"Ich wollte einfach mal weg"

Mittwoch, 02.03.2016 | 12:00 Uhr
Gianluca Gaudino ging vom FC Bayern nach St. Gallen, Sinan Kurt wechselte zur Hertha nach Berlin
© getty
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Gianluca Gaudino kam als Achtjähriger zum FC Bayern und schafft es bis zu den Profis. Als die Einsätze ausblieben, ließ sich der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler nach St. Gallen in die Schweiz ausleihen. Im Interview spricht er über die schwierige Zeit beim FC Bayern, erklärt, warum es die Talente dort so schwer haben - und was er von der Kritik von Holger Badstuber hält.

SPOX: Gianluca Gaudino, bei Ihrer Vorstellung in St. Gallen haben Sie erzählt, dass Sie in der Schweiz als Kind das Gehen gelernt haben, woraufhin der St. Gallener Pressesprecher sagte, dass Ihnen Trainer Joe Zinnbauer nun das Fliegen beibringen wird. Wie verlaufen bisher die Flugstunden?

Gianluca Gaudino: (lacht) Alles verläuft bisher ziemlich gut. Das Einleben, das Training, das Zusammenspiel mit der Mannschaft, auch wenn wir bei meinem Debüt gleich mal verloren haben. Wobei wir ganz gut gespielt hatten. Dennoch kann ich bisher nur Positives berichten.

SPOX: Sie sind seit rund einem Monat in der Schweiz. Haben Sie sich in der neuen Heimat eingelebt?

Gaudino: Ja, das ging eigentlich relativ schnell. Ich war schon ein paar Mal in der Stadt und meine Wohnung ist auch schon eingerichtet. Ich bin schnell heimisch geworden.

SPOX: In der Stadt leben rund 75.000 Menschen, ganz St. Gallen würde also in die Allianz Arena passen. War das ein Kulturschock oder genießen Sie die Idylle?

Gaudino: Nein, es war kein Kulturschock. Ich muss zugeben, dass ich manchmal nach einem Training, wenn ich alleine in der Wohnung sitze und etwas gegessen habe, an meine Freunde in München denken muss. Dann schießen einem Gedanken in den Kopf, dass ich jetzt mit dem einen oder anderen etwas unternommen hätte. Auf der anderen Seite genieße ich die Rahmenbedingungen in St. Gallen und wenn ich hier ein paar Leute kennengelernt habe, wird es nicht anders als in München sein.

SPOX: Die Distanz ist ja nicht so groß, wenn Sie mal die Sehnsucht packt.

Gaudino: Ich hatte schon die Gelegenheit, auch mal wieder in München vorbeizuschauen. Ich musste ja auch noch ein paar Sachen abholen.

SPOX: Wie man hört, haben Sie eine Wohnung in der Jugendakademie des Klubs bezogen. Warum?

Gaudino: Das haben wir gemeinsam mit dem Klub so entschieden - und es ist perfekt. Ich kann zu Fuß zum Stadion und zum Trainingsgelände. Ich bin nicht nach St. Gallen gekommen, um ein Haus am See zu haben, sondern um Fußball zu spielen und das zu tun, was mir am meisten Spaß macht. Ich bin eh die meiste Zeit auf dem Fußballplatz.

SPOX: Der Klub erhofft sich durch ihre Anwesenheit in der Akademie, dass Sie sich abends auch mal mit den Jugendspielern austauschen. Gab es dazu schon Gelegenheit?

Gaudino: Wir sitzen oft beim Essen zusammen. Wir gucken dabei aber mehr Fußball, als dass wir reden. (lacht)

SPOX: Kochen Sie selbst?

Gaudino: Die Möglichkeit gibt es, aber die Hausmutter, die für uns zur Verfügung steht, macht richtig leckeres Essen. Da fühlt man sich schon manchmal an die Zeit im "Junior-Team" des FC Bayern erinnert.

SPOX: Sie sind in St. Gallen nicht mehr der Jugendspieler, sondern werden als gestandener Leistungsträger gehandelt. Bei Ihrer Vorstellung waren zahlreiche Medienvertreter dabei, Sie wurden als "Coup" gefeiert. War das nötig als nächster Karriereschritt?

Gaudino: Auf jeden Fall! Es war wichtig, eine neue Aufgabe anzunehmen und zu bewerkstelligen, dass ich anders gesehen werde. Ich wollte nicht mehr Fußball spielen, ohne mir Gedanken machen zu müssen, sondern einen gewissen Druck haben, Leistung bringen zu müssen. Das ist wichtig für meine Entwicklung. Ob ich letztlich wirklich gestandener Leistungsträger werde, liegt an mir.

SPOX: Joe Zinnbauer sagt, der Fokus liege darauf, Sie in St. Gallen zum "Mann" zu machen. Was meint er damit?

Gaudino: Ich muss körperlich noch reifen. Dazu muss ich lernen, wie ich eine Mannschaft führen kann. Auch verbal. Ich muss Dominanz zeigen.

Seite 1: Gaudino über St. Gallen, Flugstunden und Heimweh

Seite 2: Gaudino über den Alaba/Lahm-Effekt, Guardiola und Joshua Kimmich

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