Mittwoch, 02.11.2016

Futsal: Premiere in Hamburg

Futsal-Team weckt erste zarte EM-Hoffnungen

Die ersten beiden Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft in Hamburg gegen England waren ein bescheidener, aber auch hoffnungsvoller Anfang. Mittelfristig soll eine Bundesliga mit professionellen Strukturen die sportliche Entwicklung der Hallenfußballer vorantreiben.

Dass läppische 16 Sekunden an der perfekten Premiere der deutschen Futsal-Nationalmannschaft in Hamburg fehlten, war für Paul Schomann überhaupt kein Problem. "Ein Sieg und ein Unentschieden gegen England sind eine ganz tolle Sache. Viel wichtiger aber ist, dass wir taktisch mithalten konnten und phasenweise sogar schon überlegen waren", sagte der DFB-Trainer.

Erst 5:3, dann 3:3 - daran gemessen, dass die Gäste schon seit zwölf Jahren im internationalen Futsal-Geschäft mitmischen, zwei sehr respektable Ergebnisse. Doch der 65 Jahre alte Coach weiß genau, dass weitere sportliche Fortschritte seiner Schützlinge mit strukturellen Reformen einhergehen müssen.

"Brauchen einen soliden Klassenaufbau"

"Wir brauchen einen soliden Klassenaufbau und so schnell wie möglich eine Bundesliga", formulierte der Coach seine Wünsche. Derzeit werden seine Akteure in diversen Regionalligen zu selten regelmäßig gefordert. Schomann ist schon froh, dass man sich mittlerweile einmal im Monat zu einem DFB-Lehrgang treffen kann.

Aber solche eher seltenen Zusammenkünfte werden nicht reichen, um sich zumindest im europäischen Futsal sukzessive nach vorne zu arbeiten. DFB-Präsident Reinhard Grindel realistisch: "Wir wissen, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben und dass uns andere Nationen im Futsal noch einiges voraushaben."

"Wollen Weg zum Profitum freimachen"

Und so sieht Mannschaftskapitän Timo Heinze, der am Sonntag das historisch bedeutsame allererste Tor für die Gastgeber erzielte, sein Team in der Rolle des Vorkämpfers für zukünftige deutsche Futsal-Generationen. "Wir wollen den Weg zum Profitum freimachen, auch wenn wir selbst es wohl nicht mehr mitbekommen, vom Futsal leben zu können", sagte der 30-Jährige, der einst zusammen mit Mats Hummels und Philipp Lahm beim Bayern-Nachwuchs kickte.

Wo der deutsche Futsal aktuell wirklich steht, wird sich herausstellen, wenn die Schomann-Truppe im Januar 2017 in Riga gegen Gastgeber Lettland, Estland und Armenien die erste Vor-Qualifikation zur EM-Endrunde 2018 in Slowenien bestreitet. Nur der Gruppensieger erreicht die zweite Runde, entsprechend knifflig ist die erste Pflichtaufgabe der Hallenfußballer.

Was für Schomanns Kollegen Joachim Löw und dessen Weltmeister auf dem Rasen ein Spaziergang wäre, könnte für die jüngste DFB-Nationalmannschaft schon die Endstation sein. Entsprechend vorsichtig formuliert der Münsterländer seine Prognose: "Wir könnten bis dahin auf Augenhöhe sein. Und dann können wir auch jedes Spiel gewinnen."

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