"Heute kann ich Favre besser verstehen"

Samstag, 29.10.2016 | 17:50 Uhr
Amin Younes spielt derzeit bei Ajax Amsterdam
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Lange galt Amin Younes als eines der größten Talente aus dem Fohlenstall, allerdings konnte sich der 23-Jährige bei Borussia Mönchengladbach nicht dauerhaft durchsetzen. Nach einem Intermezzo beim 1. FC Kaiserslautern wechselte Younes zu Ajax Amsterdam. Ein Gespräch über die Gründe für den Wechsel in die Eredivisie, sein Verhältnis zu Lucien Favre und ehrenamtliches Engagement.

SPOX: Herr Younes, Sie waren 14 Jahre bei Gladbach und wurden im Fohlenstall ausgebildet. Was bedeutet Ihnen die Borussia?

Amin Younes: Gladbach nimmt einen großen Platz in meinem Herzen ein, weil mich der Verein sowohl spielerisch als auch menschlich geprägt hat. Ich hatte eine unglaublich tolle Zeit dort und sehe es als Privileg, dass mich der Verein großgezogen hat. Umso glücklicher bin ich darüber, dass ich meine ersten Schritte in der Bundesliga im Fohlen-Trikot gemacht habe.

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SPOX: In Ihrer Zeit als Gladbach-Profi hieß Ihr Trainer immer Lucien Favre. Obwohl er früh von Ihnen schwärmte, konnten Sie sich nicht langfristig durchsetzen. Kamen die überschwänglichen Lobeshymnen zu früh?

Younes: In dieser Phase war es wichtig, dass mir jemand sagt, worin ich mich verbessern muss. Diesen Part hat bei mir auch Horst Hrubesch übernommen, weil er nicht nur gelobt, sondern auch draufgehauen hat. Das hat mir extrem geholfen. Auch Favre ist ein hervorragender Trainer und ich habe extrem viel von ihm gelernt.

SPOX: Favre wird nachgesagt, Spieler individuell weiter zu entwickeln. Wie haben Sie die Arbeit mit ihm erlebt?

Younes: Ich bin immer mit einem Lächeln ins Training gegangen, weil wir so gut wie alles mit dem Ball gemacht haben und immer Spaß hatten.

SPOX: Favre war nicht dafür bekannt, am laufenden Band junge Talente nach oben zu ziehen. Wie haben Sie als Top-Talent den Umgang mit ihm erlebt?

Younes: Das war teilweise schon schwierig, weil er immer gesagt hat: "Geduld, Geduld und deine Zeit kommt." Favre hatte eine gute Absicht, aber ich habe das als junger Spieler nicht wirklich verstanden, weil ich mich immer voll reingehängt und trotzdem kaum gespielt habe. Heute kann ich Favre besser verstehen. Er wollte die jungen Spieler auf den richtigen Moment vorbereiten.

SPOX: War das vielleicht sogar gewinnbringend, weil Sie nicht verheizt wurden oder empfanden Sie das als hinderlich?

Younes: Vielleicht sah es in diesem Moment schlecht aus, aber ich will immer das Positive aus jeder Erfahrung herausziehen. Es war eine tolle Zeit und ich mache weder Favre noch Max Eberl oder sonst wem einen Vorwurf. Am Ende bin ich dafür verantwortlich.

SPOX: In der Saison 2013/14 standen Sie kein einziges Mal in der Startelf. Wie bleibt man da als Spieler optimistisch?

Younes: Das war sehr belastend. Ich liebe Fußball, ich liebe es, darüber zu sprechen und ich liebe es zu spielen - für mich geht es rund um die Uhr um Fußball. Umso schwieriger ist es, wenn man nicht auf dem Platz steht. In dieser Zeit hat mir meine Familie und mein Glaube dabei geholfen, die Motivation hoch zu halten. Wenn ich damals nicht weitergearbeitet hätte, wäre ich heute nicht bei Ajax.

SPOX: Bevor Sie nach Amsterdam wechselten, spielten Sie auf Leihbasis beim 1. FC Kaiserslautern in der 2. Liga. Wie schwierig war die Umstellung?

Younes: In Lautern habe ich nicht nur wegen der härteren Gangart eine schwierige Zeit erlebt. Viele Spieler waren nur zur Leihe dort und wollten danach wieder zurück, es gab kein richtiges Teamgefüge. Aber durch dieses Jahr bin ich härter, selbstständiger und reifer geworden.

SPOX: Nach dem Ende der Leihe verließen Sie Gladbach endgültig. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, Ihren Jugendverein zu verlassen?

Younes: Es war eine schwierige Entscheidung, aber letztlich fiel sie mir einfacher als erwartet und ich bin froh, dass alles reibungslos über die Bühne ging. Ajax hilft mir dabei, Gladbach nicht zu sehr zu vermissen.

SPOX: Warum fiel die Wahl auf Amsterdam?

Younes: Es gab Angebote aus Deutschland, sowohl aus der 1. als auch 2. Bundesliga. Aus dem Ausland gab es auch aus Portugal und Italien Angebote, aber als ich von Ajax gehört habe, bin ich aus den Latschen gekippt. Beim Training habe ich manchmal das Gefühl, dass ich Fußball neu lerne. Ich bin ein Instinkt-Fußballer und sowohl die Mentalität als auch die Spielweise hier sind wie eine Wohlfühloase. Ich bin Gott dankbar dafür, dass mich mein Weg hierhin geführt hat.

Seite 1: Younes über Gladbach, sein Verhältnis zu Favre und den Wechsel zu Ajax

Seite 2: Younes über seine Ernährungsumstellung, Hrubesch und ehrenamtliches Engagement

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