Gerammelt voll dank Tinder

Von Oliver Birkner / Frank Oschwald
Montag, 19.10.2015 | 14:25 Uhr
Im Madrider Vorort sind die Ränge nur selten gut besetzt
© Youtube Getafe CF
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In Spanien nimmt die Arbeit am Fan-Nachwuchs interessante Züge an, der Weltfußballer freut sich etwas gezwungen über ein Geschenk. Der Engländer an sich feiert noch immer Jürgen Klopp, während die Italiener rund um Silvio Berlusconi Probleme mit ihren Trainern haben.

Serie A

Von Oliver Birkner

Gift des Spieltags: Es wurde auch wieder Zeit, dass sich Silvio Berlusconi zu Wort meldete. Nach dem gruseligen Saisonstart bat der Milan-Patron Manager Adriano Galliani und Coach Sinisa Mihajlovic vergangene Woche zum Abendessen, bei dem womöglich nicht nur über Kulinarisches parliert wurde. "Ich hätte beide problemlos vergiften können, habe es mir aber nochmal anders überlegt", erzählte Berlusconi grinsend. Eventuell behielt er die Option für eine kostengünstige Trennung in der Zukunft im Hinterkopf. Da ihm die Auftritte seines Milan trotz 90 Millionen Euro Transferausgaben deutlich missfielen, hätte er Mihajlovic kurz in die Mengenlehre des Calcio eingeführt und über Spielsysteme doziert.

"Ich bin mir sicher, bald eine andere taktische Aufstellung zu sehen, damit der AC wieder zum Chef auf dem Platz wird", resümierte Berlusconi später den Gourmet-Gipfel. Darüberhinaus soll er einigen Profis Video-Lehrstunden von Bayern und Barcelona vorgeführt haben. Mihajlovic reagierte unbeeindruckt: "Das war nichts Dramatisches im Gegensatz zu Serbien, wo ich nach herben Niederlagen ordentlich eins auf die Mütze riskierte. Ich bin kein Ja-Sager - Personal und Taktik entscheide ausschließlich ich."

Mit diesem Glauben scheiterten schon einige seiner Vorgänger. Zaccheroni wurde zum "dilettantischen Schneider für edlen Stoff" (entlassen 2001), Silvio verklickerte Ancelotti "Ich will zwei Stürmer - das ist kein Wunsch, sondern eine Order" (Abgang 2009), Allegri avancierte zum Amateur, der einen "Scheiß von Taktik kapiert" (entlassen 2014), Seedorf murkste allzu sehr herum (entlassen 2014) und Inzaghi hörte nie auf die exquisiten Anregungen von Silvio (entlassen 2015). Am Samstag kickte sich der AC zu einem mäßigen 1:1 bei Torino und sollte die Misere fortlaufen, könnte demnächst ein letztes Abendmahl anstehen.

Bankdirektor des Spieltags: Entgegen dem noch weit verbreiteten Stereotypen Serie A bedeute überwiegend Catenaccio lieferten exemplarisch Napoli und die Fiorentina ein großartiges Spektakel, das 2:1 an Neapel ging. Den Siegtreffer schoss Gonzalo Higuain, der nun in 114 Einsätzen imposante 60 Tore bilanziert. Tempo, hohes Pressing und viel feine Technik war auch den Trainer-Philosophien geschuldet.

Napolis Maurizio Sarri zum Beispiel. Ein einstiger Bankdirektor in der Toskana, Schweiz, Luxemburg und London, der nach der Arbeit Kreisliga trainierte. 2002 wechselte er mit 43 komplett auf die Fußballbank und arbeitete sich einziger Proficoach Italiens von der Kreisklasse über jede einzelne Liga in die Beletage hoch, wo er als Debütant mit Empoli für spielerische Furore sorgte.

"Manche Kollegen denken immer noch, es wäre eine Todsünde, dass ich vorher einen anderen Job hatte. Ich spielte selbst und trainiere schon seit Ewigkeiten, ich bin sicher nicht zufällig hier gelandet", sagte Sarri. "Ich entschied mich für einen Beruf, den ich aus Leidenschaft auch gratis ausüben würde." Macht er zwar nicht, man nimmt es dem angenehm unaufgeregten Menschen allerdings ab.

Und sonst? Einige Spruchbänder fielen an diesem Wochenende besonders auf. Beim Derby d'Italia zwischen Inter und Juventus rollte die Mailänder Kurve zwei riesige Choreographien aus. Zunächst: "6. Juni, Berlin: Fast hättet ihr es geschafft" - darauf folgten drei abgebildete enttäuschte Panzerknacker unter einer Juve-Decke und der Rat: "Träumt weiter...".

Inter gelang bisher als einzigem italienischen Klub das Triple, Juve schrammte in der letzten Saison knapp vorbei. Weiter südlich wunderten sich die Touristen in Rom sicher über das enorme Spruchband vor dem Kolosseum: "500 Mal ein einziges Trikot, Daniele De Rossi ewige Treue!" Der 32-jährige de Rossi absolvierte am Samstag sein 500. Pflichtspiel für die Roma, in Gelbrot spielt er trotz diverser Angebote ununterbrochen seit er 16 ist. Sein Leitsatz: "Ich holte zwar nicht viele Titel hier, bereue jedoch einzig, dass ich der Roma nur eine Karriere schenken kann." An manchen Tagen ist Pathos durchaus erlaubt.

Serie A: Berlusconi nimmt das Zepter in die Hand

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