Sonntag, 01.02.2015

Mark Uth im Porträt

Auf den Spuren des Hunters

Nach einer erfolglosen Zeit beim 1. FC Köln wechselte Marc Uth 2012 zum SC Heerenveen in die Eredivisie. Auch dort schien Uth zu scheitern, doch im zweiten Anlauf mischt der Stürmer die niederländische Liga gründlich auf und hat gute Aussichten auf die Torjägerkrone.

Mark Uth wechselte 2012 vom 1. FC Köln in die Eredivisie
© imago
Mark Uth wechselte 2012 vom 1. FC Köln in die Eredivisie

Dass die Eredivisie ein Sprungbrett für größere Aufgaben sein kann, ist unlängst bekannt: Mit Wilfried Bony (Manchester City), Alfred Finnbogason (Real Sociedad) und Bas Dost (VfL Wolfsburg) wechselten die Torschützenkönige der letzten Jahre allesamt in die Topligen Europas. Mark Uth ist in der laufenden Saison dabei, sich in diesen erlesenen Kreis einzureihen. Zusammen mit Memphis Depay führt er das Rennen um die Torjägerkrone der Eredivisie an - beide haben zwölf Treffer auf dem Konto. "In ein, zwei Jahren könnte Uth ein Kandidat für die Bundesliga sein", ist Holland-Experte Leon ten Voorde im Gespräch mit SPOX von den Qualitäten des deutschen Stürmers überzeugt.

Wilfried Bony im Porträt

Hierzulande ist der treffsichere Angreifer bisweilen aber weitgehend unbekannt und das, obwohl er seine Jugendausbildung in Deutschland genoss. Der gebürtige Kölner durchlief für die Geißböcke diverse Nachwuchsabteilungen und erzielte in seiner letzten Jugendsaison nicht weniger als 24 Tore.

Flucht nach Heerenveen

Trotzdem konnte der 23-Jährige zu keinem Zeitpunkt bei der Profimannschaft der Domstädter Fuß fassen und flüchtete deshalb nach dem Abstieg 2012 ablösefrei zum SC Heerenveen. "Ich durfte mit den Profis ins Trainingslager und saß ein paar Mal auf der Bank. Aber bei Solbakken bekam ich nie eine echte Chance", sagte Uth kürzlich in einem Interview bei "Transfermarkt.de".

Der heutige Talent-Koordinator Frank Schaefer äußerte sich damals wie folgt über den Transfer. "Mark ist ein guter Spieler, der seine Ausbildung beim 1. FC Köln durchlaufen hat. Für ihn ist es eine große Chance, sich bei einem niederländischen Top-Club durchzusetzen."

Doch auch in den Niederlanden blieben Uth die erhofften Einsatzminuten anfangs verwehrt. "Ich kam damals frisch aus einer Verletzung und wie das dann so ist: Man ist in der Vorbereitung nicht gut drauf - und der erste Eindruck ist nicht so positiv", wird Uth zitiert. So wurde der Stürmer in die Reserve degradiert, für die ihm allerdings beachtliche 16 Tore gelangen. Dank dieser Treffer wurde der niederländische Klub Heracles Almelo auf Uth aufmerksam und sicherte sich seine Dienste.

Durchbruch auf den zweiten Versuch

Während seiner Leihe bei Heracles ließ Uth sein Potenzial mit sieben Toren endlich auch im Profibereich aufblitzen. "Beim ersten Anlauf war er sehr jung und Heerenveen hatte sehr gute Angreifer. Die Leihe für ein Jahr war sehr wichtig für seine Entwicklung", analysiert ten Voorde rückblickend.

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Nach seiner Rückkehr spielten dem Stürmer neben seiner gesammelten Erfahrung die vereinsinternen Gegebenheiten in die Karten. "Heerenveen musste wegen finanziellen Problemen gute Spieler wie Alfred Finnbogason abgeben", erklärt ten Voorde. "Durch den Umbruch bekam Uth Chancen und die hat er genutzt."

Der neue Trainer Dwight Lodeweges setzte von Anfang an bedingungslos auf den Deutschen und ließ sich auch nicht beirren, als dieser in den ersten drei Spielen ohne Torerfolg blieb. Der Goalgetter belohnte das Vertrauen mit einem Dreierpack am vierten Spieltag gegen den FC Utrecht.

