Blitzlichter aus Europa

"He'll eat your Labrador"

Von Oliver Birkner / Frank Oschwald
Montag, 21.09.2015 | 22:25 Uhr
Isst vermeintlich auch mal einen Labrador: Heung-Min Son
© getty
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In England rätselt man über Heung-Min Sons kulinarische Orientierung, während Andros Townsend Stress mit seiner Liebsten hat. Totti verweist den Papst auf Rang zwei der wichtigsten Francescos und Granadas Coach wütet im Bernabeu, während HW17 die besten Fans der Primera Division zum Pfeifen bringt.

Serie A

Von Oliver Birkner

Yacht des Spieltags: Inmitten von entwaffnender Schönheit und beißenden Problemen weiß Neapel stets krachend seine Feste zu zelebrieren. Da gab es beispielsweise den Mai 1987 der ersten Meisterschaft. Ein Happening, als wäre es die Geburt des ersten Sohnes, ein Kind mit Millionen von Eltern. Am Sonntag um 18:30 Uhr erschien bereits die Montagsausgabe des "Giornale di Napoli" mit der einzigen fetten Zeile: "Der Titel gehört uns!" Warum bis zum nächsten Morgen warten, wenn es eh keine weiteren erwähnenswerten Nachrichten zu vermelden gab? Auf die Friedhofsmauer kritzelte jemand "Habt ihr was verpasst!". Ein fünfstöckiges Haus wurde komplett mit einer überdimensionale Maradona-Figur bemalt - bis auf ein Fensterchen an seinem Herzen. Am Tag nach dem entscheidenden Titel-Punkt wurden alle Pennäler der Stadt kurz vor ihren Schulen vorstellig, um sich gleich wieder in die Stadtfete zu stürzen. Lediglich die Schule Pagano vermeldete einen Schüler (von 1465), der pflichtgemäß auf seinem Klassenstuhl saß. Der Direktor jagte ihn zur Tür hinaus. Die ausgelassene Stadtsause zog sich über eine Woche durch die Gassen.

Zum aktuellen Saisonbeginn gab es jedoch wenig zu feiern. "Der neue Coach Maurizio Sarri passt nicht zu Napoli. Die Spielweise macht mir Angst - so landet Napoli nicht mal im Tabellenmittelfeld", malte der neapolitanische Halbgott Diego Maradona aus dem fernen Dubai ein Schreckensszenario für seine weiterhin ergebenen Jünger. "Mich ehrt bereits, dass Maradona mich überhaupt kennt", antwortete Sarri und seine Elf katapultierte binnen vier Tagen Brügge und Lazio per 5:0 aus dem Stadio San Paolo. Nun durfte wieder erleichtert gefeiert werden, und zwar mit Spezialeffekten des Filmproduzenten und SSC-Präsidenten Aurelio De Laurentiis. Dessen neue Yacht ging in der Bucht von Neapel in meterhohe Flammen auf. Zu Schaden kam niemand - Besatzung und Passagiere befanden sich sicher freudetrunken im Stadion.

Fahrkarte des Spieltags: Es war keine Szene für die Archivsammlung Fußball-Ästhetik. Den Ball gar nicht richtig getroffen, dazu noch im Abseits, doch der Treffer zählte. So blinkte im Stadio Olimpico am Sonntag kurz nach halb vier eine riesige 300 auf der Anzeigetafel. Francesco Totti hatte gegen Sassuolo soeben im 745. Pflichtspiel sein 300. Karrieretor für die Roma erzielt - 7.686 Tage nach seinem Debüt-Treffer 1994 gegen Foggia. Der Enthusiasmus hielt sich allerdings in Grenzen. "Ist eine nette Zahl, doch ich hätte lieber gewonnen", murmelte der ewige Capitano nach dem 2:2. In die löbliche Bescheidenheit grätschte indes der römische Nahverkehr. Zu Tottis 39. Geburtstag kommenden Sonntag werden 500.000 Bus- und U-Bahn-Fahrscheine mit vier verschiedenen Motiven seines Konterfeis erscheinen. Diese Ehre erhielt bislang lediglich der aktuelle Papst. In Rom gibt es jedoch keine zwei Meinungen, wer der bedeutendere Francesco ist. Also bitte.

Und sonst? Ärger gibt es derzeit in Frosinone. Nicht unbedingt, weil der Aufsteiger nach vier Partien null Punkte bilanziert. Den Rüffel erteilten Bürgermeister und Polizeichef, da sich die beiden Heimpartien im Baukasten Stadio Matusa (Fassungsvermögen 10.000 Zuschauer) zahlreiche Leute von den angrenzenden Häusern gratis ansahen. Manch Balkon wirkte mit über 30 Tifosi doch recht wackelig, gut für die Gesundheit, dass Frosinone wenig Anlass zu hüpfenden Feierorgien gab. Ein Terrassen-Verbot erteilten die Ordnungshüter noch nicht, lediglich den Appell zu "gesundem Menschenverstand". Kommenden Montagabend wird sich das Problem zunächst von selbst lösen. Beim ewig jungen Klassiker Frosinone gegen Empoli dürfen die Balkons sicher unbeschwert durchschnaufen.

Serie A: Der bedeutendere Francesco

Premier League: "He'll eat your Labrador"

Primera Division: HW17. Nuff said.

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