Guardiola: "Spieler helfen mir mehr als ich ihnen"

Von Für SPOX in Prag: Thomas Gaber
Donnerstag, 29.08.2013 | 18:52 Uhr
Vor dem ersten gemeinsamen Finale: Bayern-Kapitän Philipp Lahm und Trainer Pep Guardiola
© getty
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Vor dem europäischen Supercup gegen Chelsea (Fr., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) zieht Pep Guardiola ein verblüffendes Fazit seiner ersten zwei Monate als Bayern-Trainer. Während der Einsatz von Bastian Schweinsteiger wahrscheinlich ist und Bayerns Revanche-Gelüste gegen Chelsea eher gering sind, spielte Blues-Coach Mourinho wieder mal sein eigenes Spielchen mit den Medien.

Dass Jose Mourinho Medientermine am liebsten meidet und eigentlich nur zu Pressekonferenzen erscheint, zu denen er gezwungen wird, ist seit seiner Zeit bei Real Madrid bekannt. In steter Regelmäßigkeit ließ er sich von Assistent Aitor Karanka vertreten. Spanische Presse? Nur über Mous Leiche. Presse allgemein? Kein Bock, aber wenn sich's nicht vermeiden lässt...

Pech für Mourinho, dass sämtliche UEFA-Veranstaltungen Pflichttermine sind für die Cheftrainer und deshalb musste Mourinho am Donnerstagnachmittag antreten.

Mou und sein Negativrekord

Er wäre am liebsten nach der ersten Frage wieder verschwunden. Wie er sich denn seinen Negativrekord gegen Pep Guardiola (nur 3 Siege in 15 Spielen) erklären könne, wollte ein Journalist vom Chelsea-Coach wissen.

Beim Wortfetzen "negativ" stellte es Mourinho die Nackenhaare auf. "Sie haben nicht recht. Sie liegen sogar vollkommen falsch", antwortete Mourinho und wiederholte seine Aussage mehrfach.

"Ich habe mit Real gegen Barca und Guardiola den spanischen Pokal gewonnen, den spanischen Supercup, die spanische Meisterschaft und mit Inter das Champions-League-Halbfinale. Sie liegen also völlig falsch."

Das tat der Fragensteller mitnichten. Die vorgetragene Statistik stimmt, Widerstand zwecklos. "Ok, vielleicht liege ich auch falsch. Aber im Prinzip ist mir die Bilanz auch völlig egal", sagte Mourinho und beendete damit die Diskussion.

"Nicht Mourinho gegen Guardiola"

Generell wollte der Portugiese den Vergleich mit Guardiola nicht kommentieren. "Wenn Sie nur über meine Zeit bei Real Madrid und die Duelle mit Barcelona reden wollen, ist das hier die falsche Veranstaltung. Das ist das Spiel Champions-League-Sieger gegen Europa-League-Sieger. Ich bin nicht Europa-League-Sieger und Guardiola nicht Champions-League-Sieger. Bayern spielt gegen Chelsea und nicht Mourinho gegen Guardiola."

Er sei nur froh dass seine junge Mannschaft die Chance bekäme, gegen "eine fantastische Mannschaft" spielen zu können. "Bayern ist als Team perfekt. Nur perfekt funktionierende Mannschaften können ein Triple gewinnen. Schweinsteiger, Robben, Ribery - die Bayern haben viele Spieler, die auf dem höchsten Level ihrer Karriere spielen", sagte Mourinho.

Dennoch habe sein Team eine Chance zu gewinnen. "Fußball ist unberechenbar. Wie oft wurde ein Gameplan früh in einem Spiel durch unvorhersehbare Dinge über den Haufen geworfen? Wir spielen Auge um Auge und können den Titel holen."

Für Bayern nur eine kleine Revanche

Im letzten Jahr wurde Chelsea von Atletico Madrid gedemütigt. Mit 1:4 verloren die Blues das Supercupfinale. Dass sie überhaupt teilnehmen durften, lag an ein paar verschossenen Elfmetern der Bayern im Finale dahoam 2012.

"Natürlich haben wir noch eine Rechnung offen. Aber das Ziel, das uns Chelsea versaut hat, haben wir ja im Mai in London erreicht. Wir wollen einfach den Pokal, den der FC Bayern noch nie gewonnen hat, endlich nach München holen", sagte Thomas Müller zu SPOX.

Ob Bastian Schweinsteiger dabei helfen kann, will Pep Guardiola erst am Freitag entscheiden. "Es geht ihm besser, aber wir müssen das Abschlusstraining und die Meinung der Ärzte abwarten", sagte Guardiola. Schweinsteiger hatte sich beim 1:1 in Freiburg eine Stauchung des Knöchels zugezogen.

Schweinsteiger meidet Zweikämpfe

Im Training in der Eden Arena von Prag hielt er auffallend zurück. Er trug als einziger Spieler eine lange Hose und zog in den Zweikämpfen zurück. Da Thiago bis November ausfällt und Javi Martinez laut Guardiola nur fünf bis zehn Minuten spielen kann, ist Schweinsteigers Einsatz als Aufbauspieler im zentral defensiven Mittelfeld umso wichtiger.

Zumal Guardiola bei Chelsea das Spiel gegen den Ball als große Stärke ausgemacht hat. "Mourinhos Mannschaften waren in der Balleroberung und dem Umschaltspiel immer stark", so Guardiola.

Viel mehr wollte der Bayern-Trainer nicht über den Kollegen sagen; in dieser Hinsicht waren sich beide einig. "Die Fans schauen Fußball wegen den Spielern, nicht wegen den Trainern. Ich bin froh, wenn der Schiedsrichter das Spiel anpfeift, dann ist endlich nicht mehr wichtig, was ich und Mourinho machen."

Guardiola will nach England

Mit Barcelona gewann Guardiola bereits 2009 und 2011 den europäischen Supercup. "Das ist mein erstes Finale mit Bayern. Ich hoffe, dass noch ein paar dazukommen werden, das erste will ich aber natürlich gewinnen", sagte Guardiola.

Und irgendwann will er auch nach England. "Ich bin noch ein junger Trainer, ich bin erst 42. Ich möchte einmal in England eine Mannschaft trainieren. Ich möchte die Mentalität dort kennenlernen. Ich liebe Herausforderungen, deshalb bin ich auch jetzt bei Bayern."

Guardiolas Fazit seiner ersten zwei Monate in München fiel dann recht verblüffend aus. "Ich glaube, die Spieler haben mir bis jetzt mehr geholfen als ich ihnen geholfen habe. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändern wird. Und ich bin auch davon überzeugt, dass wir im April und im Mai bereit sein werden, wenn die Titel vergeben werden."

FC Bayern München vs. FC Chelsea: die Bilanz gegeneinander

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