Fussball

Vom Schutzpatron Heiliges Arschglück

Von Oliver Birkner / Frank Oschwald
Hoch die Hände, Wochenende! Samp-Präsi Ferrero fand's jetzt nicht so geil
© getty

Meine Güte, was war denn in Europa wieder los? Sampdoria-Präsident Ferrero verteilt keine Küsschen und Balotelli wird bei Milan zur Kuh. In England haben Fußballer keine Chancen gegen die wirklich wichtigen Menschen und Mou wurde verhext. Abschließend stellt CR7 auf der iberischen Halbinsel fest, dass er zwischenzeitlich unehelich gezeugt wurde.

Serie A

Von Oliver Birkner

Kuh des Spieltags: Auf ins San Siro, in dieser Festung wird seit kurzem stets Champagner-Fußball geboten. Letzte Woche siegte Florenz 4:1 bei Inter, am Sonntag berauschte sich Napoli zu einem 4:0 gegen Milan. Auch die AC-Tifosi zeigten sich euphorisch, bescherten ihren Manager mit "Grazie Galliani!"-Chören und machten sich Mitte der zweiten Hälfte auf den Heimweg. Adriano Galliani hatte unter der Woche noch seine Angestellten per Brandrede ins Achtung gestellt und die Präsentation der kostspieligen Kronjuwelen gefordert: "Ihr müsst jetzt die Eier rausholen. Wo sind die 90 Millionen Euro, die Milan auf dem Mercato ausgegeben hat?" Auf den Konten anderer. Man muss freilich vor Napoli den Hut ziehen, das dank überragender Virtuosen wie zum Beispiel Gonzalo Higuain oder Lorenzo Insigne erneut eine pyrotechnische Show abzog. Milan sollte sich indes nicht grämen, denn Mut machte der globale Experte David Beckham. Zwischen lukrativen Sponsorenterminen in Dubai verriet der Engländer: "Ich hoffe, Milan holt in dieser Saison nach langer Zeit wieder die Champions League. Das wäre fantastisch." Fantastisch fänden es die Rossoneri ebenso, wenn sie überhaupt unter den Teilnehmern stünden. Nun ja, fragen wir Beckham 2016/17 noch einmal. Silvio Berlusconi bleibt von der Qualifikation zur nächsten Königsklasse überzeugt und Mario Balotelli wird es schon richten. Laut Ex-Milanista und "Genie" Dejan Savicevic hält "Super Mario" das AC-Schicksal in der Hand: "Er kann den Unterschied ausmachen, aber auch alles ruinieren. Wie wir in Montenegro sagen: Er ist wie eine Kuh, die 20 Liter Milch gibt, und dann mit einem Tritt alles verschüttet." Also, Obacht auf deine Hufklauen, Muhrio.

11:1 des Spieltags: Für einen Moment schien es, als hätte Inter José Mourinho zurückgeholt. Letztlich war es doch Roberto Mancini, der vor dem Duell bei Sampdoria zum Rundumschlag ausholte. "Ich höre von Taktik, Dreier- oder Viererkette, dabei wissen die meisten überhaupt nicht, was das genau bedeutet. Unfassbar, dass jemand tatsächlich denkt, Spiele würden durch ein bestimmtes System entschieden oder ob drei, vier, fünf Leute in der Abwehr stehen", schnaubte der 50-Jährige. Ex-Profis würden unkontrolliert auf den Sendern herumschwafeln und überhaupt sei jeder in Italien nach eigener Auffassung ein hochbegabter Trainer. "Akribische Analysen kennen unsere Kritiker doch gar nicht." Bis auf das völlig absurde Resultat, das durch Episoden entschieden wurde, habe er beim 1:4 gegen Florenz die beste Saisonleistung seines Teams gesehen, erzählte er abschließend. Diese bizarre Aussage verleitete zur Vermutung, auch Mancini besitze bei akribischen Analysen einige Schwierigkeiten. Das Spielchen führte sich nach dem 1:1 in Genua fort, wo Inter 75 Minuten lang steril und tumb auf Ballbesitz pochte und bei Sampdorias flinken Kontern mehrfach Glück hatte. Zum Beispiel, als Joaquin Correa aus drei Metern am völlig leeren Tor vorbeischob. "Wir hätten 2:1 gewinnen müssen. Und wer meine Aussagen anstößig findet, versteht nichts von Fußball", befand Mancinis Sachkompetenz. Mag sein, dass ihm zuletzt zur Seelenmassage vollkommen andere Partien eingespielt werden. Samp-Präsident Massimo Ferrero sprach: "Inter wurde heute vom Schutzpatron Heiliges Arschglück begünstigt. Wir hätten 11:1 gewinnen müssen." Eben alles eine Frage der Perspektive - und natürlich des Fußballverstandes.

Und sonst? Rätselraten gab es um einen Tweet vom offiziellen Account des italienischen Regierungssitzes. "Aldo Serena TorinoJuventusInterMilan" zwitscherte es am Wochenende in Richtung aller Abonnenten. Kurz zuvor hatte die italienische Sportschau die Quizfrage gestellt, welcher Profi vier Derbys mit vier verschiedenen Klubs bestritt. Ein dickes Lob an die Regierung in puncto Kenntnis in Fußball-Geschichte. Man hätte vermutet, sie besitzt aktuell durchaus dringlichere Punkte auf der Tagesordnung. Quatsch, Wochenende ist Calcio, der Rest muss sich gedulden.

Serie A: "Vom Schutzpatron Heiliges Arschglück begünstigt"

Premier League: Tod und Hass, Jon Snow!

Primera Division: "Ich weiß. Ich war ein Bastard."

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