Angthong-Trainer Reiner Maurer im Interview

"Ismaik ist kein Fußball-Fachmann"

Dienstag, 24.05.2016 | 19:51 Uhr
Reiner Maurer trainierte einst 1860 München und diverse griechische Vereine
© getty
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Coachen, wo andere Urlaub machen: Seit einem halben Jahr trainiert Ex-Löwe Reiner Maurer den thailändischen Zweitligisten Angthong FC. Ein Gespräch über hitzebestimmte Trainingszeiten und überlegene Legionäre, über bayerische Kaltgetränke, seinen Ex-Klub 1860 München und dessen Investor Hasan Ismaik.

SPOX: Herr Maurer, Sie sind seit Ende vergangenen Jahres Trainer bei Angthong FC. Wie kommt man zu einem Job in der zweiten thailändischen Liga?

Reiner Maurer: Ich habe mich schon länger für den Fußball in Südostasien interessiert. Als mir während eines Singapur-Aufenthalts ein Agent vom Interesse eines Vereins in Thailand erzählt und mich gefragt hat, ob ich mir nicht vielleicht mal ein Spiel anschauen möchte, bin ich die 2,5 Stunden von Singapur nach Bangkok geflogen und dann mit dem Auto noch eine gute Stunde weiter nach Angthong gefahren. Ich habe mich nach dem Spiel mit den Vereinsvertretern unterhalten und sie wollten mich gleich dabehalten - dann haben wir das fixiert. Ich sehe mein Engagement als eine spannende Herausforderung.

SPOX: Was reizt Sie denn an der Tätigkeit?

Maurer: Es ist mal etwas ganz was anderes und auf jeden Fall interessant, in so einem exotischen Land zu arbeiten. Ich sehe hier großes Entwicklungspotential und möchte mithelfen, das weiter zu entwickeln. Der Stellenwert des Fußballsports hat hier in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, überall laufen Spiele im Fernsehen.

SPOX: Sehen Sie Ihre Tätigkeit als ein langfristiges Engagement?

Maurer: Mein aktueller Vertrag läuft zum Saisonende, also im Oktober aus. Ich habe aber auch eine Klausel, die mir einen früheren Ausstieg erlaubt. Das war mir wichtig, weil ich gar nicht abschätzen konnte, wie sich hier alles entwickelt, wie mir das Leben und die Arbeit gefallen.

SPOX: Und wie lautet Ihr erstes Zwischenfazit?

Maurer: Bisher lief es ganz gut.

SPOX: Wo liegen die Unterschiede zum Trainer-Alltag in Europa?

Maurer: Prinzipiell ist das Trainer-Leben hier nicht groß anders als in europäischen Ländern. Meine Spieler sind Vollprofis, wir können also ganz normal - wie in Deutschland - sieben bis neun Mal die Woche trainieren. Aber natürlich früher am Morgen und später am Abend, weil es zu Mittag normalerweise um die 40 Grad Celsius hat. Dazwischen befasse ich mich immer intensiv mit dem kommenden Gegner, von dem wir auch Video-Analysen machen. In dieser Hinsicht arbeiten wir sehr professionell.

SPOX: Die Sprachbarriere dürfte allgemein gesehen auch problematisch sein.

Maurer: Wie bei meiner Tätigkeit in der griechischen Liga (OFI Kreta, AO Kavala, AS Rhodos, Skoda Xanthi, d. Red.) habe ich auch hier einen Co-Trainer, der die Liga kennt und meine Anweisungen übersetzt. Einige Spieler sprechen immerhin englisch, aber die Sprache ist schon eine Barriere.

SPOX: Wie würden Sie das Niveau der Liga einordnen?

Maurer: Das ist natürlich sehr schwierig zu beurteilen - vor allem weil das Leistungsgefälle innerhalb der Mannschaften hoch ist. Hier ist es so, dass alle ausländischen Spieler klar besser sind als die einheimischen, die insbesondere im taktischen und physischen Bereich akuten Aufholbedarf haben. Man darf drei beliebige und einen weiteren asiatischen Ausländer aufstellen. Unsere Mannschaft würde ich in Deutschland auf Regionalliga-Niveau einschätzen.

SPOX: Wie läuft es für Ihr Team sportlich?

Maurer: Wir stehen aktuell nach 10 Spieltagen mit 18 Punkten auf dem dritten Tabellenplatz. Mein persönliches Ziel ist, dass wir am Ende der Saison aufsteigen (die ersten drei Teams steigen auf, d. Red.); die Vorgabe des Vereins ist, dass wir unter den ersten acht landen.

SPOX: Fehlt da vielleicht ein wenig der Wettkampfgedanke?

Maurer: Die Mentalität ist schon eine andere, die Herangehensweise ist sehr konträr zu der in Deutschland und Mitteleuropa. Wenn man etwas kritisiert, sollte man das in einem positiven Stil verpacken, um an die Spieler ranzukommen - ansonsten versperren sie sich etwas.

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