"Shaqiri hätte schon früher wechseln können"

Von Interview: Jochen Tittmar / Florian Regelmann
Mittwoch, 14.08.2013 | 10:29 Uhr
Ottmar Hitzfeld (r.) hält große Stücke auf Bayerns Xherdan Shaqiri
© imago
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Am Mittwoch misst sich die Schweizer Nationalmannschaft in einem Testspiel in Basel mit Brasilien. SPOX zeigt die Partie um 20.45 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE. Schweiz-Coach Ottmar Hitzfeld spricht im Interview über die Probleme als Nationaltrainer, beleuchtet die einzelnen Situationen der Schweizer Spieler aus der Bundesliga und sieht einen neuen Spirit bei der Selecao.

SPOX: Herr Hitzfeld, der Druck als Trainer ist vielleicht nicht so groß wie beim FC Bayern - aber wer denkt, dass man als Coach der Schweizer Nationalmannschaft ein ruhiges Leben hat, täuscht sich gewaltig, oder?

Ottmar Hitzfeld: Druck ist immer da, den spürt man als Nationaltrainer genauso wie als Vereinstrainer. Der große Unterschied ist der Spielrhythmus. Beim FC Bayern gibt es 60 Spiele pro Saison, da kann man nach einer Niederlage Mutationen vornehmen, im Training sofort korrigierend und optimierend einwirken - und bald wieder auf die Siegerstraße gelangen.

SPOX: Und als Nationaltrainer?

Hitzfeld: Da habe ich zehn, zwölf Spiele und oft nur drei Tage Vorbereitungszeit. Nehmen Sie das aktuelle Spiel gegen Brasilien: Die Mannschaft wird am Montagmittag komplett sein, nachmittags wird trainiert, am Dienstag wird einmal trainiert, teilweise mit Spielern, die mit ihren Teams noch nicht einmal in die Meisterschaft gestartet sind - und am Mittwoch ist schon Spiel. Das ist schon fast unseriös (lacht).

SPOX: Ihre Mannschaft hat Spieler in ihren Reihen, die bei großen Klubs wichtige Rollen spielen wie Gökhan Inler, Valon Behrami, Blerim Dzemaili oder Stephan Lichtsteiner. Dazu kommen aus Deutschland Diego Benaglio, Xherdan Shaqiri oder Granit Xhaka. Wie hoch sind die Ziele, die sich für die nächsten Jahre gesetzt haben?

Hitzfeld: Für ein kleines Land wie die Schweiz ist eine Qualifikation für ein großes Turnier immer ein sehr großer Erfolg und nie ein Selbstläufer. Wir sind in der WM-Qualifikation auf Kurs, liegen nach sechs Spielen mit vier Zählern Vorsprung auf den Zweiten auf Rang eins. Wir haben noch vier schwierige Spiele gegen Island, in Norwegen, in Albanien und gegen Slowenien vor uns - und die Überzeugung in uns, dass wir zur WM 2014 fahren, wenn wir in diesen Spielen unsere Möglichkeiten ausschöpfen.

SPOX: Die Defensive ist die große Stärke der Schweiz, offensiv fehlt seit Jahren irgendwie der Punch. Nach Alex Frei gibt es auf der Mittelstürmer-Position nicht viele Alternativen. Sehen Sie hier auch das größte "Problem"?

Hitzfeld: Zuerst freue ich mich, dass wir in der Defensive sehr solide stehen. In sechs Spielen haben wir nur einen Gegentreffer zugelassen und der fiel erst nach einer Aktion der Norweger, die man auch als Foul an unserem Torhüter Benaglio hätte werten dürfen. Im Angriff haben wir durchaus Varianten, aber die Spieler sind noch jung und müssen Erfahrungen sammeln. Darum verfolge ich deren Werdegang in ihren Vereinen möglichst nah, bin regelmäßig in Kontakt mit ihnen und auch ihren Trainern.

SPOX: In Deutschland mangelt es am Nachschub an Linksverteidigern und Stürmern. In der Schweiz fehlt beispielsweise ein weiterer Rechtsverteidiger hinter Lichtsteiner. Auf welchen Gebieten hat die Schweiz die größte Nachschub-Probleme?

Hitzfeld: Die Ausbildung des Schweizerischen Fußballverbands ist zum Glück so gut, dass immer wieder große Talente ihren Weg bis ins A-Team finden. Im Angriff denke ich dabei etwa an Haris Seferovic, der im November 2009 den 1:0-Siegtreffer im U-17-WM-Finale erzielte, im Juni den Sieg unseres A-Teams gegen Zypern sicherte und nun bei Real Sociedad San Sebastian einen großen Vertrag unterschrieben hat.

SPOX: Was ist mit hinten rechts?

Hitzfeld: Hinter Lichtsteiner gibt es durchaus Varianten. Für das Spiel gegen Brasilien habe ich darum Michael Lang vom Grasshopper Club Zürich aufgeboten. Es gibt auch Philipp Degen vom FC Basel, zudem könnten auch Gelson Fernandes vom SC Freiburg, Behrami oder auch Shaqiri vom FC Bayern als Außenverteidiger spielen. Man kann als Nationaltrainer nicht alle Positionen doppelt besetzen, man muss immer improvisieren können.

