Marina Granovskaia im Porträt

Keine Liebesgrüße aus Moskau

Mittwoch, 03.12.2014 | 14:12 Uhr
Eiskalt, attraktiv, geheimnisvoll: Marina Granovskaia ist die heimliche Macherin des FC Chelsea
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Sie ist die mächtigste Frau im Fußball. Marina Granovskaia lenkt die Geschicke des FC Chelsea spätestens seit Ende dieses Jahres. Dabei bleibt sie im Hintergrund und sucht in keiner Form die Öffentlichkeit.

Sie ist 39 Jahre alt, hat einen Abschluss der Moscow State University und arbeitet seit 17 Jahren für Roman Abramowitsch. Sie hat eine kanadische und eine russische Staatsbürgerschaft und ist seit Juni 2013 offiziell Direktorin des FC Chelsea.

Das sind die spärlichen Informationen, die man über Marina Granovskaia auf der offiziellen Seite des CFC erhält.

Keine Bilder, keine Details. Schon gar keine Zitate oder genauere Angaben zu ihrer Person. "Russisch, Englisch, sowie einige andere Sprachen", spricht sie - so viel verrät die Website dann doch noch.

Dabei ist sie nicht nur die mächtigste Frau im Fußball. Laut der englischen Presse hat sie sogar die tragende Rolle im Management des Klubs inne.

Die "graue Maus" startet durch

Jose Mourinho soll sie zurückgeholt haben an die Stamford Bridge. Diego Costa und Cesc Fabregas waren ihre Transfers.

Geht man nach den Geschichten und Gerüchten, die sich um Granovskaia ranken, ist sie schon lange viel mehr als nur die rechte Hand Abramowitschs. Als "leitende Angestellte ohne Titel" oder "graue Eminenz" wird sie gerne bezeichnet.

Dabei sah es lange nicht nach einer großen Karriere im Management aus. Die Russin wird in einem der seltenen Zitate über ihre Person von einem ehemaligen Lehrer als "graue Maus" beschrieben. "Ich erinnere mich daran, sie unterrichtet zu haben, allerdings an nichts Außergewöhnliches", merkte dieser gegenüber der "Daily Mail" an.

Als "interessant" bezeichnet er ihre Karriere und das ist sie tatsächlich. Zunächst studierte sie Musik und Tanz, um sich dann den Fremdsprachen zuzuwenden. Nach dem Master 1997 ging sie zum Mineralölunternehmen Sibneft. Das Unternehmen gehörte Abramowitsch, bis er es später an Gazprom verkaufte.

"Nimm ihn oder geh!"

Die Rolle als normale Angestellte behielt sie nicht lange. 17 Jahre arbeitete sie Seite an Seite mit ihrem reichen Landsmann, offiziell unter der Bezeichnung "Ratgeber", für viele aber schon als viel mehr als das. 2003 ging es aus Russland nach London zum FC Chelsea, zuerst nicht in einer wirklichen Funktion, sondern so, wie sie es liebt: als Akteurin im Hintergrund.

Von der beratenden Funktion ging es weiter zur Vertretung des Eigentümers und zur Beratung der Führung. Nach dem plötzlichen Rücktritt von CEO Ron Gourlay im Oktober 2014 entschied sich der Klub nicht überraschend dazu, dessen Arbeitsbereich aufzuteilen und die Verantwortung auf die Schultern von Bruce Buck und eben Marina Granovskaia zu legen.

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser merkte nach den Verhandlungen im Fall Andre Schürrle an: "Mir sind Leute lieber, die nicht so in die Öffentlichkeit drängen. Vielleicht ist das auch eine ihrer großen Stärken."

Was man sonst noch über Granovskaia weiß: Sie arbeitet hart und zuverlässig, ist immer pünktlich und absolut humorlos. Wer bis zu Abramowitsch vordringen möchte, muss zunächst an ihr vorbei und mehr als hartnäckig bleiben. Sie ist unerbittlich im Verhandeln. "Nimm ihn oder geh!", hatte sie John Terry erklärt, als diesem das vorgelegte Vertragsangebot missfiel.

Alles fest im Griff

Geschichten und Gerüchte, die sich um ihre Person ranken, haben ihr das Image einer russischen Spionin aus einem James-Bond-Film eingebracht. Eiskalt, attraktiv und geheimnisvoll.

Dabei wird sie, die um jeden Journalisten einen großen Bogen macht, mit zunehmender Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht mehr lange entfliehen können. Ihrer Geschäftstüchtigkeit dürfte aber auch das nichts anhaben.

Eine anonyme Quelle verriet dem "Evening Standard": "Es ist kein Zufall, dass sie es war, die Jose Mourinho zurückgebracht hat. Mourinho und Abramowitsch hatten sich auf sehr bissige, unschöne Art getrennt."

Kein Hindernis für Granovskaia, glaubt man dem Informanten: "Es hätte lächerlich ausgesehen, hätte er ihn zurückgeholt. Sie war es, die ihn umstimmte und übernahm die Verhandlungen. Und es hat sich ausgezahlt."

Mächtigste Frau im Fußballbusiness

Gäste nahe dem Trainingsplatz oder im Hauptsitz des FC Chelsea erzählen von einer Frau, die nicht zu stoppen ist. Immer unterwegs, von Meeting zu Meeting hetzend und mit guten Beziehungen zu vielen Führungskräften.

Es ist erstaunlich, wie viel die Russin hinter verschlossenen Türen zu halten versteht. Ganz im Gegenteil zu Frauen wie Karren Brady operiert sie bewusst im Verborgenen.

Jene Brady ist nicht nur Vize-Präsidentin von West Ham United, sondern auch noch Politikerin, Unternehmensberaterin, Kolumnistin und Schauspielerin.

Heather Rabbatts übernahm 2006 Millwall und war die erste Frau in der Geschichte der FA an der Spitze eines Vereins. Sie machte mit Auftritten bei "BBC", "Channel Four" und diversen Charity-Veranstaltungen auf sich aufmerksam und kämpfte für mehr Gleichberechtigung.

Granovskaia hat einen anderen Weg gewählt und ist doch vorbeigezogen. Sie ist die wohl mächtigste Frau im Fußball geworden, ohne dass es bemerkt wurde. Kein anderer europäischer Verein der Größenordnung Chelsea Football Club setzt auf eine Frau in der Führungsriege.

Der Kader des FC Chelsea

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