"Unbrauchbar wie deine Mutter"

SID
Cole gibt hier auf dem Platz eine unglückliche Figur ab. Und außerhalb? Zumindest eine witzige...
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Primera Division

Von Frank Oschwald

Spieler des Spieltags: Das Wörtchen "bitter" umschreibt die 3:4-Pleite von Celta Vigo bei CL-Teilnehmer Real Sociedad nicht mal im Ansatz. Nach frühem Rückstand drehte man die Partie und führte bis zur 60. Minute mit 3:1. Wie man es im Anschluss schafft, ein derartig fluffiges 3:1-Polster aus der Hand zu geben? Hier die Anleitung. Schritt 1: Zuerst einmal holt man sich bei einem Konter eine mehr oder weniger blöde Gelb-Rote Karte. Andreu Fontas, 65. Minute? Check. Schritt 2: Pech bei den Abseitsentscheidungen? Check. Schritt 3: Dem gegnerischen Überstürmer bei allen Strafraumsituationen möglichst viel Spielraum lassen. In Perfektion ausgeführt vom Abwehr-Kollektiv von Vigo, die Carlos Vela insgesamt vier (!) Hütten erzielen ließen.

Dessen Coach Jagoba Arrasate ließ die Weltöffentlichkeit im Anschluss an seinen hellseherischen Fähigkeiten teilhaben. Im Nebel einer großen Wolke voller Selbstbeweihräucherung gab er zu Protokoll: "Ich hatte schon vor der Partie das Gefühl, dass Carlos Vela ein gutes Spiel machen wird." So etwas vor dem Spiel zu sagen und sich danach in der von den Medien entgegengebrachten Ehrfurcht zu sonnen, das wäre lässig gewesen. Aber klugscheißerisch danach? Hm, na ja. Ebenfalls nett: Der mexikanische Verband, der Carlos Vela wegen Streitigkeiten seit Jahren ignorierte, meldete sich direkt nach dem Spiel und denkt nun ernsthaft über eine WM-Teilnahme des Stürmers nach. Käse, nicht mal Hugo Sanchez hat vier Buden in einer Partie in der Primera Division erzielt. Vielleicht sollten wir den doch mitnehmen. Über die Scharmützel könnten wir ja hinwegsehen. Wir sind doch alle Freunde. Was vier Buden ausmachen können...

Schiedsrichter des Spieltag: Ist doch auch mal gut zu sehen, dass nicht nur die Deutschen in Zeiten des Phantomtors Probleme mit dem Material haben. Rund eine Stunde vor Beginn der Partie Almeria gegen Real Madrid begab sich Schiedsrichter Gil Manzano auf seine übliche Runde, um die beiden Tore und den Rasen zu checken. Eigentlich Routine. Hier ein bisschen am Netz zupfen, da pseudomäßig mit dem Schuh im Rasen rumstochern, alles nichts wildes. Doch! Da! Oh! Im Strafraum angekommen, merkte Manzano - wie auch immer - dass das Tor auf der linken Seite um sechs und rechts um vier Zentimeter zu hoch war. Die Maße des Gehäuses waren somit außerhalb des erlaubten Bereichs der Liga-Regularien, ein Spiel zunächst nicht möglich.

Gut 15 Jahre nach dem königlichen Torfall wurden also erneut die Deodorants der Verantwortlichen auf die Probe gestellt. Nur noch 60 Minuten bis zum Anpfiff und die Bude hängt schief. Wie einst in Madrid versammelte sich eine Expertenkommission um den Ort des Geschehens und diskutierte wild. Schließlich einigte man sich auf die irre Lösung, das höhenverstellbare Tor um einige Zentimeter abzusenken - ausgeführt von zwei Männern in Arbeiterkluft, unmittelbar beobachtet von gefühlt 19 Herren im feinen Zwirn. Maßband raus, 2,44 Meter links, 2,44 Meter rechts, passt. Anpfiff.

Und sonst? Ja, die Jugendarbeit des FC Barcelona zu loben, ist auf der Skala der Innovation mit viel Wohlwollen knapp über der Viererpack-Lobhudelei von Coach Arrasate anzusiedeln. Dennoch muss an diesem Wochenende mal wieder auf die Talentschmiede hingewiesen werden. Denn mit Adama Traore debütierte beim lässigen 4:0-Sieg der Katalanen gegen Granada in den letzten Minuten der achtjüngste Barca-Spieler aller Zeiten. So weit, so gut.

Was der 17-Jährige, der romantischerweise nur einen Steinwurf entfernt vom Camp Nou geboren wurde und auch in der zweiten Mannschaft noch nie in der Startelf stand, in den verbliebenen acht Minuten jedoch veranstaltete, gab's bei einem solch kurzen Debüt zuletzt selten. Drei Gegenspieler narrte er mit einem Solo auf der linken Seite und scheiterte mit seinem Torschuss nur knapp. In den sozialen Netzwerken schoss der Name spanienweit zum Thema Nummer eins und überraschte die ganze iberische Halbinsel. Hätten sie doch vorher bloß mal bei Real-Sociedad-Coach Arrasate gefragt. Der wusste das bestimmt schon vorher.

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