Welle der Empörung über FIFA

SID
Donnerstag, 13.11.2014 | 13:37 Uhr
Die FIFA-Ethikkommission konnte keine Beweise für Korruption bei den WM-Vergaben finden
© getty
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Korruption bei den WM-Vergaben 2018 und 2022? Die FIFA weiß von nichts. Politiker sind empört, England dreht durch und selbst der FIFA-Chefermittler versteht die Welt nicht mehr.

Die CDU/CSU-Fraktion des Sportausschusses im deutschen Bundestag hat den "Freispruch" des Fußball-Weltverbandes FIFA für die WM 2018 in Russland und 2022 in Katar kritisiert.

"Selbst wenn Korruptionsvorwürfe ausgeräumt wurden: Dieser Freispruch ist kein Freispruch von der moralischen und ethischen Verantwortung der FIFA", sagte Frank Steffel, Bundestagsabgeordneter und Fraktions-Obmann.

Der Weltverband sei "in der Pflicht bei der Vergabe Mindeststandards einzufordern. Im Hinblick auf die Einhaltung von Völkerrecht und Menschenrechten ist die Vergabe fragwürdiger denn je."

Rauball äußert Zweifel

Auch Liga-Präsident Reinhard Rauball mahnt nach dem entlastenden Bericht der Ethikkommission vor zu großer Zufriedenheit. "Unabhängig von den Ergebnissen der Ethik-Kommission gibt es weiter gute Gründe, eine WM in Katar sehr kritisch zu sehen", sagte Rauball: "Das Problem der unmenschlichen Hitze in den Sommermonaten besteht weiter, in der Diskussion um eine mögliche zeitliche Verlegung ist bislang keine Lösung in Sicht."

Des Weiteren "bestehen mit Blick auf die Menschenrechte und Arbeitsbedingungen weiterhin erhebliche Zweifel, ob diese Themen wirklich mit der nötigen Ernsthaftigkeit angegangen werden", sagte der 67-Jährige: "Die jetzt bekannt gegebene Bewertung der Ethik-Kommission kommt nicht überraschend. Auch wenn eine seriöse inhaltliche Bewertung des Berichts direkt nach Veröffentlichung kaum möglich ist, hat sich die Tendenz angesichts der immer wieder verzögerten Bekanntgabe auch für Außenstehende abgezeichnet."

Rauball gab aber zu bedenken, dass "der FIFA bei der Aufklärung keine staatsanwaltlichen Aufklärungsmittel wie Durchsuchungen, Abhörmaßnahmen oder Beschlagnahmungen zur Verfügung stehen".

England weist Kritik zurück

Während die FIFA-Ethikkommission selbst viel Kritik einstecken muss, kritisierte sie in ihrem Bericht den englischen Verband FA. Die FA hat die Kritik der Kommission an seiner gescheiterten Bewerbung für die WM 2018 schnell zurückgewiesen.

"Wir akzeptieren keine Kritik an der Integrität der englischen Bewerbung oder an daran beteiligten Personen", schrieb die FA in einer Stellungnahme: "Wir haben eine transparente Bewerbung durchgeführt und mit den Ermittlern vollständig kooperiert."

In dem Bericht von Joachim Eckert, dem Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission, ist unter anderem die Rede von höchst zweifelhaften Verbindungen der englischen Bewerbung zum früheren FIFA-Funktionär Jack Warner (Trinidad und Tobago), der 2011 vom Weltverband FIFA der Korruption überführt worden war.

Garcia: Bericht "unvollständig und fehlerhaft"

Selbst Chefermittler Michael Garcia sah im Bericht über seine Ermittlungsergebnisse "zahlreiche unvollständige und fehlerhafte Darstellungen der Tatsachen und Schlussfolgerungen". Er kündigt eine Berufung an und will das "Appeal Committee" der FIFA anrufen.

Auch in der englischen Presse sorgte der FIFA-Bericht für Empörung. Der "Mirror" schrieb in einem Kommentar: "Of course it's a whitewash. Of course it's an outrage. Of course it's an utter dereliction of FIFA's duty." Auf Deutsch: Der Weltverband habe sich mit dem Bericht reingewaschen, für Empörung gesorgt und seine Amtspflichten verletzt.

Auch die Sportbeauftragte bei der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, Sylvia Schenk, äußerte sich: "Das ist eine Kommunikationskatastrophe für die FIFA", sagte Schenk: "Die Forderung kann nur lauten, den Garcia-Bericht sofort zu veröffentlichen."

Die FIFA-Ethikkommission hatte am Donnerstag mit dem vorläufigem Abschluss ihrer Ermittlungen die Gastgeber der kommenden beiden Endrunden von jeglichen Vorwürfen freigesprochen. Vor allem die WM 2022 in Katar steht aber weiterhin massiv in der Kritik, weil am Persischen Golf offenbar teils unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschen.

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