Blitzlichter aus Europa

"Die F***e deiner Mutter"

Von Oliver Birkner / Frank Oschwald
Montag, 26.10.2015 | 18:29 Uhr
Nicht nur Trainer, sondern auch Dolmetscher: Luis Enrique bei Javier Mascherano
© getty
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Vulgär ging's zu an diesem Wochenende in Europa. So hat Mascherano vor seiner Roten Karte zu viel argentinischen Slang verwendet. Mourinho war derweil das Opfer bei der Verbannung des Special One auf die Tribüne. Ach ja, in Italien hat der Exorzist das Sagen - aber das wussten wir ja schon länger. Die Blitzlichter aus Europa erst Recht.

Serie A

Von Oliver Birkner

Exorzist des Spieltags: Jetzt, da Silvio Berlusconi einmal in Fahrt ist, ist er kaum noch zu stoppen. "Wenn ich das Team nicht auf Vordermann bringe, hilft wohl bloß noch ein Exorzist", hatte Sinisa Mihajlovic, vierter Milan-Coach seit Anfang 2014, sinniert. Also bitte, lächelte Silvio, der Exorzist stecke doch in ihm höchstpersönlich, und überhaupt: "Ich bin für jede Lebenslage der richtige Mann." Daran besteht kein Zweifel. Leicht verkühlt wirkte er trotzdem ob der zuletzt anonymen Auftritte seines Milan und ließ durchblicken, Bilanzausgleich und Transfers hätten im Sommer 150 Millionen Euro gekostet, da müsse mehr kommen: "Sieger dürfen reden, Verlierer haben den Mund zu halten."

Diese Devise gab er seinen Angestellten vor der Partie gegen Sassuolo mit auf den Weg, freilich mit taktischen Schlauheiten gewürzt: "Einigen habe ich fußballerische Grundlagen erörtert." Prompt siegte Milan über das dezimierte Sassuolo mit etwas Mühe 2:1, der Exorzist hatte folglich ganze Arbeit geleistet und den Rotschwarzen fürs Erste den verteufelten Dämon des Rasendilettantismus ausgetrieben. Um einen lästigen Poltergeist muss er sich demnächst allerdings noch kümmern: Mit seinen jungen 21 gelang Domenico Berardi bereits das achte Tor gegen Milan.

Die treuesten Tifosi ließen sich nicht so flugs überzeugen. Die Kurve streikte und füllte den freien Raum mit Plakaten wie "Presidente, Sie haben 150 Millionen Gründe, den zu entlassen, der Geld für Gurken verpulvert" oder "Mihajlovic, ein Offizier der großen Worte, auf dem Platz ändert sich rein gar nichts". Während der Partie sangen sie ironisch "Wir holen die Meisterschaft". Exorzist, bitte übernehmen Sie.

Terrorist des Spieltags: Florenz und die Abtrünnigen, das ist so eine Sache. Das bekam Nicola Berti nach dem Wechsel zu Inter bei seiner ersten Rückkehr ins Stadio Franchi per Pfeiforgie zu spüren, die man wohl bis Mailand vernahm. Berti wurde nach 30 Minuten völlig aufgelöst von Giovanni Trapattoni ausgewechselt. Roberto Baggio transferierte man (übrigens gegen seinen Willen) zum florentinischen Antichristen Juventus, und auch der "Göttliche Zopf" bekam beim ersten Wiedersehen Saures.

Die Atmosphäre schlug jedoch um, als sich Baggio weigerte, einen Elfmeter zu schießen und später einen Fiorentina-Schal mit feuchten Augen ans Herz drückte, dem ihn ein Fan zugeworfen hatte. Urplötzlich rauschte ein Beifallssturm durch die Arena - Baggio und der Schal, das Bild kennt in Florenz jedes Kind. Die Viola-Idole Gabriel Batistuta (Roma) und Manuel Rui Costa (Milan) vergossen Tränen und kamen glimpflich davon. Anders als Riccardo Montolivo, den man am liebsten aus dem Stadion geprügelt hätte - vor allem nach seinem Tor für Milan. Ähnlich erging es nun Mohamed Salah, über den vor dem Duell "Verräter" und "Terrorist" noch als sanfteste Attribute kursierten.

Nach sechs Minuten traf der "Messi Ägyptens" zur Führung und erhielt nur einmal Applaus, als er kurz vor Schluss vom Platz gestellt wurde. Schals flogen nicht, Tränen flossen keine, Salah siegte 2:1 und wird Florenz weiter beschäftigen. Laut Klubführung war seine einseitig gekündigte Ausleihe bis 2016 vertragswidrig, der Spielervertreter pocht auf eine deutliche Klausel. Die Fiorentina klagte bei der FIFA, doch die hat momentan sicher andere Ungereimtheiten zu bearbeiten.

Und sonst? Perplex stand das Team von Carpi vor wenigen Tagen zum geplanten Training vor einem verschlossenen Stadion in Modena. Das ist wegen zu geringer Kapazität der eigenen Arena für diese Saison gemietet. Modenas Präsident verweigerte den Zutritt und hatte alle Tore zusperren lassen, da angeblich seit Monaten Zahlungen ausstünden. Die wären überwiesen, seien aber wegen Modenas Schulden direkt eingezogen worden, reagierte Carpi. Das Duell gegen Bologna fand durch gerichtliche Anordnung letztlich regulär im Stadio Braglia statt, doch der Zwist findet indes wohl vor Gericht eine Fortsetzung.

Serie A: Übernehmen Sie, Herr Exorzist!

Premier League: Xi, Aguero und die Schwabbelbacke

Primera Division: Die F***e deiner Mutter

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