Del Piero vor kuriosem Debüt in Australien

SID
Donnerstag, 04.10.2012 | 16:00 Uhr
Alessandro Del Piero muss für sein erstes Auswärtsspiel 2.200 Kilometer reisen
© Getty
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Den ersten Jetlag dürfte Alessandro Del Piero überwunden haben. Nur zweieinhalb Wochen nach seiner Ankunft in Sydney geht es für den einstigen Weltstar nun schon wieder ab in die Luft.

Zum Auftakt der australischen A League wartet auf den Neuzugang des FC Sydney am Samstag gleich ein besonderes Auswärtsspiel. Und zwar auf der anderen Seite des Pazifiks. Der Gegner heißt Wellington Phoenix, der einzige von zehn Klubs aus dem benachbarten Neuseeland. Distanz: 2.200 Kilometer. Flugzeit: knapp drei Stunden.

"Es ist schon kurios, wenn man für ein Auswärtsspiel ein Visum braucht und am internationalen Flughafen einchecken muss", sagt Thomas Broich, aktueller Meister mit Brisbane Roar und Australiens Fußballer des Jahres. In der am Freitag startenden Saison wird es für den Ex-Bundesligaprofi schwer werden, diese beiden Titel zu verteidigen.

Del Piero und Co treiben Fußball-Boom voran

Neben Del Piero wechselten mit Emile Heskey (Newcastle Jets) und Shinji Ono (Western Sydney Wanderers) zwei weitere Topstars in die A League. Sogar Michael Ballack war beim neu gegründeten Klub aus dem Westen Sydneys im Gespräch, bevor der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag seine Karriere beendete.

"Jeder große Name ist herzlich willkommen. Die Zuschauerzahlen straucheln seit Jahren. Da kann jeder Star nur helfen", sagt Broich und hofft nun auf einen neuen Fußball-Boom in Down Under. Denn obwohl die Sportart, auch dank des Erfolges des australischen Nationalteams bei der WM 2006 (Achtelfinale), zuletzt deutlich populärer geworden ist: Die 2004 gegründete australische A League fristet in dem Rugby- und Kricket-verrückten Land nach wie vor ein Schattendasein. Kamen in der Spitzensaison 2007/2008 im Schnitt fast 15.000 Zuschauer, so waren es in der vergangenen Saison nur 10.000. Del Piero und Co. sollen das nun ändern.

Fußball-Entwicklungsland Australien

"Australien ist noch immer ein Fußball-Entwicklungsland", sagt Broich. Wird es nun zum Paradies für "Fußballrentner", die wie Del Piero, Heskey und Ono ihre Karriere in warmen Gefilden ausklingen lassen? Das sei der ganz normale erste Schritt, sagt Broich und hofft, dass sich bald auch jüngere Topspieler anschließen und viele junge Talente nachkommen. Denn im Jugendbereich sei Fußball in Australien mittlerweile extrem populär. "Die Mehrheit der Kids spielt jetzt nicht mehr American Football oder Rugby, sondern Fußball."

Auch das sportliche Niveau hat laut Broich in den vergangenen zwei Jahren deutlich angezogen. "Alle Teams haben sich ein wenig vom einstigen Stil des 'Kick and Rush' verabschiedet und versuchen, einen gepflegteren Ball zu spielen. Trotzdem ist es immer noch eine physische Liga und Knochenarbeit", sagt der 31-Jährige, der einst für Mönchengladbach, Köln und Nürnberg in der Bundesliga spielte und in Australien sein spätes Glück fand.

Denn wenn es nach ihm geht, ist dort das Paradies für einen Profi-Fußballer. Kein ständiger Erfolgsdruck, keine ständige Kritik in den Medien und Anonymität. "Als mittelmäßiger Spieler kann man hier mehr Spaß am Fußball haben. Ich habe hier das Gefühl, dass ich so sein kann und darf, wie ich bin. Hier schert sich niemand darum, was ich abseits des Platzes mache", sagt Broich. Noch dazu Sonne, Strand und Meer. "Der Lifestyle ist ein weiterer Vorzug. Ich kann hier selbst im Winter mit dem Motorrad unterwegs sein und an den Strand gehen", sagt der gebürtige Münchner.

"No worries mate!" Eine Frage der Mentalität

Auch die Mentalität der Menschen in Down Under ist eine andere. Das Lebensmotto lautet: "No worries mate!" (Keine Sorgen, Kumpel!). Darum würden die Menschen ein Fußballspiel auch nicht so todernst wie in Europa nehmen. "Wenn ich mit Gladbach oder Köln ein Spiel verloren habe, konnte ich teilweise gar nicht vor der Tür gehen. Das ist hier ganz anders. Es wäre zum Beispiel undenkbar, dass Fans die Abfahrt des Mannschaftsbusses verhindern würden", sagt Broich.

Einen Nachteil gibt es für einen Profifußballer in Australien aber doch noch. Das große Geld wird hier nicht verdient. In der A League gibt der australischen Fußballverband (FAA) eine Gehaltsobergrenze vor. Und die ist im Vergleich zum europäischen Fußball sehr niedrig: 20 Spieler dürfen zusammen nicht mehr als rund 1,4 Millionen Euro verdienen. Ausgenommen sind ein sogenannter Marquee Player und ein Australian Marquee Player pro Team. Diese Regelung macht es möglich, dass Del Piero mit etwa 1,6 Millionen Euro pro Jahr mehr verdient als alle seine Kollegen zusammen.

Während die Saison für den Italiener am Samstag beginnt, geht es für Thomas Broich mit Meister Brisbane Roar erst einen Tag später los. Der Gegner heißt Perth Glory. Distanz: knapp 4.300 Kilometer. Flugzeit: knapp 4,5 Stunden.

Alessandro Del Piero im Steckbrief

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