britische Schlussmann aber mit guten Leistungen und hat gehörigen Anteil am soliden Mittelfeldplatz der Turiner.

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Die Entscheidung, sich dem kleinen FC Turin anzuschließen, bereut er nicht. Im Gegenteil: Er ist "sehr dankbar, dass sie ihm die Möglichkeit gegeben haben", so der 29-Jährige gegenüber Soccer Saturday. Auch Klubpräsident Urbano Cairo bestätigt die gute Beziehung: "Wir haben ein großartiges Verhältnis zu ihm".

Im Juni läuft der Leihvertrag beim italienischen Erstligisten aus. Wie es mit ihm weiter geht, steht bislang in den Sternen. Geht es nach dem Präsidenten des Klubs, soll Hart den Turinern langfristig erhalten bleiben: "Joe könnte über den Sommer hinaus in Turin bleiben. Wir arbeiten daran".

Allerdings weiß Cairo auch, dass "viel von City abhängt". Weiter fügt er an, dass noch nichts entschieden sei: "Wenn seine Leihe ausläuft, werden wir mit Manchester City und ihm reden und sehen, wie die Konditionen aussehen".

Hart auch im Fokus anderer Premier League Klubs

Der größte Haken an einer weiteren Beziehung zwischen dem in Shrewsbury geborenen Profi und den Turinern ist das Geld. Sollte Hart bei Turin bleiben, müsste er wohl auf einen Großteil seines Gehaltes verzichten, das Medienberichten zu Folge aktuell bei 6 Millionen Euro pro Jahr liegt.

Der englische Schlussmann steht auch bei anderen Premier-League-Klubs im Fokus. So zeigt neben dem FC Chelsea und dem FC Liverpool auch West Ham United Interesse am 29-Jährigen. Die Hammers würden, glaubt man den Berichten der englischen Tageszeitung The Sun, rund 15 Millionen Euro auf den Tisch legen.

Allerdings: Die Citizens betonten, den Keeper nicht innerhalb der Premier League verkaufen zu wollen. Für Teams aus dem Ausland liegt die Forderung angeblich bei 12 Millionen Euro., Ligakonkurrenten müssten demnach das doppelte bezahlen.

Rückkehr zu ManCity nahezu ausgeschlossen

Eines steht im ganzen Transferchaos um Englands Nummer eins aber so gut wie fest: Eine Rückkehr zu ManCity wird es nicht geben. Der Torhüter geht davon aus, nie mehr für die Citizens aufzulaufen. Das Verhältnis zwischen Guardiola und Hart ist seit seinem unwürdigen Abgang im Sommer zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Leihe nach Turin sei in seinen Augen nicht geschehen, "um zu schauen, ob ich mich verbessere, sondern weil man mich nicht mehr wollte", so Hart gegenüber Soccer Saturday. Weiter fügt der englische Nationalkeeper an: "Ich kam wegen der EM nach den anderen Spielern beim Verein an. Als wir zum ersten Mal miteinander gesprochen haben, sagte er mir, dass er Vorbehalte mir gegenüber habe."

Keeper-Ederson vor Verpflichtung bei ManCity

Zudem sieht sich der 29-Jährige bei den Citizens als "überflüssig" an. Allem Anschein nach nicht zu Unrecht, denn bei City scheint kein Platz mehr zu sein. Sportdirektor Txiki Begiristain und Benfica-Präsident Luis Filipe Vieira haben sich laut dem portugiesischen Record bereits über einen Wechsel von Benfica-Keeper Ederson im Sommer geeinigt.

Mit diesem Transfer will City die T-Frage klären. Die Frage, die zuletzt zum Problem wurde. Claudio Bravo, der als Hart-Ersatz vom FC Barcelona verpflichtet wurde, überzeugte nämlich mitnichten.

Seine Bilanz ist desaströs. In seinen 25 Spielen für das Team von Pep Guardiola war 13 Mal der erste Schuss aufs Tor drin. Seit Februar 2017 steht nun wieder der 34-jährige Ersatztorhüter Willy Caballero zwischen den Pfosten. Konstanz im Kasten sieht anders aus.

"Es gibt nichts, was ich am italienischen Fußball nicht mag"

Dennoch ist Hart keine Option. Diesem stehen laut seinem Berater Jonathan Barnett aber ohnehin mehrere Optionen offen, schließlich sei "Joe einer der besten Torhüter der Welt".

Derzeit deutet vieles auf einen Verbleib in Italien hin: "Ich bin den Fans sehr dankbar für alles. Es gibt nichts, was ich am italienischen Fußball nicht mag. Ich mag die Fans, die Trainer, die Serie A und die italienische Fußballkultur. Alles ist super."

Joe Hart im Steckbrief

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