Mittwoch, 29.01.2014

Mehr Profit aus Heim-WM

Stöger: "Österreich hinkt hinterher"

Im vergangenen Sommer kam Trainer Peter Stöger von Austria Wien zum 1. FC Köln. Seitdem staunt der Österreicher über die Unterschiede zwischen Deutschland und der Alpenrepublik: Deutschland habe aus seinem Heim-Turnier mehr gemacht als der Nachbar und profitiere davon bis heute.

Peter Stöger betreut den FC seit Beginn der Saison
© getty
Peter Stöger betreut den FC seit Beginn der Saison

"In Österreich haben wir es nicht geschafft, den Schwung von der Heim-EM 2008 so mitzunehmen, wie Deutschland das bei der WM 2006 geschafft hat", kritisiert Stöger in der "Sport Bild": "Das mag mit handelnden Personen zu tun haben oder mit der Mentalität. Es wurden leider Gottes nicht die richtigen Entscheidungen getroffen."

So stehe beispielsweise ein Stadion in Kärnten, das nicht richtig genutzt wird: "Vielleicht gibt es das Land auch nicht her. Aber insgesamt hinken wir in Österreich wahnsinnig hinterher, was die Infrastruktur angeht, ob Stadien oder Trainingsmöglichkeiten", so Stöger. "Ich nehme die Möglichkeiten in Köln sehr wohlwollend zur Kenntnis."

Insgesamt seien die Strukturen in Deutschland deutlich ausgereifter. "In Wien sind Einjahresverträge für Trainer durchaus üblich. Mein Vertrag beim FC läuft gleich zwei Jahre. Und hier hat man im Kader jede Position doppelt besetzt. In Österreich hat man entweder Nachwuchsspieler, die man einbauen kann, oder man hat variable Spieler", betonte Stöger.

Fehlender Fußballhype in Österreich

Allerdings, so der 47-Jährige weiter, sei die Begeisterung in Deutschland auch schlicht größer. "In Österreich hätte ich Skifahrer werden müssen, um so einen Hype wie im Fußball erleben zu dürfen", schildert der gebürtige Wiener: "Auf meiner Facebook-Seite gibt es seit meinem Wechsel nach Köln zehnmal so viele User wie vorher. Jeden Tag habe ich Interview-Anfragen, in Wien gab es das maximal einmal im Monat. Beim FC steht alle drei Wochen ein Sponsorentermin an. In Wien hatte ich zwei bis drei im Jahr."

Denoch könne man auch in seinem Heimatland als Trainer gut arbeiten: "Zumindest zwischen Köln und Wien gibt es auch viele Parallelen. Das Funktionsteam ist genauso groß: Ein Torwarttrainer, ein Assistenztrainer, ein Athletiktrainer, drei Physios, zwei Zeugwarte."

Auch sein Büro sei mit 25 Quadratmetern nicht größer als in Wien, "und ich teile es weiterhin mit meinem Trainerteam. Man soll es nicht glauben, aber es macht auch Spaß, in Österreich als Trainer zu arbeiten."

Peter Stöger im Steckbrief

Adrian Bohrdt

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