Druck durch Panama Papers auf FIFA-Boss

Infantino: "Darstellung eine Schande"

SID
Sonntag, 10.04.2016 | 18:04 Uhr
Gianni Infantino hat die UEFA-Vorgehensweise bei der Vergabe von TV-Rechten verteidigt
© getty
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Der durch die sogenannten Panama Papers unter Druck geratene FIFA-Präsident Gianni Infantino (46) hat die UEFA-Vorgehensweise bei der Vergabe von TV-Rechten verteidigt. "Der ganze Vorgang war korrekt und ist gut dokumentiert", sagte der vor sechs Wochen neu gewählte Boss des Fußball-Weltverbandes dem Kicker.

"Die Darstellung ist einfach eine Schande", entrüstet sich Infantino, der als UEFA-Funktionär seine Unterschrift unter Fernsehrechte zur Champions League gesetzt hatte.

"Meine Unterschrift steht unter 1000 Verträgen. Die Agentur Team Marketing hat das höchste von nur zwei eingegangenen Angeboten für diese Nebenrechte für einen Vertragsabschluss empfohlen. Der Vertrag wurde dann von Team Marketing im Detail ausgehandelt und von zwei UEFA-Divisionen geprüft, ehe dieser dann gemäß Standardprozedere zwei UEFA-Direktoren zur Unterschrift vorgelegt wurde. In diesem Fall war ich einer der zwei Direktoren, es hätte aber je nach Verfügbarkeit auch zwei andere Direktoren treffen können. Wenn nach Vertragsabschluss der Rechteerwerber damit unlautere Geschäfte gemacht haben sollte, hatten weder die UEFA noch ich persönlich darauf Einfluss."

Der 46-Jährige ist sicher, dass, "wenn alle Dinge auf dem Tisch liegen", seine Position als neuer Mann an der FIFA-Spitze "gestärkt" sein wird. Infantino weist auch die Kritik zurück, er trete nicht genügend für Reformen bei der FIFA ein. "Für mich hat es absolute Priorität, die Reformen umzusetzen, an deren Gestaltung ich sehr aktiv beteiligt war."

"Fußball ein globaler Sport"

Große Bedeutung misst er der Einbindung externer Experten in die Führungsarbeit des Verbandes bei. "In den Kommissionen werden seriöse und solide Persönlichkeiten mitwirken." Für wichtig erachtet er zudem, dass künftig weder der Präsident noch die 36 Mitglieder des neuen "Councils" über Verträge und Verteilung von Geldern entscheiden. "Dies war übrigens mein Vorschlag in der Reformkommission."

Festhalten will Infantino an seinen Plänen, das WM-Teilnehmerfeld ab 2026 aufzustocken. "Fußball ist ein globaler Sport. Da muss man die Welt noch stärker einbeziehen. Die Qualität ist auch in kleineren Fußballnationen vorhanden", sagt Infantino, der darauf verweist, dass "Italien und England bei der letzten Weltmeisterschaft von Costa Rica bezwungen wurden".

"Videobeweis auch von Fans gefordert"

Die Aufstockung der EURO dient ihm dabei als Vorbild. "In Europa hat sich die Aufstockung der Europameisterschaft auf 24 Nationen in meinen Augen schon heute bewährt - die Qualifikation für Frankreich verlief sehr spannend", sagt Infantino, der zudem die Entscheidung des International Board in Cardiff, den Videobeweis zum Test zuzulassen, begrüßt.

"Der Videobeweis ist auch von den Fans gefordert worden. Wir starten die Tests sicherlich mit Freundschaftsspielen auch der Nationalteams, danach auch in den Ligen."

Die Kritik an den vielen Ausnahmen bei der Abschaffung der Dreifachbestrafung weist Infantino zurück: "Nach Cardiff wurde nicht zurückgerudert. Wenn ein Spieler im Kampf um den Ball ein Foul begeht, gibt es die Rote Karte nicht mehr." Davon würden vor allem die Torhüter profitieren.

Infantino sieht überdies die Möglichkeit zu einer revolutionären Neuerung und hält es für möglich, dass Schiedsrichterinnen in Zukunft Länderspiele der Männer leiten. "Der Weg ist offen, die Qualität entscheidet immer. Ich würde es mir sehr wünschen."

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