Viele Fragen offen

SID
Dienstag, 21.07.2015 | 15:46 Uhr
Der Termin für die Wahl des Nachfolgers von Sepp Blatter steht nun fest
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Der Termin für die Wahl des Nachfolgers von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter steht nach wochenlangem Hin und Her nun endlich fest - doch ansonsten bleiben auf dem Weg aus der tiefen Krise des Weltverbandes viele Fragezeichen. Noch hat sich kein hochkarätiger Kandidat aus der Deckung gewagt, der sich das schwere Erbe antun mag. Auch UEFA-Präsident Michel Platini, der trotz seiner zweifelhaften Verbindungen zu Katar als Favorit gehandelt wird, hält sich weiterhin bedeckt.

Doch nun macht Liga-Präsident Reinhard Rauball Druck. Es sei "unumgänglich, dass sich potenzielle Nachfolger für das Amt des FIFA-Präsidenten unter Verzicht auf Taktiererei eindeutig und zeitnah bekennen. Das gilt auch für Michel Platini", sagte Rauball am Dienstag in aller Deutlichkeit.

Platini hatte am Montag wieder einmal Raum für reichlich Spekulationen gelassen. "Wir können uns auf eine neue Führung freuen, die sicher neue Ideen und neue Lösungen mitbringen wird", sagte der 60 Jahre alte Franzose. Laut der Nachrichtenagentur AFP will Platini seine Entscheidung im Verlauf der kommenden beiden Wochen bekannt geben. Er müsse abwägen, so sein Sprecher Pedro Pinto, zwischen seiner "Liebe" zur UEFA und dem Ruf der FIFA.

Adidas spricht sich für Platini aus

Es soll sich aber bereits eine Mehrheit auf Platini verständigt haben. Angeblich wird er von vier (Europa, Südamerika, Nord- und Mittelamerika sowie Ozeanien) der sechs Konföderationen unterstützt. Auch Großsponsor adidas hatte sich zuletzt bereits klar für Platini ausgesprochen. Die Aussichten seien momentan "gut, dass man Mehrheiten bekommt", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach vor der nun für den 26. Februar 2016 terminierten außerordentlichen Wahl des neuen FIFA-Bosses.

Die französische Sporttageszeitung L'Equipe berichtete am Dienstag, dass aktuell 144 der 209 Stimmen auf Platini entfallen würden. Darin enthalten seien auch Stimmen aus Asien. Platini soll dem Bericht zufolge am Samstag zur Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen nach St. Petersburg reisen, um dort schon Wahlkampf zu betreiben.

Niersbach als neuer UEFA-Chef gehandelt

Eine Kandidatur Platinis hätte weitreichende Folgen - wohl auch für den DFB. Niersbach wird in diesem Fall als Platini-Nachfolger und neuer Chef der UEFA gehandelt. Der 64-Jährige, auch Mitglied der FIFA-Exekutive, hatte zuletzt ein 10-Punkte-Programm für tiefgreifende Veränderungen im Fußball vorgelegt und damit viel Respekt geerntet. Niersbach wollte dies aber keineswegs als Wahlprogramm verstanden wissen.

"Es ehrt mich schon, wenn der eigene Name fällt. Aber Stand heute bin ich kein Kandidat. Ob sich daran etwas ändert, wird sich zeigen", sagte Niersbach am Montag über eine mögliche Zukunft an der UEFA-Spitze. Eine Absage sieht anders aus, eine klare Positionierung auch.

Noch halten sich öffentlich alle bedeckt, wenn es um Blatters belasteten Thron geht - bis auf ein paar nicht ernstzunehmende Kandidaten wie die brasilianische Legende Zico oder Argentiniens einstiger Weltstar Diego Maradona, dessen Vorpreschen eher als PR-Gag zu verstehen war. Auch dem liberischen Verbandspräsidenten Musa Bility, der unlängst seine Kandidatur angekündigt hatte, werden keine Chancen eingeräumt.

Al Sabah soll Bach geholfen haben

Ahmad al Fahad al Sabah wäre da ein ganz anderes Kaliber. Der Scheich aus Kuwait gilt als einflussreichster Strippenzieher im Sport. Der 51-Jährige, seit Mai in der FIFA-Exekutive, ist speziell in Asien, aber auch in Afrika, dem Kontinent mit den meisten Stimmen, sehr gut vernetzt. Al Sabah soll auch Thomas Bach an die Spitze des IOC verholfen haben. UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino hatte Gerüchte über einen Deal al Sabahs mit Platini zuletzt schon zurückgewiesen. Beide würden allenfalls "Gespräche" führen, sagte er.

Wie auch immer: Der künftige Chef im höchsten Amt des Weltfußballs hat eine Menge Arbeit vor sich, um die Glaubwürdigkeit der FIFA wieder einigermaßen herzustellen. Allerdings gilt auch Platini durch Vorwürfe der Vetternwirtschaft in Bezug auf Katar 2022 als belastet. "Für einen wirklichen Neuanfang ist Platini sicher nicht der Richtige", ließ Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Bundestag-Sportausschusses, bereits verlauten. Für Niersbach ist der Franzose dagegen "natürlich ein geeigneter Kandidat".

Noch hat aber Blatter, der am 2. Juni im Zuge des Korruptionsskandals bei der FIFA seinen Rückzug angekündigt hat, das Sagen. Der 79-Jährige will nun die dringend benötigten Reformen einleiten. Laut Niersbach ist "Eile geboten. Die Gesamtsituation der FIFA ist nach wie vor kritisch."

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