"Superagent" Jorge Mendes im Porträt

Der heimliche König des Fußballs

Von Michael Stadtler
Freitag, 01.02.2013 | 14:16 Uhr
Jorge Mendes ist der beste seines Fachs: Kein anderer Spielerberater vollzieht größere Deals als er
© Imago
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Vom Tellerwäscher zum Millionär! Ein gescheiterter Fußballer und durchwachsener Geschäftsmann mit Bars und Nachtklubs avanciert durch eine Kneipenbekanntschaft zum absoluten Big Player im Fußball-Universum. Es ist die Geschichte eines Mannes, der für den größten Transfer aller Zeiten und den bestdotierten Trainer-Vertrag der Welt verantwortlich zeichnet. Es ist die Geschichte von "Superagent" Jorge Mendes.

In feinem Zwirn und mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen betritt Spielervermittler Jorge Mendes wenige Tage vor Ablauf des Jahres 2012 eine Bühne in Dubai. Der elegante Südländer hat eine Vorliebe für feine, dunkle Anzüge. In der Regel meidet der Portugiese das Rampenlicht, er bewegt sich lieber im Hintergrund. Nicht jedoch an diesem 28. Dezember.

Mendes findet sich auf der Bühne der alljährlichen Verleihung der "Globe Soccer Awards" wieder. Er wird in der Kategorie "Bester Agent" ausgezeichnet, zum dritten Mal in Folge. Neben dem portugiesischen Spielerberater werden auch Jose Mourinho als "Bester Trainer" und Radamel Falcao als "Bester Spieler" geehrt. Beide hat Mendes unter seinen Fittichen, beide machte er zu den Besten ihres Fachs.

Mag der Name Jorge Mendes außerhalb des Fußball-Kosmos nur den wenigsten ein Begriff sein, dennoch gehört er zu den absoluten Big Playern im Business. Er hat Macht und Einfluss. Er ist der Spielervermittler, der die ganz großen Verträge für seine Klienten abschließt und im Hintergrund die Fäden zieht. Wenn die exorbitanten Ablösesummen über den Tresen wandern, dann hat Mendes mit großer Sicherheit seine Finger im Spiel.

Auf Umwegen zur großen Karriere

Dabei war nicht abzusehen, dass der 48-Jährige einmal derart Karriere machen würde. Zu seiner aktiven Zeit als Fußballer kann Mendes nur wenig überzeugen. Die Qualität ist schlichtweg nicht vorhanden, es hagelt gar Absagen von zweitklassigen portugiesischen Vereinen.

Deshalb versucht sich Mendes als Geschäftsmann mit Bars, Nachtklubs und einer Videothek. Ein Metier, in dem der Portugiese ebenfalls nur mit überschaubarem Erfolg agiert. Bis es für ihn zu einer schicksalshaften Begegnung kommt. 1996 trifft Mendes in einer Kneipe in Guimaraes auf den Torwart Nuno Espirito Santo. Es sollte der Beginn einer beispiellosen Karriere werden.

Mendes und der Keeper von Vitoria kommen ins Gespräch. Nuno erzählt von seinem Wunsch, zum FC Porto wechseln zu wollen. Die große Rivalität zwischen den beiden Klubs lässt einen derartigen Transfer aber nicht zu. Mendes erkennt eine Chance, die sein ganzes Leben verändern sollte. Er überzeugt den Profi, dessen Interessen vertreten zu dürfen. Prompt bringt er Nuno bei Deportivo La Coruna unter und umgeht das einstigte Transfer-Hindernis. Sechs Jahre später vermittelt er seinen Klienten wie vereinbart zum FC Porto.

Konzentration auf das Spielerberatertum

Mendes verzichtet fortan auf seinen Nachtklub und widmet sich ganz dem Spielerberatertum. Durch die wachsenden Beziehungen nach Spanien zu Depor lässt der nächste Deal nicht lange auf sich warten. Der Portugiese sichert sich die Dienste von Pauleta und verschifft den Angreifer von UD Salamanca ebenfalls in die galicische Provinz.

Auch wenn Mendes bei seinen ersten Geschäften noch keine Transfererlöse erzielt, seine Reputation wächst. Er macht sich einen Namen im Business und vertritt alsbald auch die Interessen der portugiesischen Nationalspieler Costinha und Capucho.

Die große Qualität von Spielern aus seinem Heimatland weiß Mendes früh geschickt und profitabel zu nutzen. Als der FC Porto im Jahr 2004 die Champions League gewinnt und die portugiesische Nationalmannschaft im eigenen Land Vize-Europameister wird, entwickelt sich Portugal zum idealen Land für Spielervermittler. Mendes ist zur Stelle und sollte sich bald die Pole Position unter den Agenten erarbeiten.

Veiga bricht mit dem FC Porto

Das Reservoir an hochtalentierten, portugiesischen Fußballern ist Mitte des Jahrzehnts schier grenzenlos und der Markt und die heimische Liga sind zu klein, um diese halten zu können. Portugal wird zu einem der größten Fußball-Exportländer der Welt. Und auch für etliche Südamerikaner wird das Land als Sprungbrett zur großen Karriere lukrativ. Am Im- und Exportschalter sitzt ein junger, aufstrebender Agent: Jorge Mendes.

Bei seinem vielleicht entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einer Weltkarriere hat der Portugiese trotz all der harten Arbeit und cleverer Schachzüge aber vor allem eines: Glück. Der den portugiesischen Markt beherrschende Agent Jose Veiga, der im Jahr 2000 den 60-Millionen-Euro-Rekord-Transfer von Luis Figo vom FC Barcelona zu Real Madrid eingefädelt hatte, überwirft sich mit dem FC Porto, dem Aushängeschild der heimischen Liga.

Mittelpunkt der Streitigkeiten ist ein Transfer von Sergio Conceicao, der bei der EM 2000 die deutsche Nationalmannschaft mit einem Dreierpack aus dem Turnier wirft. Mendes profitiert von der Posse und steigt zum neuen starken Mann beim FC Porto in Transferfragen auf.

Moneyball als Key-Strategy

Der mächtigste Klub Portugals generiert seit Jahren Transfererlöse wie kein zweites Team in Europa, ja gar auf der ganzen Welt. Immer wieder gelingt es, junge und in Europa völlig unbekannte Talente vornehmlich aus Südamerika an sich zu binden, sie zu Stars zu entwickeln und anschließend für teilweise exorbitante Summen an Topklubs zu veräußern.

Eine Win-Win-Situation. Während junge Spieler geradezu danach lechzen, sich an der portugiesischen Atlantikküste ins Schaufenster stellen zu dürfen, bekommt Porto billige und sportlich wertvolle Arbeitskräfte, die nach einigen Jahren eine enorme Dividende abwerfen.

Das Moneyball, die aus den USA importierte Erhebung aller statistischen Indikatoren einzelner Spieler, wird über die Jahre zur erfolgsversprechenden Key-Strategy des Teams. Seit 2003 erzielt der FC Porto über eine halbe Milliarde Euro (!) durch Spielerverkäufe, gewinnt während derselben Zeitspanne aber dennoch 24 Titel - darunter auch die Champions League 2004, der Uefa-Pokal 2003 und die Europa League 2011.

Teil II: Angriff auf PSG

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