Kommentar zu den Ballon-d’Or-Nominierungen

Der Beste - doch nicht der Richtige

Von Daniel Reimann
Dienstag, 28.10.2014 | 16:42 Uhr
Philipp Lahm (r.) spielte bisher ein überragendes Jahr 2014
© spox
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Der Ballon d'Or stand schon immer für Spektakel. Auch deshalb deutet nach Bekanntgabe der Nominierten für 2014 wieder alles auf Cristiano Ronaldo hin. Dabei hätte es Philipp Lahm eher verdient - doch seine Rolle passt nicht zur Logik dieser Wahl. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Daniel Reimann.

Er hat die Champions League gewonnen und dabei einen sagenhaften Torrekord aufgestellt. Er hat in der Liga Spiele im Alleingang entschieden und 42 Scorerpunkte gesammelt. Er steht für Spektakel und Show, er steht immer im Fokus - und damit hat Cristiano Ronaldo beste Chancen auf den Ballon d'Or 2014.

Denn die Weltfußballerwahl war schon immer eine Bühne der Fußballkünstler. Geehrt wurden jene, die die Fußball-Welt durch spektakuläre Tore, aberwitzige Dribblings und geniale Tricks begeisterten. Die Zidanes, Ronaldos und Messis dieser Erde.

Ein Blick auf die Nominierten dieses Jahres bestätigt den Eindruck. Ein Luka Modric, der bei Real schlicht überlebenswichtig war und Taktikliebhabern Tränen in die Augen trieb? Diego Godin und Filipe Luis, die unfassbar konstanten Stützen des spanischen Meisters und CL-Finalisten? Fehlanzeige.

Auszeichnung für Zauberer, nicht für Strategen

Der Ballon d'Or war und ist die Auszeichnung der Ballzauberer, nicht der unauffälligen Strategen oder Abwehrhelden. Granden wie Xavi oder Paolo Maldini können ein Lied davon singen. Der überraschende Triumph von Italiens Abwehrboss Fabio Cannavaro 2006 blieb eine einsame Ausnahme.

2014 wäre die Zeit für eine erneute Ausnahme fällig. Eine Ausnahme von den gängigen Mechanismen der Weltfußballerwahl. Ja, Ronaldo hat ein Wahnsinnsjahr hinter sich. Ja, Arjen Robben hat Überragendes geleistet. Doch der Beste war ein anderer: Philipp Lahm.

Lahm hat sich in beachtlichem Alter neu erfunden. Er wurde in seiner Rolle als Sechser noch wertvoller für Bayern und seinen Coach. 2014 hat der Kapitän eindrucksvoller denn je unterstrichen, weshalb er für Pep Guardiola der "intelligenteste Spieler" ist, den dieser hatte.

Lahm: Noch nie so wertvoll, noch nie so konstant

Lahm hat keine legendären Sololäufe hingelegt. Lahm hat nicht Dutzende Tore erzielt, erst recht keine spektakulären. Sein Wert misst sich in anderer Form. In unzähligen kleinen, meist untergehenden Aktionen, die oft banal scheinen und die doch keiner so gut beherrscht wie er.

Lahms Spielintelligenz ist außergewöhnlich und in seiner neuen Rolle noch wichtiger. Sein Gefühl für Spielsituationen, seine Intuition für Räume, seine geniale Antizipationsgabe und sein Blick für unspektakuläre Lösungen - all das vereint kein Spieler so wie Lahm.

Und noch nie brachte er diese Gabe in solch wertvoller Manier und solch beeindruckender Konstanz auf den Rasen wie in diesem Jahr.

Die Logik der Weltfußballerwahl

Dennoch erfuhr Lahms Rolle in der Öffentlichkeit nur relativ bescheidene Beachtung. Sei es im Vergleich zur Konkurrenz oder zu seinen Mitstreitern: Volkes Bewunderung galt anderen.

So auch bei der WM, als Manuel Neuers mutige Ausflüge, die wichtigen Tore eines Thomas Müller oder Bastian Schweinsteigers aufopferungsvoller Kampf im Finale gepriesen wurden. Der Wert von Lahm wurde in der Öffentlichkeit vergleichbar marginal thematisiert.

Am 12. Januar 2015 wird es wohl der gleiche Fall sein. Dann wird der Weltfußballer des Jahres 2014 verkündet. Und wahrscheinlich wird einmal mehr ein Ballzauberer für seine unzähligen und gewiss bewundernswerten Tore geehrt.

Auch wenn Lahm 2014 der Beste war: Er ist einfach nicht der richtige Protagonist für eine Weltfußballer-Gala. Denn diese funktioniert nach ihrer eigenen Logik.

Philipp Lahm im Steckbrief

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