Blitzlichter aus Europa

Das längste Spiel der Welt

SID
Montag, 10.03.2014 | 17:38 Uhr
Mit 1:0 entschied Juventus den ersten Akt der Trilogie gegen Florenz für sich
© getty
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Juve vs. Florenz oder "das längste Spiel der Welt" hält Italien in Atem. Die Rivalität der beiden Klubs ist legendär. Legendär könnten auf der Insel auch mal ManCitys Pleiten gegen Wigan werden. Spanien amüsiert sich über einen königlichen Batman. Der hat definitiv das Zeug zur Legende.

Serie A

Von Oliver Birkner

Steak des Spieltags: Nun ist zumindest der erste Teil der Trilogie rum, des "längsten Spiels aller Zeiten", wie es Florenz taufte. Drei Mal Juventus gegen Fiorentina binnen zwölf Tagen zwischen Serie A und Europa League. Der erste Akt in der Liga um 12.30 Uhr war kaum kulinarisch, lediglich der Verantwortliche des offiziellen Juve-Twitter-Kanals fand das 1:0 köstlich: "Sehr lecker die Fiorentina (der Klub und auch ein nobles T-Bone-Steak der Toskana, Anm. d. Red.) zum Mittag. Wir sehen uns in vier Tagen zum Abendessen wieder." Florenz befand das nicht komisch und konterte: "Dabei mögt ihr doch eher Tiefkühlkost - vier Mal die Pfanne schwingen und in 15 Minuten fertig." Im Hinspiel hatte man nach 0:2-Rückstand der Juve vier Treffer in einer Viertelstunde eingeschenkt. Es werden zweifelsohne aufregende Tage während der kommenden Achtelfinalpartien. Denn vor allem in Florenz bedeutet Juventus gleich Antichrist.

Der florentinische Journalist Francesco Matteini sagte einmal: "Das Juve-Ressentiment wird in Florenz vererbt wie die Augenfarbe. Juve als Symbol gnadenloser Macht. 1982 wurde dann der Slogan geboren: Besser Zweiter als ein Dieb." Am letzten Spieltag jener Saison 1981/82 lagen Florenz und die Turiner gleichauf an der Tabellenspitze. In Cagliari wurde der Fiorentina ein Treffer von Ciccio Graziani aberkannt, während sich Juventus in Catanzaro abmühte. Dort verwehrte der Referee den Gastgebern einen Elfmeter, den er später Turin zusprach. Liam Brady traf und Juve feierte seinen 20. Scudetto. Statt eines Entscheidungsspiels um den Titel warten die Viola bis heute auf ihre dritte Meisterschaft. Der bedeutende Theater- und Film-Regisseur Franco Zeffirelli aus Florenz schnaubte damals: "Es schien alles abgemacht. Juve-Präsident Giampiero Boniperti saß seelenruhig auf der Tribüne und kaute Erdnüsse wie ein amerikanischer Mafioso." Nur acht Jahre später explodierte Florenz erneut. Die Tifosi organisierten auf den Piazze und am Klubhauptsitz tumultartige Massen-Proteste inklusive Stein- und Flaschenwürfen, als ihr Idol Roberto Baggio nach Turin transferiert wurde. "Ich wollte nicht weg, man verkaufte mich gegen meinen Willen", schrieb Baggio in seiner Autobiographie. "Es ist, als würde man der Mutter das Kind stehlen und verhökern", kommentierte ein toskanischer Journalist damals. Juventini, besser als "gobbi" (Bucklige) bekannt, erhalten nicht bloß amüsante Spruchbänder ("Wenn ihr magisch seid, ist Cicciolina Jungfrau"), sie driften auch ins Geschmacklose. Seit der Heysel-Tragödie präsentiert man das Plakat "39 gobbi weniger". Zudem nötigen die Anhänger weiterhin jeden Ex-Juventus-Spieler beim Antritt in Florenz durch das Ritual der "degobizzazione", der Entbuckligung. Er erhält einen Viola-Ultra-Ausweis und muss parallel mit dem offiziellen Magazin "Hurra Juventus", nun ja, anzügliche Szenen darbieten. Mal schauen, wie die Fiorentina den Turinern am kommenden Donnerstag bekommt.

Trainer des Spieltags: Einige Minuten lang sah Filippo Inzaghi endlich seinen Traum verwirklicht. Auf Milans Homepage tauchte der eigentliche Nachwuchscoach beim Schema Udinese gegen Milan kurz vor Anstoß nämlich als Trainer der ersten Elf auf. Kurz darauf verpuffte die Phantasie und Clarence Seedorf wurde wieder auf der Bank installiert. Nur folgerichtig. Der AC verlor 0:1 und blieb in drei der letzten vier Partien ohne Treffer. Das wäre mit dem erbarmungslosen Regenten der Abseitslinie Superpippo freilich nie passiert.

Und sonst? Unter der Woche entdeckte Ex-Profi und Co-Kommentator Beppe Dossena endlich, wo es bei den Azzurri kurz vor dem WM noch zwickt. Bei der Niederlage in Spanien analysierte er: "Die ganze Zeit suchen wir Pressing anstatt Druck. Dabei sollten wir den Druck erhöhen, um das Pressing zu finden." Endlich mal jemand mit erdrückendem Durchblick.

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