Ein Schlaks für das Sturmzentrum

Uth stand in jeder Partie in der Startformation und wurde zu einem festen Bestandteil in Lodeweges' System. "Er macht einen sehr guten Job. Anfangs dachte man, dass Uth vielleicht die Nummer Zwei wäre, aber er hat sich von Anfang an durchgesetzt", lobt ten Voorde die Entwicklung des 23-Jährigen. Nicht nur auf dem Platz hat sich Uth mittlerweile integriert, auch die Sprache spricht er fast fließend.

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Obwohl Heerenven vor der Saison mit Thomas Dalgaard und Sam Larsson zwei Konkurrenten für den Sturm holte, ist der Coach offensichtlich gerade von der Spielanlage des gebürtigen Kölners angetan: "Uth überraschte mich im positiven Sinne. Ich liebe die Parallelen zwischen ihm und Finnbogason. Beide sind intelligent und versuchen, eine Lücke in der gegnerischen Verteidigung zu finden", schwärmt etwa der ehemalige Heerenveen-Mittelfeldspieler Ronnie Pander vom Linksfuß. Uth verteilt bescheidene 68 Kilo auf 1,85 Meter und agiert am liebsten im Sturmzentrum. "Er ist einfach ein guter Torjäger", fasst ten Voorde zusammen.

Krise nach Umbruch

Als solcher wird er naturgemäß an Treffern gemessen und davon hatte der Schlaks nach zehn Spieltagen bereits acht auf dem Konto. Doch dann geriet die Torfabrik ins Stocken, bevor Uth zum Ende der Hinserie wieder zu seiner Form fand.

Trotz des Torjägers belegt Heerenveen derzeit nur auf Platz sieben der Eredivisie und hat durchaus ein Offensivproblem: In 20 Partien hat es die Mannschaft aus dem Norden des Landes nur auf 27 Tore gebracht - damit stellt Heerenven den schwächsten Sturm aus den Top-Sieben.

Die Eredivisie im Überblick

"Nach dem Umbruch haben sie einen sehr jungen Kader und deshalb fehlt es der Mannschaft an Konstanz", erklärt ten Voorde die Schwierigkeiten beim letztjährigen Tabellenfünften. Im Kampf um die internationalen Plätze ruhen die Hoffnungen nicht zuletzt auf Uth.

"Potenzial für die europäischen Topligen"

Angesichts der jüngsten Quote erscheint es verwunderlich, dass Uth sich seinerseits nicht beim FC durchsetzen konnte. Toni Schumacher sah den Abgang schon damals kritisch und gibt einem Ex-Trainer die Schuld: "Ich habe mir sagen lassen, dass der Solbakken die jungen Leute nicht wollte. Wenn du einen Trainer hast, der die jungen Leute nicht hochholt, sondern lieber Kicker aus der zweiten schwedischen Liga, dann ist das traurig und passt nicht in unser Konzept."

Mittlerweile ist der 1. FC Köln wieder in der Bundesliga angekommen und würde einen Knipser wohl mit offenen Armen empfangen. Im Moment ist Anthony Ujah mit sechs Toren der beste Schütze aus dem Kader. Wäre Mark Uth für einen Wechsel bereit? Ja. Das glaubt zumindest ten Voorde: "Der Junge über kurz oder lang das Potenzial für die europäischen Topligen."

Der Angreifer selbst signalisierte bereits seine Wechselbereitschaft: "Ich würde sehr gerne in der Bundesliga spielen. Ob das schon im Sommer sein wird, wird man sehen. Vorstellen kann ich mir das, klar. Im Moment konzentriere ich mich aber auf Heerenveen", so der Stürmer.

Vertrag läuft am Saisonende aus

Uth hat die Chance, sich in eine berühmte Reihe einzugliedern, denn Heerenveen hatte in seiner Geschichte viele erfolgreiche Angreifer. Neben Finnbogason wären da beispielsweise noch die bundesligaerfahrenen Klaas-Jan Huntelaar und Ruud van Nistelrooy zu nennen.

Alfred Finnbogason im Porträt

Da der Vertrag von Uth am Ende der Saison ausläuft, könnte der Stürmer schon bald seine Zelte in den Niederlanden abbrechen. Ten Voorde ist davon überzeugt, dass der Kölner Junge bei einigen Verantwortlichen weit oben auf der Einkaufsliste steht: "Wenn man in Holland viele Tore erzielt, gibt es immer interessierte Vereine."

Mark Uth im Steckbrief

Adrian Fink

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