SPOX: Shaqiri spielt in München regelmäßig, es ginge aber noch regelmäßiger. Was ist besser für die Entwicklung eines Spielers: Bei einem Top-5-Klub mit den Besten zu trainieren oder bei einem Top-25-Klub angestellt zu sein?

Hitzfeld: Da muss man schon differenzieren. Shaqiri hätte schon früher ins Ausland wechseln können, aber er blieb beim FC Basel, wurde zum Stammspieler, zeigte sich auch europäisch und war in der Nationalmannschaft ebenfalls Leistungsträger. Diesen Weg empfehle ich allen jungen Spielern. Ich bin überzeugt, dass sich Shaqiri beim FC Bayern durchsetzt.

SPOX: Warum?

Hitzfeld: Er hat den Charakter, die Persönlichkeit und damit auch die Geduld, die es braucht. Mit seiner Technik und seiner Unbekümmertheit ist er immer ein belebendes Element im Spiel. Und Pep Guardiola steht auf Spieler mit diesen Qualitäten. Ich denke, bis Ende des Jahres werden wir mehr wissen über die Position Shaqiris bei den Bayern.

SPOX: Wie kritisch beobachten Sie die Situationen im Klub von Eren Derdiyok und Xhaka im Hinblick auf die WM?

Hitzfeld: Bei Derdiyok wird es eine Geduldsprobe. In Hoffenheim lief von Anfang an vieles nicht so, wie man es sich erhofft hatte: Das 0:4 gegen einen unterklassigen Gegner im Pokal, sofort Druck, dann missglückter Start in die Saison. Und jetzt nicht einmal mehr Training mit der ersten Mannschaft. Eintracht Frankfurt hätte ihn gern verpflichtet, aber Hoffenheim will ihn nicht zu einem direkten Konkurrenten ziehen lassen, sondern favorisiert ein Leihgeschäft mit einem Klub im Ausland. Bis Ende August ist noch Zeit. Es braucht Geduld und Nerven. Bei Xhaka bin ich überzeugt, dass er diese Saison zum Leistungsträger wird. Er hat wertvolle Erfahrungen gesammelt, davon werden er, der Klub und auch das Nationalteam profitieren.

SPOX: Wer könnte der nächste Schweizer Jungstar sein, der in die Bundesliga wechselt? Fabian Schär ist aktuell vielleicht das größte Talent.

Hitzfeld: Ich will nicht über Namen sprechen oder Anlass zu Spekulationen geben, sondern betonen, dass die kleine Schweiz mit 17 Spielern in der großen Bundesliga vertreten ist. Das ist Rekord für die einen, für die anderen ist es ein tolles Signal an den Schweizerischen Fußballverband und seine Ausbildungspolitik im Nachwuchsbereich.

SPOX: Am Mittwoch misst sich die Schweiz mit Brasilien. Die letzten Jahre haben die Brasilianer ein wenig stagniert und mussten erst einen Wandel vollziehen weg vom schöngeistigen Spiel und hin zum europäischen Standard. Was macht die Selecao derzeit so stark?

Hitzfeld: Ich denke, Trainer Felipe Scolari hat genau die richtige Mischung gefunden. Die Offensivkraft und die Spielfreude der Brasilianer ist jetzt richtig gewürzt mit Disziplin und echtem Team- sowie vor allem Winning Spirit. Damit ist auch eine gewisse Härte ins Spiel gekommen. Ich gehe deshalb davon aus, dass Brasilien gegen uns ganz schön zulangen und zur Sache gehen wird.

SPOX: Viele Teams riefen bereits ins Gedächtnis, dass es bei der WM sehr aufwendig werden wird, was die Transfers zu den Spielen und die Hitze angeht. Denken Sie auch, dass Brasilien allein schon aufgrund dieser Tatsache näher an den Favoritenkreis rückt?

Hitzfeld: Der Heimvorteil wird aus diesen Gründen sicher eine Rolle spielen. Allerdings muss auch Brasilien in den Norden für ein Spiel, bei dem die Temperaturen höher und vor allem die Luftfeuchtigkeit sehr viel größer ist. Aber unabhängig davon muss man Brasilien für diese WM auf der Rechnung haben. Trainer und Spieler waren schon beim Confederations Cup unter enormen Druck. Und sie sind der riesigen Erwartungshaltung gerecht geworden, auf eine erst noch beeindruckende Art und Weise.

SPOX: Ihr Vertrag läuft bis 2014, eigentlich wurde davon ausgegangen, dass dann Schluss ist. Können Sie sich vorstellen, auch bis 2016 weiterzumachen?

Hitzfeld: Meine Vertragssituation ist überhaupt kein Thema jetzt. Mein Fokus liegt einzig und allein auf der WM-Qualifikation und den verbleibenden vier Spielen.

Schweiz: News und Informationen zu Hitzfelds Team

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