Brasiliens Bernard im Porträt

Bernard: Das Talent im Windschatten

Von Tim Noller
Dienstag, 15.10.2013 | 09:38 Uhr
Bernard (r.) feierte zusammen mit Neymar den Sieg beim Confederations Cup 2013
© getty
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Am Dienstagnachmittag testet Rekordweltmeister Brasilien wieder für die Heim-WM im nächsten Jahr (13.45 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE). Als Gegner wartet der Afrika-Cup-Sieger von 2012. Gegen Sambia hofft Brasiliens Bernard auf seinen neunten Länderspieleinsatz. Der 21-Jährige von Schachtjor Donezk befindet sich im Verein noch in der Findungsphase - in der Selecao lauert er dagegen als Offensiv-Backup auf Mehr.

Noch 180 Sekunden zu spielen. Atletico Mineiro braucht im Rückspiel des Copa-Libertadores-Endspiels unbedingt ein Tor, um sich in die Verlängerung zu retten. Das 1:0 ist aufgrund der 0:2-Niederlage im Hinspiel gegen Olimpia de Paraguay zu wenig. 63.000 Fans zittern im ausverkauften Estadio Governador Magalhaes Pinto.

Der Ball landet vor den Füßen von Bernard. Er legt sich die Kugel kurz zurecht und schlägt eine hohe Flanke vors Tor. Leonardo Silva steigt am höchsten und trifft per Kopf zum 2:0 ins lange Eck. Jubel, Ekstase, der Glaube an den ersten Triumph in der südamerikanischen Champions League ist zurück.

Eine gute Stunde später feiert Mineiro nach einem makellosen Elfmeterschießen den historischen Erfolg. Ein Triumph, der eng mit einem brasilianischen Top-Talent verbunden ist. Bernard Anicio Caldeira Duarte, kurz Bernard, erlebte im Jahr 2013 einen fulminanten Aufstieg.

Ronaldinho als Mentor

Bis zur Winterpause 2011 spielte der dribbelstarke Außenstürmer noch bei Atletico Mineiro B, der zweiten Mannschaft des Klubs, ehe er befördert wurde und fortan an der Seite von Superstar Ronaldinho auflief. Die beiden Kreativspieler harmonierten prächtig und hatten einen riesigen Anteil am Aufschwung in Mineiro. In der Saison 2012 verbesserte sich der Klub um 13 Tabellenränge im Vergleich zum Vorjahr und schloss die Runde als Vizemeister ab.

Ronaldinho wurde schnell zu einer Art Mentor für Bernard, der sehr viel vom Weltfußballer der Jahre 2004 und 2005 lernte. "Ob im Training oder im Spiel, ich versuche jede seiner Aktionen zu beobachten. Ronaldinho war sehr hilfreich für meine Entwicklung", berichtet Bernard über Ronnies Einfluss.

Mit dem Triumph bei der Copa Libertadores im letzten Juli erlebten beide einen Karrierehöhepunkt. Doch während der 33-jährige Ronaldinho die Welt ein weiteres Mal von seinem herausragenden Können überzeugte, ging der Stern des 21-jährigen Bernard erst auf. "Er ist ein großes Talent. Es ist toll, den Moment mitzuerleben, wenn ein Star geboren wird. Ich freue mich und ich hoffe er macht noch viele, viele Jahre so weiter", verkündete Ronaldinho.

Transfer-Wirrwarr im Sommer

Angesichts der starken Auftritte verwunderte es kaum, dass im Sommer zahlreiche europäische Topklubs heiß auf Bernard waren. Immer wieder hörte man von neuen Gerüchten. So berichtete die "Sport Bild" bereits im Juni vom großen Wunsch des Brasilianers, zu Borussia Dortmund zu wechseln, ehe die "L'Equipe" im Juli über eine Einigung mit dem FC Arsenal berichtete.

