Fussball

FIFA: Kommt Strippenzieher Salman?

SID
Für Michel Platini wird die Zeit nicht reichen, ein guter Plan B ist nicht in Sicht
© getty

Der Machtkampf um den wichtigsten Job im Weltfußball nimmt Fahrt auf. Nachdem der suspendierte UEFA-Boss Michel Platini fast chancenlos noch auf Vergebung hofft, will offenbar der mächtige Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa seinen Hut in den Ring werfen. Auf einen Schlag gäbe es dann wieder einen klaren Favoriten.

Laut der Nachrichtenagentur AFP plant der Präsident der asiatischen Konföderation (AFC), am Wochenende seine Bewerbung zum Weltverband FIFA nach Zürich zu schicken. Die Frist dafür endet am 26. Oktober, gewählt wird vier Monate später am 26. Februar 2016. An Scheich Salman (49), einflussreicher Strippenzieher in Asien, würde Stand jetzt kaum ein Weg vorbei führen.

"Nur zusammen können wir diese schwierigen Zeiten überstehen", hatte der Adlige aus Bahrain in der vergangenen Woche gesagt. Er war einer der ersten, der eine außerordentliche Krisensitzung des FIFA-Exekutivkomitees forderte. Diese findet nun am 20. Oktober (Dienstag) in Zürich statt - im Machtzirkel des Weltverbands können hinter verschlossenen Türen die entscheidenden Absprachen getroffen werden. Solche Gespräche hatte der Scheich, der den noch mächtigeren Strippenzieher Ahmad al Fahad al Sabah (Kuwait) im Rücken hat, allerdings bislang verneint.

Kein Gedanke an Präsidentenamt

"Ich habe die Spekulationen in den Medien zur Kenntnis genommen, laut denen auch mein Name gefallen ist", hatte der AFC-Boss am 2. Oktober mitgeteilt: "Zwar bedanke ich mich für das Vertrauen in meine Fähigkeiten - aber der Gedanke, 2016 ein Kandidat für die Wahl des FIFA-Präsidenten zu sein, kam mir nicht in den Sinn." Als Vizepräsident wolle er den Fußball "schützen", in Asien gebe es zudem eine Menge zu tun. Meinungen aber können sich ändern - siehe Platini, der jahrelang gezögert hatte.

Derzeit steuert der Weltverband auf ein gefährliches Machtvakuum zu. Die Bewerber für die Wahl sind aufgrund der 90-Tage-Sperre gegen Platini kaum mehrheitsfähig. Der jordanische Prinz Ali bin al Hussein (39) verlor im Mai trotz oder wegen der großen Unterstützung aus Europa gegen Blatter und dürfte nur wenige neue Freunde gefunden haben, ebenso wie Brasiliens Idol Zico (63). Und Platini? Der UEFA-Boss kämpft mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Aufhebung seiner Suspendierung - dafür wird die Zeit aber zu knapp.

Am Donnerstag forderten die Verbände der Europäischen Fußball-Union (UEFA) geschlossen eine schnelle Aufklärung bis "spätestens Mitte November 2015" und sicherten ihre Unterstützung zu. Am Freitag war das alles schon nicht mehr viel wert: Die englische FA rückte vom Franzosen ab, sie werde die Kandidatur Platinis nicht mehr fördern, hieß es in einer Stellungnahme aus London.

Rummenigge meldet sich zu Wort

Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, derzeit eine Art Beisitzer im UEFA-Exekutivkomitee hielt dagegen. "Europa steht im Fußball mit eins plus da, und das trägt seinen Namen. In diesen schwierigen Zeiten muss man ihm die Chance geben, dass er seinen juristischen Weg zu Ende geht und hoffen, dass er seinen Namen wieder reinwaschen kann", sagte er. Von Platinis Anwälten sei "glaubwürdig vermittelt worden", dass die dubiose Zwei-Millionen-Franken-Zahlung von Blatter an Platini "nicht das ist, was vielleicht der eine oder andere in der Öffentlichkeit glaubt. Es handelt sich absolut nicht um eine Korruptionszahlung."

Dass Scheich Salman antreten könnte, ist aber ebenfalls ein klares Zeichen gegen Platini. Der Adlige war einer der großen Unterstützer des Franzosen, normalerweise hätte Platini mit vielen, vielen Stimmen aus Asien rechnen können. Für die UEFA-Verbände ist der Scheich hingegen nicht die schlechteste Lösung - er war schließlich Platinis Verbündeter.

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