FIFA stockt die Zahl der WM-Teilnehmer auf

Warum 64 Teams besser wären

Von SPOX
Dienstag, 10.01.2017 | 20:09 Uhr
Darf's ein bisschen mehr sein, Gianni? 64 Teams wären die Lösung
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Die FIFA erweitert das Teilnehmerfeld von Fußball-Weltmeisterschaften ab 2026 auf 48 Mannschaften. Die Reaktionen in Deutschland fallen erwartungsgemäß negativ aus, dabei hätte der Weltverband noch einen Schritt weiter gehen und 64 Teilnehmer zulassen sollen. Dann hätten alle Parteien zufrieden sein müssen.

Der Aufschrei war groß, die Reaktionen vorhersehbar. Sie reichten von idiotisch bis furchtbar. Es gab keinen deutschen Fußball-Funktionär, der der WM-Reform etwas Positives abgewinnen konnte. In anderen Ländern Europas wie England, Spanien oder Frankreich, die gerne als Fußball-Großmächte bezeichnet werden, ist die Stimmung nicht viel anders.

Ein Vorwurf: Der Wettbewerb wird verwässert. Ein zweiter Vorwurf: Die Spieler sind eh schon an der Belastungsgrenze. Ein dritter Vorwurf: Die FIFA verfällt endgültig dem Kommerz.

Verbände wie der DFB sollten aber auch mal die Frage stellen, ob sie wirklich in der Position sind, als große Moralapostel aufzutreten. Immerhin hat sich der DFB für eine FIFA-Präsidentschaft von Gianni Infantino ausgesprochen, obwohl klar war, was der Schweizer vorhat und wie sein ehemaliger Boss Michel Platini in der UEFA seine Regentschaft am Laufen hielt. Versprechen an die Kleinen sowie Zugang zu den Turnieren und Geldtöpfen der Großen waren ein erwartbares Mittel.

Gegen Gewinnmaximierung haben sie an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt ohnehin nur wenige Argumente, wenn man bedenkt, dass die eigene Nationalmannschaft nur noch unter einem marketinggetriebenen Phantasienamen vor jede Kamera gezerrt wird.

Ebenso unsinnig ist der Reflex der ECA, der Vereinigung der europäischen Spitzenvereine. Die Belastung der Spieler wird auch im neuen Format nicht zunehmen, noch immer sind es maximal sieben Spiele, um am Ende den WM-Pokal in die Höhe zu stemmen. Also: Nichts Substantielles, dafür lautes Gebell.

Das alles heißt nicht, dass eine WM mit 48 Mannschaften aufgeteilt in 16 Dreiergruppen die optimale Lösung ist. Sie ist eher nur ein halb-mutiger Zwischenschritt auf dem Weg zu einer echten Reform, des ohnehin angestaubten WM-Modus.

Wie die SPOX-Redaktion in einer konspirativen Redaktionssitzung ausgetüftelt hat, wäre eine Weltmeisterschaft mit 64 Teams ohne Gruppenphase wirklich ein großer Schritt für die fußballverrückte Welt, gegen den sich kein einziger der Kritiker wehren könnte. Die Beweislage ist erdrückend.

Ein Vorteil: Es wären noch mehr Teams an der WM beteiligt (Jubel bei der FIFA und den kleinen Nationen). Ein zweiter Vorteil: Mehr Spannung, weil die Gruppenphase, in der von drei Teams nach Infantino-Plan künftig zwei weiterkommen, endlich wegfällt und im K.o.-Modus sowieso eher die Post abgeht - Der Pokal hat seine eigenen Gesetze (Jubel bei den Fans). Ein dritter Vorteil: Es sind nur sechs Spiele bis zum WM-Titel (Jubel bei der ECA). Und der vierte Vorteil: Es bleibt bei insgesamt 64 Spielen, sodass das Turnier nicht so extrem aufgebläht werden würde und die FIFA ein Zeichen gegen die Raffgier abgeben könnte (Jubel bei allen).

Und jetzt die entscheidende Frage: Wie würde so eine WM in der 1. Runde aussehen?

Modus: Hier haben wir uns beim Tennis bedient und bei einem 64er-Starterfeld 16 Mannschaften gesetzt. Die Setzliste ergibt sich aus der FIFA-Weltrangliste, die dann auch endlich einen Sinn ergeben würde.

Weil uns weder die FIFA noch die UEFA ihre Auslosungscomputer zur Verfügung stellen wollten, haben wir bei der Auslosung auf weiteren Schnickschnack verzichtet. Teams aus dem gleichen Kontinent können also sofort in der ersten Runde aufeinandertreffen.

Teilnehmer: In Anbetracht der aktuellen Verteilung und der erwartbaren Erweiterung des Teilnehmerfelds durch Teams aus Afrika, Asien und Amerika, hat sich folgende Verteilung ergeben:

Europa: 20 Teilnehmer

Afrika: 14

Asien: 10

Südamerika: 10

Nord-Mittelamerika/Karibik: 7

Ozeanien: 2

Gastgeber: 1

Auch hier haben wir uns aus Gründen der Einfachheit an der Weltrangliste orientiert. Heißt also: die aktuell 20 besten europäischen Teams haben es ins Teilnehmerfeld geschafft usw.

Gastgeber: Nach den WMs in Russland und Katar gelten die USA als heißer Kandidat auf die Ausrichtung, zumal die Amis genügend Stadien hätten. Deshalb haben wir uns auch für die Vereinigten Staaten als Gastgeberland entschieden.

Und wie sieht das Turnier aus? Einfach auf das Bild klicken:

App-Nutzer, hier entlang!

SPOX-Einschätzung: Durch die Setzliste bleiben die brutalen Kracher in der 1. Runde aus, wobei das Highlight sicher Spanien gegen die Türkei ist. Aber auch USA-Island und England-Ecuador hätten ihren Reiz. Auf der anderen Seite gibt es auch die Exoten-Kicks Curacao gegen Katar und Benin gegen Tahiti. Aber ist das wirklich so schlimm? Alle Ja-Sager sollten sich zur Strafe nochmal das Vorrundenmatch zwischen Griechenland und Japan bei der WM 2014 reinziehen. Deutschland hatte mit Usbekistan Losglück.

In Runde zwei nimmt das Turnier schon ordentlich Fahrt auf. Die Niederlande könnten beispielsweise Chile fordern, während Argentinien gegen Mexiko ran müsste und die Italiener auf die USA treffen könnten. Deutschland hätte es mit Marokko oder Ägypten zu tun.

Achtelfinale on the rocks, gefällig?

  • Argentinien-Polen
  • Spanien-Frankreich
  • Deutschland-England
  • Schweiz-Kolumbien
  • Brasilien-Kroatien
  • Uruguay-Portugal
  • Chile-Italien
  • Wales-Belgien

Ordentlich knackig für die dritte Runde, oder? Da würden dann auch die Gegner der Bläh-WM mit den Ohren schlackern und sich die langweilige Gruppenphase wieder wünschen.

Ab hier kann sich jeder seine Wunschbegegnungen selbst zusammenstellen. Wir finden's auf jeden Fall geil!

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