Am Ende kam alles anders. Der BVB sicherte sich für 27,5 Millionen Euro die Dienste des Armeniers Henrikh Mkhitaryan, sodass Bernard nicht mehr als Nachfolger für Mario Götze in Frage kam. Donezk jedoch musste plötzlich einen herben Verlust kompensieren. Am 8. August verkündete der ukrainische Topklub schließlich die Verpflichtung Bernards für 25 Millionen Euro und stach damit namhafte Konkurrenten wie Tottenham oder den FC Porto aus.

Startprobleme in Donezk

Allerdings hatte Bernard bei Trainer Mircea Lucescu in seiner Anfangszeit einen schweren Stand. Der erfahrene Coach sah ihn ähnlich wie die anderen drei brasilianischen Neuzugänge eher als Investition für die Zukunft. Dennoch scheint es ungewöhnlich, dass ausgerechnet der teuerste Transfer bisher die wenigsten Einsatzzeiten erhielt. Spieler wie Fred (20 Jahre, 15 Millionen Euro Ablöse) oder auch Fernando (21 Jahre, elf Millionen) genießen derzeit noch mehr Vertrauen als Bernard.

Nun aber könnte sich die Situation zu Bernards Gunsten wenden. Im letzten Spiel vor der Länderspielpause bereitete der Linksaußen vier Tore beim 7:0-Erfolg gegen Arsenal Kiew vor. Gut möglich, dass er am 23. Oktober sein Startelf-Debüt in der Champions League feiern wird und es nicht wie in den ersten beiden Gruppenspielen nur zu Kurzeinsätzen reichen wird.

Eine Berufung in die erste Elf wäre jedenfalls ein großer Vertrauensbeweis von Lucescu, da sich im Spiel gegen Bayer Leverkusen eine Vorentscheidung um den zweiten Platz hinter Manchester United abzeichnen könnte.

Kurzeinsätze in der Selecao

Ähnlich wie die Lage bei seinem ukrainischen Arbeitgeber sieht es mit Bernards Situation in der brasilianischen Nationalmannschaft aus. Die bisher acht Länderspiele des 21-Jährigen waren geprägt von Einwechslungen und Kurzeinsätzen. Lediglich in den Testspielen gegen Australien und Portugal durfte Bernard von Beginn an auflaufen.

Doch anders als in Donezk ist die bloße Nominierung in den Kader der Selecao schon ein richtiges Pfund für ihn. Das Land des Rekordweltmeisters ist gesegnet mit talentierten Offensivkräften.

Seine Berufung für den Confederations Cup 2013 sorgte deshalb auch bei einigen Experten für Verwunderung. Zumal die ehemaligen Weltfußballer Ronaldinho und Kaka vergeblich auf eine Einladung warteten.

Enthusiasmus der Jugend

"Ich habe volles Vertrauen in die berufenen Spieler. Ein Jahr vor der WM ist es nun an ihnen, dieses Vertrauen beim ConfedCup und in der Vorbereitung darauf durch absolute Begeisterung und Disziplin zu bestätigen", sagte Scolari damals. Diese Aussage legt nahe, dass der 64-Jährige auch bei der WM auf einen ähnlichen Kader vertrauen wird.

Enttäuscht hat ihn Bernard mit seinen Auftritten zuletzt sicher nicht. Denn er strahlt genau den "Enthusiasmus der Jugend" aus, den Scolari von seiner Mannschaft sehen möchte. Mit einer Größe von nur 1,68 Metern überzeugt Bernard vor allem mit seiner überragenden Antrittsschnelligkeit und Wendigkeit.

Ergänzt durch seine herausragende Technik reißt er mit flinken Dribblings, aber auch mit intelligenten Laufwegen ohne Ball immer wieder Lücken in gegnerische Abwehrketten. Es scheint, als plane Scolari deshalb mit Bernard als eine Art Backup für die Offensivstars Neymar, Oscar und Hulk. Das Talent im Wartestand. Ein Umstand, mit dem Bernard in Anbetracht der Konkurrenz sicherlich leben kann - noch.

Bernard im Steckbrief

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